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Genderstudies / -equality

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Okay dann aber doch bitte mal konkret: wie soll diese Förderung aussehen, und wie würde dafür sorgen, dass Frauen in Relation zu Männern attraktiver für Unternehmen werden.
Von der Logik her muss man da ähnlich rangehen wie zB bei Behinderten, du musst den Firmen da finanzielle Unterstützung geben, wo sie aus ihrer Sicht Kröten schlucken müssen, wenn sie ein Elter unter Vertrag haben gegenüber dem kinderlosen Mitarbeiter. Von Mutterschutz über Elternzeit bis hin zum Wiedereinstieg und dann so Themen wie Krankheitstagen für Kind oder Kinderbetreuung auf der Arbeit. Das sorgt dann auch von ganz allein dafür, dass das mehr Frauen betrifft zum einen weil die sowieso immer betroffen sind wenn ein Kind kommt und auch Elternzeit ist halt zu über 3/4 ein Frauending.
Ja das würde Geld kosten keine Frage, aber das haben zB die ganzen Kitaplätze die man geschaffen hat auch.
 

Benrath

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Die Gesellschaft muss das Risiko der Elternzeit übernehmen statt der Unternehmen. D.h. ich würde da für kleine Unternehmen durchaus auch Flexibilität vorsehen, aber Anreize, die Leute über Elternzeit zu behalten.

Die kleine Firma, die eine 26jährige einstellt darf nicht bestraft dafür werden, indem sie Pech hat, wenn da Back-to-Back Schwangerschaften draus werden.
Das ist keine Maßnahme sondern ein Ziel.

Wie soll die Gesellschaft, dass denn übernehmen? Afaik zahlt die Gesellschaft, dass doch jetzt schon und nicht das Unternehmen. Dem Unternehmen fehlt halt die Arbeitskraft für ein Jahr und es muss garantieren, dass die Person nach X Monaten an den gleichen oder an einen gleichwertigen Arbeitsplatz zurückkehren kann.
 
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Die Gesellschaft bürdet den Unternehmen ja auf, Menschen in Elternzeit nicht kündigen zu dürfen. Dafür gibt es natürlich Gründe. Aber warum genau sollen die Unternehmen dafür zahlen? Es ist ja eine Entscheidung der Gesellschaft.

Insbesondere kleine Unternehmen spielen heute bei bestimmten demographischen Gruppen Lotto. Und deshalb wird halt dann eher der Mann oder die ältere Frau eingestellt, damit man nicht dass Pech hat und die eine Controllerin wird 3x in Folge schwanger, und man kann sich dann entscheiden jahrelang mit Zwischenlösungen zu arbeiten oder aber eine zweite Stelle zu schaffen, mit dem Risiko dass die Controllerin zurück kommt und man dann doppelte Lohnkosten hat, weil ja jetzt zwei Stellen.
 

parats'

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Unternehmen setzen die Lohnfortzahlung während der Elternzeit aus. Damit bleibt die fehlende Arbeitskraft die in der Regel Monate vor Beginn des Mutterschutzes ersichtlich ist. Den Mutterschutz selbst übernimmt die Krankenkasse, insofern muss der der AG "nur" für Ersatz sorgen. Das ist bei kleinen Arbeitgebern sicherlich schwieriger als in Konzernen, aber daraus eine Allgemeingültigkeit abzuleiten ist nicht trivial.
Was wäre denn dein Vorschlag dazu? Sollte dem AG eine geeignete Ersatzfachkraft gestellt oder Lohnnebenkosten erstattet werden?
 
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Es geht vor allem um das Problem, dass ich die Person ersetzen muss. Zeitvertrag ist uncool für den Ersatz und geht nur 2 Jahre. Festanstellung ist uncool, weil ich dann irgendwann zwei Leute für eine Rolle habe.

Also wäre ich dafür, dass es zum einen in der Tat null Nachteile hat. Also keine Lohnnebenkosten etc während des Ausfalls. Und zum anderen wäre ggf hilfreich (aber kein no brainer), wenn ich deswegen noch jemanden einstelle, dann später eine der Personen entlassen darf -- also der Kündigungsschutz etwas gelockert wird.
 
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Eine Person, die eine Zeit lang nicht arbeitet, ist einfach weniger "wert" für ein Unternehmen. Ob nun wegen Elternzeit oder Weltreise ist eigentlich egal.
Für Gleichberechtigung sollte man eher dafür sorgen, dass Männer genau so viel in Elternzeit gehen. Vielleicht für beide Elternteile verpflichtend machen? Keine Ahnung.
Eine Benachteiligung von Eltern bei der Karriere macht unternehmerisch aber Sinn. Ist das denn schlimm? (Gute) Eltern sind für die Gesellschaft ohnehin wichtiger als Manager :deliver:. Da sollte man lieber mal am gesellschaftlichen Prestige arbeiten.
 
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Ich glaube nicht, dass eine Person, die 10 Jahre im Unternehmen ist, und davon 3 Jahre nicht da war, signifikant weniger produktiv ist, als eine Person, die 10 Jahre am Stück im Unternehmen ist.

Klar, ein Stück weit schon durch Einarbeitung etc.

Aber allemal besser als jedes Mal eine ganz neue Person ohne Erfahrung zu haben.

Und: Auch unter denen mit Elternzeit finden sich top Talente, die man später im Management haben möchte.

Daher gibt es für größere Unternehmen jede Menge gute Gründe, da flexibel zu sein.

Es ist halt nur ein Wettbewerbsnachteil von kleinen Unternehmen.
 

parats'

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Es geht vor allem um das Problem, dass ich die Person ersetzen muss. Zeitvertrag ist uncool für den Ersatz und geht nur 2 Jahre. Festanstellung ist uncool, weil ich dann irgendwann zwei Leute für eine Rolle habe.

Also wäre ich dafür, dass es zum einen in der Tat null Nachteile hat. Also keine Lohnnebenkosten etc während des Ausfalls. Und zum anderen wäre ggf hilfreich (aber kein no brainer), wenn ich deswegen noch jemanden einstelle, dann später eine der Personen entlassen darf -- also der Kündigungsschutz etwas gelockert wird.
Fairerweise besteht nach der Elternzeit erstmal nur die Pflicht zur Weiterbeschäftigung, sofern die alte Stelle eben besetzt ist. Dazu kommt man idR. In Teilzeit wieder zurück und wird dann ohnehin eine andere Regelung finden müssen. Für wen soll denn der Kündigungsschutz gelockert werden? Für die Ersatzarbeitskraft?
 
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Den Mutterschutz selbst übernimmt die Krankenkasse, insofern muss der der AG "nur" für Ersatz sorgen.
afaik "nur" in einer Frist, wenn also mit der Schwangeren mal ungewöhnlich früh was los ist, geht das über den Arbeitgeber und ob eine Schwangere bis 6 Wochen vor der Arbeit 100% belastbar ist, ist wohl auch eine andere Frage...und damit mein ich nicht mal körperliche Belastbarkeit.
Das ist bei kleinen Arbeitgebern sicherlich schwieriger als in Konzernen, aber daraus eine Allgemeingültigkeit abzuleiten ist nicht trivial.
Was wäre denn dein Vorschlag dazu? Sollte dem AG eine geeignete Ersatzfachkraft gestellt oder Lohnnebenkosten erstattet werden?
Ich glaube nicht das die Wirtschaft sich freiwillig wen vom Arbeitsamt stellen lassen möchte (jedenfalls bei einigen Stellen), aber Kosten für das Finden des Ersatzes und ggf höhere Lohnkosten, wenn man eine gute Kraft haben will für eine befristete Anstellung, denn aus Sicht der Ersatzkraft ist das eben eine unattraktivere Stelle.
 

Benrath

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@Xantos du hast drölf Post weiter Wünsche statt Maßnahmen beschrieben, was konkret soll denn passieren?
 

parats'

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afaik "nur" in einer Frist, wenn also mit der Schwangeren mal ungewöhnlich früh was los ist, geht das über den Arbeitgeber und ob eine Schwangere bis 6 Wochen vor der Arbeit 100% belastbar ist, ist wohl auch eine andere Frage...und damit mein ich nicht mal körperliche Belastbarkeit.

Ich glaube nicht das die Wirtschaft sich freiwillig wen vom Arbeitsamt stellen lassen möchte (jedenfalls bei einigen Stellen), aber Kosten für das Finden des Ersatzes und ggf höhere Lohnkosten, wenn man eine gute Kraft haben will für eine befristete Anstellung, denn aus Sicht der Ersatzkraft ist das eben eine unattraktivere Stelle.

Beim Berufsverbot greift afaik die Krankenkasse. Die "Minderleistung" stimmt aber, die muss das Unternehmen tragen. Für das Unternehmen wären ein komplettes Berufsverbot deutlich besser als ein Beschränkung der Beschäftigungsdauer.
Die Ersatzkraft war jetzt kein Vorschlag meinerseits, sondern Futter für Xantos damit er mit seinen Vorstellungen rausrückt. ;)
 
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@Xantos du hast drölf Post weiter Wünsche statt Maßnahmen beschrieben, was konkret soll denn passieren?
Ich weiß auch nicht, was alle optimalen Maßnahmen zur Unterstützung kleinerer Unternehmen bei dieser Frage wären. Einige Möglichkeiten habe ich genannt, wie Lockerung Kündigungsschutz für kleine Unternehmen und weiterreichende Kostenübernahme.

Aber auch der Status quo ist tragbar, nur darf man dann keine Wunder von kleinen Unternehmen erwarten und ihnen nicht mangelnde diversity vorwerfen.
 

parats'

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Das kleine Unternehmen mit höherer compliance mehr Probleme haben ist klar.
Ich persönlich würde wohl einfach kleine Betriebe ausschließen, da es schlicht nicht leistbar ist.
 

GeckoVOD

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Ich weiß auch nicht, was alle optimalen Maßnahmen zur Unterstützung kleinerer Unternehmen bei dieser Frage wären. Einige Möglichkeiten habe ich genannt, wie Lockerung Kündigungsschutz für kleine Unternehmen und weiterreichende Kostenübernahme.

Aber auch der Status quo ist tragbar, nur darf man dann keine Wunder von kleinen Unternehmen erwarten und ihnen nicht mangelnde diversity vorwerfen.

Etwas ausführlicher bitte: Wirft man KMU im Kontext der Quote für börsennotierte Unternehmen etwas vor?
Und wo soll der Kündigungsschutz etwas bewirken? Bzw. welche Stellen sollen denn kündbar(er) werden? Das hört sich für mich aus diversen Gründen in erster Linie kontraproduktiv an.
 
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Neues aus dem Sprachkosmos der Genderstudies: Gendern eingedeutschter Anglizismen.
Wenns im Duden steht, muss es gegendert werden.

Heute: Gendern sie "Coach", Singular und Plural in diversen Fällen...
 
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Die wohl akzeptierte Antwort scheint übrigens folgendes zu sein:
Coach*in
Coachs*innen (oder Coach*innen je nachdem wen man fragt)
 
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Die Verwendung grammatikalisch korrekter Sprache führt mittlerweile zum Punktabzug.
 
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Kann man sich nicht ausdenken :rofl2:
Hoffentlich hagelt es Klagen
 

Gustavo

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Die Verwendung grammatikalisch korrekter Sprache führt mittlerweile zum Punktabzug.

Behauptet ein einzelner Student. Der auch zufällig in der CDU Kassel-Land ist. Halte ich erst mal für dubios.
 

Gustavo

Doppelspitze 2019
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Guter Artikel, weil er auf einen Punkt hinweist den man in diesem Thread dutzendfach hätte machen können: Durch Bekenntnisse alleine ändert sich erst mal wenig, selbst wenn die bisherigen Zustände tatsächlich korrigiert werden sollten.
Worüber ich schon länger nachdenke: Diese Art von Identitätspolitik überzeugt hauptsächlich Linke und ruft bei den meisten Menschen jenseits der absoluten Mitte bestenfalls Kopfschüttelt hervor, wenn nicht gar aktive Ablehnung. Gleichzeitig sind Linke häufig maximal für einen kleinen Teil der Probleme verantwortlich, die diejenigen beklagen, die identitätspolitische Forderungen stellen. Aber dort, wo die Linke nicht den überwiegenden Teil der Deutungsmacht hat, kann sie auch nicht viel ändern. In Deutschland gibt es (aktuell) keine Mehrheit links der Mitte, also läuft die Politik den gesellschaftlichen Trends genau so langsam hinterher, wie die Union sich dazu bringen kann.
 
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wo wir bei random link dropping sind
Im Lichte der Tradition, auf welche die Fremdsprachendidaktik zurückblickt, hat es Gewicht, wenn sich ein (emeritierter) Lehrstuhlinhaber für Deutsch als Fremdsprache in einem maßgeblichen Schriftstellerverband umhört, wie man es dort mit dem generischen Maskulinum hält. Lutz Götze von der Universität des Saarlandes hat die Mitglieder des PEN-Zentrums Deutschland nach ihrer Meinung dazu befragt. Den rund achthundert Mitgliedern des PEN-Zentrums wurden fünf Fragen zum generischen Maskulinum vorgelegt: Sind Sie 1. für die Beibehaltung des generischen Maskulinums, 2. für die Doppelnennung, 3. für den Asterisk, 4. für andere Kurzformen, 5. für den Glottisschlag?

Es gab 150 Antworten, eine, wie Götze meint, „qualifizierte Minderheit“, die dann, nach heutigen Maßstäben wahrscheinlich zu grob, noch in „männlich“ und „weiblich“ eingeteilt wurde. Man wird es kaum überraschend finden, dass die Männer sich eindeutig für die Beibehaltung des generischen Maskulinums, gegen das Sternchen und gegen den Glottisschlag ausgesprochen haben; eher überrascht, dass die Frauen mit knapper Mehrheit ebenfalls für das generische Maskulinum, aber gegenüber der Doppelnennung, dem Sternchen, dem Glottisschlag und anderen Kurzformen aufgeschlossener sind.

[...]

Götze, ein Sozialdemokrat älteren Schlags, hält das für „fadenscheinig“, im Grunde schon für „Zensur“, und verweist auf eine stichprobenhafte Befragung unter Mitarbeitern des Goethe-Instituts: Hier haben sich drei Viertel für die Beibehaltung des generischen Maskulinums ausgesprochen, sämtliche Befragte gegen jede Alternativform. Ein Institutsmitarbeiter aus Ostasien gab zu bedenken, wenn sich das Gendern durchsetze, würde das Deutsche in aller Welt bald überhaupt nicht mehr gelernt.
 
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Guter Artikel, weil er auf einen Punkt hinweist den man in diesem Thread dutzendfach hätte machen können: Durch Bekenntnisse alleine ändert sich erst mal wenig, selbst wenn die bisherigen Zustände tatsächlich korrigiert werden sollten.
Der Punkt wurde hier schon einige male gemacht...
 
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Götze, ein Sozialdemokrat älteren Schlags, hält das für „fadenscheinig“, im Grunde schon für „Zensur“, und verweist auf eine stichprobenhafte Befragung unter Mitarbeitern des Goethe-Instituts: Hier haben sich drei Viertel für die Beibehaltung des generischen Maskulinums ausgesprochen, sämtliche Befragte gegen jede Alternativform. Ein Institutsmitarbeiter aus Ostasien gab zu bedenken, wenn sich das Gendern durchsetze, würde das Deutsche in aller Welt bald überhaupt nicht mehr gelernt.
Wie der letzte Satz halt den ganzen Text unnötig diskreditiert :deliver:. Ich bin ja nun beileibe kein Gender-Fan, aber geht's auch 'ne Nummer kleiner?
 
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Guter Artikel, weil er auf einen Punkt hinweist den man in diesem Thread dutzendfach hätte machen können: Durch Bekenntnisse alleine ändert sich erst mal wenig, selbst wenn die bisherigen Zustände tatsächlich korrigiert werden sollten. […]
Das sage ich doch schon seit … immer. "Gerechte Sprache" und "Affirmative Action" sind nur dann ein Gewinn wenn sie aus Überzeugung genutzt werden. Was stattdessen passiert ist, dass es als Feigenblatt fungiert und sich an den eigentlichen Verhältnissen nichts ändert. Wenn man dann noch liest, dass manche Vertreter pro gerechte Sprache ganz offen für den Gehirnwäsche-Aspekt der Sache sind … well, count me out.

Ohne Rechtsinstitute die die Verhältnisse verändern passiert nichts. Gerechte Sprache mit der impliziten Drohung der sozialen Ächtung durchsetzen spaltet nur bzw. dient nur als elitäres Distinktionsmerkmal.

Ich frage mich deswegen etwas warum genau diese Art der Kritik wie im Artikel nicht auch bei den Sprachthemen kommt. Stattdessen wird da immer wieder von den "unzähligen Studien" geschwurbelt in denen "bewiesen" wurde, dass das alles so ist wie behauptet. Nur ist das halt ähnlich gelogen bzw. tendziös wiedergegeben wie die hier zu recht beanstandeten Vorbehalte der Union.
 

Gustavo

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Das sage ich doch schon seit … immer. "Gerechte Sprache" und "Affirmative Action" sind nur dann ein Gewinn wenn sie aus Überzeugung genutzt werden. Was stattdessen passiert ist, dass es als Feigenblatt fungiert und sich an den eigentlichen Verhältnissen nichts ändert. Wenn man dann noch liest, dass manche Vertreter pro gerechte Sprache ganz offen für den Gehirnwäsche-Aspekt der Sache sind … well, count me out.

Ohne Rechtsinstitute die die Verhältnisse verändern passiert nichts. Gerechte Sprache mit der impliziten Drohung der sozialen Ächtung durchsetzen spaltet nur bzw. dient nur als elitäres Distinktionsmerkmal.

Ich frage mich deswegen etwas warum genau diese Art der Kritik wie im Artikel nicht auch bei den Sprachthemen kommt. Stattdessen wird da immer wieder von den "unzähligen Studien" geschwurbelt in denen "bewiesen" wurde, dass das alles so ist wie behauptet. Nur ist das halt ähnlich gelogen bzw. tendziös wiedergegeben wie die hier zu recht beanstandeten Vorbehalte der Union.

Ja, das war schlecht formuliert von mir: Natürlich sagen viele Leute das. Und die Sprache ist nicht mal ein wahnsinnig gutes Beispiel für das Phänomen, was ich meine, denn Sprache ist tatsächlich praktisch kostenlos: Wenn jetzt Audi oder das Landratsamt Salzgitter oder sonst wer seine Mitarbeiter dazu zwingt, gendergerecht zu formulieren, wäre dadurch ja tatsächlich noch absolut Null gewonnen.

Ich habe in letzter Zeit mal ein paar Sachen von Leuten gelesen, die in Deutschland konsequent diese PoMo-Schiene fahren: AAS, Gender Studies usw. usf. Was mir bei fast allen aufgefallen ist, ist dass die meisten sich aus ihrer Jugend verletzt fühlen, weil sie sich nicht als zugehörig fühlten. Das Faszinierende an diesen Leuten ist für mich, dass ich ihnen tatsächlich abkaufe, dass sie das völlig alles ernst meinen und es andererseits trotzdem immer nur auf Lösungen hinausläuft, die eigentlich nur ihnen persönlich dienen. Neulich habe ich ein Interview mit einer Frau in der Vogue gelesen, die wohl gerne an der Uni geblieben wäre, aber weil es in Deutschland keine "Black Studies" gibt keine Stelle bekommen hat, die allen Ernstes folgendes sagte:

Gibt es nicht durch die Postcolonial Studies ein wachsendes Bewusstsein für Rassismus?

Wenn direkt zu Rassismus geforscht wird, etwa in den Postcolonial oder Gender Studies, ist das Bewusstsein da. Das Problem ist allerdings, dass Disziplinen wie die Postcolonial Studies, Black Studies oder Black European Studies nicht in Deutschland institutionalisiert sind. Es wird ohne diese Fächer langfristig nicht gehen. Und es braucht eine Anerkennung, dass diese Forschung genauso wichtig ist wie, sagen wir, die Krebsforschung. Denn Rassismus ist wie Krebs. Es frisst uns von innen auf.

Wie weit entfernt muss man von der Realität sein, bevor man sowas wie den drittletzten Satz sagt? Wie kommt man von "Rassismus ist Krebs" zu "das würde sichtbarer, wenn man mir bloß eine Professorenstelle geben würde"? Leider ist die Gefahr aber genau, dass wir das als Gesellschaft tatsächlich ernst nehmen. Wir können dem Teil der Gesellschaft, der instinktiv immer noch denkt "wer nicht so aussieht wie ich kann kein richtiger Deutscher sein" nun mal nicht vorschreiben, dass sie anders zu denken haben, also haben wir immernoch ein gutes Drittel der Leute, deren Haltung (gewollt odern nicht) als aktiv feindselig wahrgenommen wird. Also versucht der wohlmeinende Teil der Bevölkerung (vielleicht auch ein Drittel, der Rest steht irgendwo dazwischen), für Verletzungen zu entschädigen, die sie größtenteils gar nicht verursacht haben. Das führt zu immer abstruseren Entschädigungen und immer abstruseren Forderungen, weil der wohlmeinende Teil alleine eben relativ wenige Hebel kontrolliert: Ein paar geisteswissenschaftliche Fächer hier, ein paar Redaktionen da. Wenn man nicht gerade ein Extremist vom Schlag Maaßen ist, glaubt man nicht, dass diese Institutionen zusammen irgendeine gesellschaftsverändernde Kraft entfalten könnten.
 
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Kann mir jetzt nochmal jemand zusammenfassen, was von diesen Gesetzentwürfen zu halten ist?
Ich lese vom linken Mainstream nur, dass es überfällig sei, dass man keine x Gutachten und einen Gerichtsbeschluss braucht, um offiziell Namen oder Geschlecht zu ändern (finde ich auch) und vom konservativen Mainstream, dass es nicht sein darf, dass Jugendliche mal schnell ne Geschlechtsumwandlung machen (finde ich auch). Halbwegs objektive Darstellungen, was genau die Entwürfe alles umfassen und welche Auswirkungen das haben könnte, hab ich auf die schnelle leider nicht gefunden.
 

Benrath

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Kann mir jetzt nochmal jemand zusammenfassen, was von diesen Gesetzentwürfen zu halten ist?
Ich lese vom linken Mainstream nur, dass es überfällig sei, dass man keine x Gutachten und einen Gerichtsbeschluss braucht, um offiziell Namen oder Geschlecht zu ändern (finde ich auch) und vom konservativen Mainstream, dass es nicht sein darf, dass Jugendliche mal schnell ne Geschlechtsumwandlung machen (finde ich auch). Halbwegs objektive Darstellungen, was genau die Entwürfe alles umfassen und welche Auswirkungen das haben könnte, hab ich auf die schnelle leider nicht gefunden.
Also bei ersterem finde ich schon dass man ein oder zwei Gutachten erwarten kann bevor die Allgemeinheit dieses Schritt finanziert. Auch im Sinne der Person, die es möchte.

Die Empirie kann in dem Bereich auch nicht sehr viel sagen, da die Fälle bisher anscheinend viele Hürden überspringen mussten. Daher würde ich da auch nicht erwarten dass es viele später bereuen. Wenn die Hürden alle verschwinden, kann das anders aussehen
 

Benrath

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Also wenn es ums alleinige Eintragen geht, wäre es mir wohl auch egal. Ich gehe schon davon aus, dass es dann implizit auch um die Behandlung etc. geht, aber so wie du weiß ich sonst auch nicht mehr darüber. Die Behandlung wird dann wohl schon bezahlt werden.
 
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In dem Punkt geht es nur um das, was auf Papier steht. Daran entzündet sich ja die Aufregung.
 
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Wenn jetzt Audi oder das Landratsamt Salzgitter oder sonst wer seine Mitarbeiter dazu zwingt, gendergerecht zu formulieren, wäre dadurch ja tatsächlich noch absolut Null gewonnen.
Eben. Aber irgendwie scheint man den Menschen zu glauben die das einfach steif und fest behaupten. Ich habe bei einer halbwegs ordentlichen Recherche zum Beispiel keine dieser "vielen Studien" finden können die das angeblich belegen. Vermutlich mein Fehler, dass ich nach empirischen Papern in Fachjournalen gesucht habe und nicht nach irgendwelchem Kram der auf Deutsch in irgendeiner Working Paper Series veröffentlicht wurde :mond:
[…] die in Deutschland konsequent diese PoMo-Schiene fahren: AAS, Gender Studies usw. usf. […]
Ich bin dum, was ist PoMo und was ist AAS?

In other news: Ich glaube ja, wie schon immer, dass man in diesen Bereichen wirklich viel interessante Forschung betreiben könnte. Nur halt nicht mit Gelaber sondern mit quantitativen Methoden plus vorgeschalteten ordentlich angewendeten qualitativen Methoden. Dummerweise können die wichtigsten Vertreter dieser Bereiche (zumindest meiner Erfahrung nach) nichts von beidem, weswegen die relevante Forschung in diesen Bereichen von fachfremden Forschern kommt.
Wie weit entfernt muss man von der Realität sein, bevor man sowas wie den drittletzten Satz sagt? Wie kommt man von "Rassismus ist Krebs" zu "das würde sichtbarer, wenn man mir bloß eine Professorenstelle geben würde"? Leider ist die Gefahr aber genau, dass wir das als Gesellschaft tatsächlich ernst nehmen. Wir können dem Teil der Gesellschaft, der instinktiv immer noch denkt "wer nicht so aussieht wie ich kann kein richtiger Deutscher sein" nun mal nicht vorschreiben, dass sie anders zu denken haben, also haben wir immernoch ein gutes Drittel der Leute, deren Haltung (gewollt odern nicht) als aktiv feindselig wahrgenommen wird. Also versucht der wohlmeinende Teil der Bevölkerung (vielleicht auch ein Drittel, der Rest steht irgendwo dazwischen), für Verletzungen zu entschädigen, die sie größtenteils gar nicht verursacht haben. Das führt zu immer abstruseren Entschädigungen und immer abstruseren Forderungen, weil der wohlmeinende Teil alleine eben relativ wenige Hebel kontrolliert: Ein paar geisteswissenschaftliche Fächer hier, ein paar Redaktionen da. Wenn man nicht gerade ein Extremist vom Schlag Maaßen ist, glaubt man nicht, dass diese Institutionen zusammen irgendeine gesellschaftsverändernde Kraft entfalten könnten.
Man muss als Geistes- und Sozialwissenschaftler schon recht solide von der eigenen Relevanz überzeugt sein damit man zu dem Schluss kommt sich auf eine Ebene mit "Heilmittel gegen Krebs" zu stellen.
Die einfache und mE zweifellos richtige Antwort auf diese Probleme heißt schon immer Bildung und offene Auseinandersetzung mit dem Fremden. Unwissen und Nichtverstehen sind die größten Hürden. Diesen Menschen ihr Unwissen dann aktiv vorwerfen macht es nicht besser.
Allerdings sehen wir schon, dass diese Menschen/Forscher einen ziemlich großen Hebel haben. Ohne sie würde Audi vermutlich genausowenig wie die Stadtverwaltung von Pusemuckel irgendwelche Sprachregelungen herausgeben. Ebensowenig hätten wir einen guten Teil dieser Diskussion.
 

Gustavo

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Ich bin dum, was ist PoMo und was ist AAS?

Postmodernism(us) und African-American Studies. In Deutschland dann wohl einfach "Black Studies." (würde es sie doch bloß geben ZOMFG!?!?!?!)

In other news: Ich glaube ja, wie schon immer, dass man in diesen Bereichen wirklich viel interessante Forschung betreiben könnte. Nur halt nicht mit Gelaber sondern mit quantitativen Methoden plus vorgeschalteten ordentlich angewendeten qualitativen Methoden. Dummerweise können die wichtigsten Vertreter dieser Bereiche (zumindest meiner Erfahrung nach) nichts von beidem, weswegen die relevante Forschung in diesen Bereichen von fachfremden Forschern kommt.


Davon bin ich auch überzeugt. Ich habe einen relativ guten Einblick, was in den USA bspw. aus der Politikwissenschaft über Afro-Amerikaner kommt und da sind teilweise wirklich, wirklich gute Sachen dabei*. Aber die Fachbereiche kranken daran, dass sie alle bei den Geisteswissenschaftlern angesiedelt sind, wo eigentlich nur die Historiker etwas machen, was als ernsthafte Beschäftigung mit der Gesellschaft durchgeht. Ich hatte mal den Fehler gemacht, mich als grad student als TA für einen Kurs "Marxismus in Amerika" zu melden, weil ich dachte das sei leicht verdientes Geld, ohne dass mir klar war dass das von einer Literaturwissenschaftlerin unterrichtet wird. Längste drei Monate meines Lebens. :ugly:





*teilweise auch einiges an Grütze; vor ungefähr 10 Jahren hat ein Deutscher DCEs "entdeckt" und popularisiert und jetzt machen alle möglichen Leute irgendwelche nutzlose "conjoint experiments", die absolut nie irgendwas aussagen

Man muss als Geistes- und Sozialwissenschaftler schon recht solide von der eigenen Relevanz überzeugt sein damit man zu dem Schluss kommt sich auf eine Ebene mit "Heilmittel gegen Krebs" zu stellen.
Die einfache und mE zweifellos richtige Antwort auf diese Probleme heißt schon immer Bildung und offene Auseinandersetzung mit dem Fremden. Unwissen und Nichtverstehen sind die größten Hürden. Diesen Menschen ihr Unwissen dann aktiv vorwerfen macht es nicht besser.
Allerdings sehen wir schon, dass diese Menschen/Forscher einen ziemlich großen Hebel haben. Ohne sie würde Audi vermutlich genausowenig wie die Stadtverwaltung von Pusemuckel irgendwelche Sprachregelungen herausgeben. Ebensowenig hätten wir einen guten Teil dieser Diskussion.

Von den letzten beiden Sätzen bin ich weiterhin nicht wirklich überzeugt, einfach weil ich den "Wandel", den ich momentan sehe, für ziemlich billig halte. Auf Twitter gab es ja kürzlich einen Aufschrei, als irgendwer einen Aufsatz von Maaßen von vor einem Jahr ausgegraben hat, wo er in relativ klaren Worten sein Weltbild skizziert, was sich ziemlich genau mit "Welt-Kommentarspalte mit etwas mehr Allgemeinbildung" deckt: Marsch durch die Institutionen, die böse Linke hat die Gesellschaft kaputtgemacht, wir steuern geradewegs auf den Bürgerkrieg zu, er ist nur noch X Jahre (X verschiebt sich jedes Jahr jeweils um ein Jahr) weg wenn wir nichts tun. In der Realität kriegen wir größtenteils fakultative Gender-Sternchen und public policy in der Geschwindigkeit, in der die Union auf den Trichter kommt, dass etwas doch nicht so doll schlimm ist. Hat nur knappe 50 Jahre von 1968 bis zur "Homo-Ehe" gedauert; bin sicher in den nächsten fünf wird "Vater-Mutter-Kind(er)-Familie" als Konzept verboten. :rolleyes:
 
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Eben. Aber irgendwie scheint man den Menschen zu glauben die das einfach steif und fest behaupten. Ich habe bei einer halbwegs ordentlichen Recherche zum Beispiel keine dieser "vielen Studien" finden können die das angeblich belegen. Vermutlich mein Fehler, dass ich nach empirischen Papern in Fachjournalen gesucht habe und nicht nach irgendwelchem Kram der auf Deutsch in irgendeiner Working Paper Series veröffentlicht wurde :mond:
Du hast vermutlich nicht bei den richtigen Suchmaschinen gesucht. Es werden teilweise sogar Tumblr-Links zitiert.
 
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lel. Dabei wäre ich ernsthaft an guter Forschung aus der Ecke interessiert.
Das einzige was ich dann gefunden habe war u.a. ein Paper bei dem rauskam, dass der Effekt von Frauen in Vorständen über die Zeit betrachtet und um Nebeneffekte kontrolliert einen nicht feststellbaren Effekt hat. (War aus Korea und technisch so mittelgut gemacht, aber immerhin quantitativ.)
 
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Passt hier wohl am besten mit rein:
"Whiteness" soll jetzt scheinbar zur psychischen Krankheit gemacht werden:
Das Journal in dem das erschienen ist, scheint tatsächlich Peer reviewed und halbwegs anerkannt zu sein.
 

Gustavo

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Passt hier wohl am besten mit rein:
"Whiteness" soll jetzt scheinbar zur psychischen Krankheit gemacht werden:
Das Journal in dem das erschienen ist, scheint tatsächlich Peer reviewed und halbwegs anerkannt zu sein.

Könnte man nicht mal so ganz von der Hand weisen, wenn er die andere Seite der Medaille auch sehen würde, nämlich den chronischen Schuldkomplex den Teile der weißen Bevölkerung in den USA mit sich rumschleppen.
 
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care to elaborate on that Schuldkomplex?

Für mich liest sich das Abstract nach einem extrem durch die amerikanische Sicht geprägten Diskurs. Allein schon persönliches Verhalten auf der Grundlage bzw. analog zu gruppenbasierten kulturell/genetischen Merkmalen zu pathologisieren … da kräuseln sich mir die Fußnägel. Zusätzlich muss ich sagen, dass ich genau das was in den USA gerne unter "whiteness" subsumiert wird, aus meinem persönlichen Umfeld wenig bis gar nicht kenne. Akademikerbubble oder European Bubble?
 
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