@mikano Ich begrüße ja so gut wie alle deine Posts, weil sie im Gegensatz zu den Verteidigern bzw. Relativieren von Israels Vorgehen immer mit Substanz gefüllt sind. An der Stelle muss ich
@zimms aber insofern Recht geben, dass diese Aussage für mich eher in den Bereich der Verschwörungstheorie gehört:
Es gibt Kritik am israelischen Vorgehen. Dass diese begrenzt ist, liegt meiner Ansicht nach nicht an der übermächtigen Israellobby, sondern schlicht und ergreifend daran, dass es sich bei den Opfern um arme Muslime handelt. Die gehen den meisten Menschen in der Indoktrination durch Islamismus leider, so mein empfinden, ziemlich am Arsch vorbei. Insofern nehmen wir hier natürlich einen ähnlichen Weg wie der zur Empathielosigkeit in Israel, aber ich finde da arbeiten so ziemlich alle Medien dran mit.
Dieses Narrativ der jüdischen Medien- und Weltverschwörung erinnert mich zu sehr an KKK (oder aktueller KWest), als dass ich es ohne Cringe unterstützen könnte. Da verbrüdert man sich mit Nazis, die irgendwelche Theorien aufstellen, dass Israel die Migrationsbewegungen aus Afrika kontrolliert, um die westliche Welt und die "goyim" zu zerstören. Kritik am Vorgehen Israels braucht das nicht.
Die Israellobby besteht nicht ausschließlich aus Juden. Ein Rupert Murdoch bspw. ist meines Wissens kein Jude, stand aber auf Netanyahus Liste seiner größten Unterstützer und trägt dazu bei, israelkritische Stimmen/Beiträge in seinem Mediennetzwerk zu unterdrücken. Die Springerpresse ist m.W. auch nicht von Juden geführt, hat aber in ihre Charta festgeschrieben, dass sie Israel immer unterstützen werden und dient ihnen als Propagandaverlag, genau so wie zahlreiche andere Verlage. Wer z.B. nach dem offensichtlichen bias der NYT, der durch den unbelegten Artikel "Screams without words" seinen Höhepunkt fand, noch glaubt, dass diese Zeitung ausgeglichen über Israel/West Bank/Gaza berichtet, der hat entweder nicht viel mitbekommen, ist naiv, oder will es nicht sehen. Trump, Orban, die polnische PIS, die AfD usw. sind alle keine Juden, aber bedingungslose Unterstützer Israels.
Eine Vermengung von "Israellobby" und "Weltjudentum", was wie du sagst in Rechten Kreisen gerne gemacht wird, lehne ich entschieden ab und halte es für eine verkürzte, zu einfache und menschenfeindliche Antwort auf eine komplexe Situation. Diese Vermengung sorgt dafür, dass jüd. Menschen unter Generalverdacht stehen, an der Israellobby oder an israelischen Verbrechen beteiligt oder dafür mit verantwortlich zu sein.
Das ist Antisemitismus.
Die mitunter größten und prominentesten Antizionisten sind selbst Juden, wie z.B. Finkelstein und Chomsky.
Um auf den Kernsatz einzugehen, in dem wir offenbar unterschiedlicher Ansicht sind:
"Es gibt Kritik am israelischen Vorgehen. Dass diese begrenzt ist, liegt meiner Ansicht nach nicht an der übermächtigen Israellobby, sondern schlicht und ergreifend daran, dass es sich bei den Opfern um arme Muslime handelt. Die gehen den meisten Menschen in der Indoktrination durch Islamismus leider, so mein empfinden, ziemlich am Arsch vorbei."
Ich denke schon, dass antiarabischer Rassismus eine Rolle spielt. Gerade die Stereotype "Judenhassende Islamisten" und "Wilde Vergewaltiger", die gezielt und ununterbrochen propagandistisch gepusht wurden, haben in den ersten Monaten geholfen, dass die public opinion auf die Massaker in Gaza noch nicht so kritisch war wie sie wäre, wenn es sich bei den Opfern um z.B. Ostasiaten oder Weiße gehandelt hätte.
Mittlerweile ist die öffentliche Meinung aber deutlicher gegen Israels Vorgehen. Es gibt Anklagen im ICJ und ein vorläufiges Urteil über einen plausiblen Völkermord in Gaza; das ICC hat gegen Netanyahu und Gallant Haftbefehl erlassen wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Unter anderen Umständen würde ein solches Land auch in den Medien in D und USA als die Tyrannei benannt werden, die sie ist, bzw. wäre es das seit Jahrzehnten, da die Verbrechen Israels nicht erst seit dem 7.Okt begannen. Das ist seit Jahrzehnten bekannt, wenn auch in der Intensität, der genozidalen Barbarei und der unfassbaren Bösartigkeit wohl in dem Ausmaß den wenigsten bekannt gewesen.
Die Israellobby (die nicht nur aus Juden besteht, wie erwähnt) hält einen Druck auf Politiker und Journalisten aufrecht, der dafür sorgt, dass israelkritische Stimmen an den Rand geschoben, Unileitungen geschasst, Demonstrationen unterdrückt oder mit Polizeigewalt aufgelöst wurden, ein vom ICC gesuchter Kriegsverbrecher vor dem Kongress eine Standing Ovation erhielt und ein neutraler Diskurs in Politik und Medien unmöglich ist. Trotz aller bekannten Verbrechen Israels und des andauernden Völkermords in Gaza. Oder hältst du die Berichterstattung und den Diskurs über Gaza und WJL für ausgeglichen?
Ah und ich musste letztens an den Thread hier denken, als ich das aktuellste Comedy Special von Bill Burr geguckt hab. Der hatte einen schön anschaulichen Punkt zum Argument, dass Israel ja nicht verantwortlich sei für die vielen toten Zivilisten, da die Hamas sie als menschliche Schutzschilde benutzt.
"Wenn mein Nachbar mir auf die Fresse haut und dabei ein Baby im Arm hat, dann versuche ich doch, ihm eine zurückzugeben, ohne das Baby zu treffen. Ich boxe nicht durch das Baby in seinen Bauch." (inhaltlich, nicht wörtlich)
Den hatte ich auch letzte Seite verlinkt:
Mit den Worten des Gelehrten und Gentleman Bill Burr: you gotta work around that.
"Yeah, I'm not allowed to do that, but it's still socially acceptable to shoot a missile in the general direction of somebody you're upset with."US comedian ...
www.youtube.com