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Nachrichten, Randnotizen und Kurioses v4

Gustavo

Doppelspitze 2019
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Da knirschen die Zähne bei der FAZ: Weidmann geht. Liegt nahe zu glauben, dass er von der nächsten Regierung für seine Politik weniger Unterstützung erwartet, was auch exakt das ist, was seine Politik verdient. Von der "Bundesbank-Tradition" zu schwadronieren, obwohl keine ernstzunehmende Zentralbank der Welt mehr eine solche Politik verfolgt, ist intellektuell schon mehr als bedenklich. Braunbergers Kommentare entfernen sich immer weiter von Empirie und nähern sich Ordo-Realitätsverweigerung an.
 

parats'

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Hast du mal eine kurze Zusammenfassung dazu? Also was genau an Weidmann so "schlimm" ist.
War bei der letzten EU Wahl nicht sogar Weidmann ein Kandidat für die EZB, was Frankreich im Hinterzimmer durch Uschis Krönung gerade so verhindert hat?
 
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Hast du mal eine kurze Zusammenfassung dazu? Also was genau an Weidmann so "schlimm" ist.
Er vertritt halt geldpolitisch eine extrem konservative Position, die auf der monetaristischen reinen Lehre aufbaut, wonach die Notenbank - und das ist nicht so krass überspitzt formuliert wie man meinen möchte - die Geldmenge auf Ziel hält und der Rest ergibt sich dann schon bzw. ist dann halt nicht das Problem der Notenbank. Das geht alles auf die aus der Quantitätsgleichung abgeleitete Vorstellung zurück, dass die Inflation sich - zumindest mittel- bis langfristig - 1:1 aus der Geldmenge ergibt und Geldpolitik "neutral" ist, also die Realwirtschaft nicht beeinflussen kann.

Das ist halt jetzt nach >10 Jahren extrem lockerer Geldpolitik und "Geld drucken" empirisch einfach mal etwas albern, denn wenn die Zusammenhänge so funktionieren würden wie postuliert, dann müssten wir schon längst Inflationsraten über fünf Prozent beobachten können, was schlicht und ergreifend nicht der Fall ist.

Bei Bedarf/Interesse gerne später noch etwas ausführlicher.
 

parats'

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Wo Du jetzt die Inflationsraten ansprichst - ich habe noch irgendwie im Kopf das man eigentlich Wachstum M3 im Verhältnis zum Wachstum des BIP setzt um die Inflation "anzugeben". Nun dreht sich den meisten Volkswirten sicherlich der Magen um, aber würde man statt des Warenkorbs genau das als Inflation angeben, dann wäre deine Aussage:
dann müssten wir schon längst Inflationsraten über fünf Prozent beobachten können
ja richtig. Jetzt mal so komplett naiv daher gesagt. :deliver:
 
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Wo Du jetzt die Inflationsraten ansprichst - ich habe noch irgendwie im Kopf das man eigentlich Wachstum M3 im Verhältnis zum Wachstum des BIP setzt um die Inflation "anzugeben". Nun dreht sich den meisten Volkswirten sicherlich der Magen um, aber würde man statt des Warenkorbs genau das als Inflation angeben, dann wäre deine Aussage:

ja richtig. Jetzt mal so komplett naiv daher gesagt. :deliver:
Quantitätsgleichung: MV = PY

M ist Geldmenge, V Umlaufgeschwindigkeit des Geldes, P Preisniveau und Y reale Produktion/BIP.

In Veränderungsraten:

dM + dV = dP + dY

Das eine Identitätsgleichung, die per Definition immer erfüllt ist, genau wie I=S. Unter der Annahme (!) von dV=0 kann man daraus ableiten, was du sagst:

dM - dY = dP

Das erste Problem ist dabei die genannte Annahme. Es gibt keinen plausiblen Grund, warum die erfüllt sein sollte. Und: Wir können die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes auch nicht direkt messen. Zudem (Problem nummer zwei) ist es noch nicht einmal objektiv eindeutig, welche Geldmenge denn nun herangezogen werden soll. Base Money? M1? M2? M3? Gewöhnlich nimmt man M2, aber das ist halt kein Naturgesetz.

Nächstes Problem: Wir beobachten das so nicht. Wir haben nicht fünf Prozent Inflation, die Herr Stark uns mal versprochen hat. Da helfen jetzt auch keine Ausreden, die Inflation sei halt bei den Vermögenswerten.

1. Wenn man sich die Aussagen der Warner von damals anschaut, ist ziemlich klar, dass die sich auf die Verbraucherpreise bezogen haben. Denn a) sind fünf Prozent Inflation bei Assets ist jetzt nicht so fürchterlich ungewöhnlich, dass man deswegen ausrasten müsste. Und b) ist es im täglichen Sprachgebraucht üblich, dass mit "Inflation" eben der VPI gemeint ist.

2. Es ist das fucking Ziel (!) dass bestimmte Vermögenspreise steigen und die Renditen entsprechend sinken. Sinn und Zweck dieser Assetkäufe ist es, das lange Ende der Zinsstrukturkurve anzusteuern, da am kurzen Ende die Zinsen ja schon bei Null sind.

3. Es ist letztlich auch das erklärte (!) Ziel von QE, dass auch die Verbraucherpreise mit den angepeilten 2% p.a. steigen.

Die Standard-Notenbanktheorie legt nach wie vor einen sehr starken Wert auf Regel- und Zielgebundenheit der Zentralbank, weil man davon ausgeht, dass Inflation letztlich eine selbsterfüllende Prophezeihung ist. Das soll so ablaufen: Die Notenbank erklärt ein Ziel (z.B. 2%), sie steuert aber die Preise nicht selbst, denn letztlich werden diese ja von den Unternehmen bestimmt, wobei wiederum Löhne als Kostenfaktor eine wichtige Rolle spielen. Wenn nun die Notenbank ein Ziel ausgibt und glaubwürdig klar macht, dass sie alles tun wird, um dieses Ziel zu erreichen, werden die Lohn- und Preissetzer von vornherein davon ausgehen, dass die Preise auch nur um 2% steigen und dementsprechende Löhne festlegen, die wiederum die 2% Inflation zulassen bzw. erzeugen.

Das Problem, das nun Leute wie Herr Weidman (und Stark und Issing und Sinn und....) haben ist, dass sie ziemlich offensichtlich eine krass asymmetrische Wahrnehmung haben, was die Problematik eines nicht erreichten Inflationsziels angeht. Offensichtlich stört es diese Herren nicht weiter wenn die Inflation über Jahre unter dem Ziel bleibt, aber sobald wir mal zwei Monate drüber liegen, geht sofort das Herzflattern los und das obwohl die aktuell höhere Teuerung einfach ziemlich eindeutig auf nicht-monetäre Faktoren zurückzuführen ist. Und da macht man sich mE als Wissenschaftler einfach lächerlich. Wer A sagt, muss auch B sagen. Entweder stimmt die Nummer mit den Erwartungen und der Glaubwürdigkeit, dann muss die EZB bei Unterschreiten der Zielinflation notfalls krass expansiv werden bis das Ziel wieder erreicht ist. Oder das ist eben doch nicht so wichtig, dann braucht man aber kein Geplärr veranstalten wenn das Ziel mal überschritten wird.

(Sidenote: Diese Idee mit den Erwartungen kommt atm grade reichlich unter Beschuss. Habe die Literatur dazu noch nicht gesichtet, aber da sollte man mal grundsätzlich darüber reden ob das so koscher ist. Im Moment ist es aber noch das dominante Modell.)

Zuguterletzt ist es ein empirisches Faktum, dass die Wachstumsrate der Geldmenge (egal ob nun M1, M2 oder M3) in Euroland in den letzten zehn Jahren im Schnitt nicht höher, sondern wenn dann niedriger war als in den dreißig Jahren davor. Klar, die Zentralbankgeldmenge ist stärker gewachsen, aber andere Komponenten eben langsamer.

Unterm Strich bleibt bei den Weidmännern halt nicht viel übrig außer das Beamtenklischee zu erfüllen: "Das ham wa immer schon so gemacht!"

€: Suffice to say, der Kommentarbereich bei Welt.de delivert. :deliver:
 
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parats'

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Danke für den Text. Ich sagte hier schon mal, dass man sowas fernab der Materie null einordnen kann. Zum Fall Weidmann gibt es nun auch zwei gegensätzliche Meinungen bzw. Fraktionen - die eine Seite die den Abgang für überfällig hielt (also auch ihr beide hier würde ich mal sagen) und eben deine angesprochenen Warner bzw. der Dunstkreis drum herum.

Ist der Spielraum bei der BuBa nicht ohnehin begrenzt, da die Ausweitung der Geldmenge über die EZB kommt?
 
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Ist der Spielraum bei der BuBa nicht ohnehin begrenzt, die Ausweitung der Geldmenge ohnehin über die EZB kommt?
Weidmann hat im Rat eine Stimme, wie jeder andere auch. Wobei er alle vier (?) Sitzungen nicht stimmberechtigt ist weil es ja dieses Rotationsmodell gibt.

MWn sind - mit Ausnahme des Beschlusses vom November 2019 (den ich auch für falsch halte), das APP wieder aufzunehmen - alle Beschlüsse zu Assetkäufen der letzten Jahre so ziemlich einstimmig gefallen, d.h. Weidmann war regelmäßig der einzige, der dagegen war. Dieses Story vom "Club Med", welcher die Bundesbank "majorisiert" ist einfach ein Hirngespinst von Hans-Werner Sinn. Die Südeuropäer haben gar keine Mehrheit im Rat. Auch die Vertreter von Ländern, in denen eher geldpolitische Vorstellung wie in Deutschland herrschen (Benelux, Finnland, Österreich, Baltikum) haben regelmässig diese Politik unterstützt.

Mich persönlich stört an Leuten wie Weidmann noch nicht mal, dass sie QE kritisch sehen oder der Meinung sind, Geldpolitik solle auf die Entwicklung monetärer Aggregate achten. Was mich stört ist dieses infantil-weinerliche Niveau, auf dem diese Kritik präsentiert wird - zumindest öffentlich. Ich würde ja zu gerne mal wissen wie bei denen interne Diskussionen ablaufen. Wenn Weidmann da auch nix zu bieten hat außer dieses ewige Mimimi "Aber die Sparer...", "Aber die Geldmenge...", "Aber stabilitätspolitische Grundsätze!" etc., dann wundert es mich nicht, dass er niemanden auf seiner Seite hat.
 
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parats'

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Wer gilt denn als Nachfolge bzw. wer käme denn generell in die engere Auswahl?
Im unteren Teil des aktuellen Artikels im Handelsblatt werden so einige Namen in den Raum geworfen.


Eine naheliegende Wahl wäre dann Bundesbank-Vizepräsidentin Claudia Buch. Allerdings hat so mancher in Notenbankkreisen und in Berlin Zweifel, ob sie der Aufgabe gewachsen wäre. Sie hat einen hervorragenden Ruf als Wissenschaftlerin und legt Wert darauf, in dieser Rolle gesehen zu werden. Nach außen hin galt gilt sie als eher unscheinbar. Eine Alternative wäre Isabel Schnabel, die derzeit im EZB-Direktorium sitzt und die mit Reden, in denen sie die Geldpolitik mit Verve verteidigt, für Aufmerksamkeit sorgt. Sie können sich viele an der Spitze der Bundesbank vorstellen. Schnabel spielt auch bei Diskussionen im EZB Rat meist eine wichtige Rolle, gerade weil sie nicht eindeutig einem Lager zuzuordnen ist.
[...]
Wenn die Wahl nicht auf eine Frau fallen sollte, gilt Jörg Kukies (SPD) als eine Option. Der Staatssekretär von Bundesfinanzminister Scholz und frühere Deutschlandchef von Goldman Sachs gilt als versierter Finanzfachmann, der fraktionsübergreifend geschätzt wird. Er ist allerdings kein ausgewiesener Notenbanker, und anders als Schnabel schon vor ihrer EZB-Zeit hatte er sich nicht als Wissenschaftler auf diesem Gebiet profiliert.
[...]
Ebenfalls gehandelt wird DIW-Chef Marcel Fratzscher, dessen Name schon bei den vergangenen Besetzungen wie dem EZB-Direktorium genannt wurde, der bislang aber stets leer ausging. Der Ökonom hat einst als Leiter der Abteilung für wirtschaftspolitische Analysen in der EZB gearbeitet, kennt sich in der Geldpolitik aus und pflegt gute Drähte in die SPD.
 
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Ich kann mir nicht vorstellen, dass die FDP jemanden absegnen wird, der SPD-Stallgeruch hat. Jedenfalls nicht ohne irgendwas (z.B. Finanzministerium) als Gegenleistung zu kriegen. Insofern würde es mich schon überraschen, wenn es Fratzscher oder Kukies würde. Bei Schnabel hat man das Problem, dass man dann auf EU-Ebene gleich wieder Gezerre um ihre Nachfolge hat.

Ein interessanter Name, der gestern bei ZO (?) genannt wurde, war Ulrich Bindseil. Der hat jahrzehntelange Praxiserfahrung in der Notenbank ist fachlich mMn über jeden Zweifel erhaben. Aber keine Ahnung ob so einer eine Chance hat.
 
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Plot twist: der Nachbar war schwarz, der Schütze wird von der Jury wegen Notwehr freigesprochen.
 
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Ich sage ja nicht, dass ihr Umgang "richtig" ist. Selbst wenn man Idpol vertritt, sollte man das anders tun. Mein Punkt war, dass dieser Ausrutscher bei weitem nicht gravierend genug ist, um ihr den Rücktritt nahezulegen.
Jo. Darauf können wir uns einigen. Würde nicht "bei weitem" sagen, aber ja.
Habe heute übrigens ein längeres Interview mit Luisa Neubauer gehört (FAZ Podcast von irgendwann vor der Wahl gute halbe Stunde) … ich verstehe nicht so recht warum sie so gehyped wird. Zumindest in dem Interview macht sie imho keinen überragenden Eindruck. Es ist eher peinlich wie unsouverän sie sich um manche Fragen drückt, bzw. vielleicht eher erstaunlich weil ihre Art zu antworten ziemlich typisch für ihre Altersgruppe sein dürfte und einige typische widersprüchliche Verhaltensmuster zeigt.
Ob ein "Ausländerpack" oder so auch goutiert werden würde, wenn man erklärt das halt nur der asoziale Teil gemeint ist?
[…]
Schließt das "Nazis" mit ein?
Wie geschrieben: gruppenbezogene Beschimpfungen gehen in keiner Konstellation klar.
Menschen als Nazis bezeichnen wiederum ist eine zweischneidige Sache. Einerseits ist es nicht sinnvoll diese Beschimpfung inflationär für Kleinkram zu verwenden der einem nicht passt. Andererseits ist es im Zweifelsfall halt einfach eine Tatsachenbeschreibung und damit keine wirkliche Beschimpfung :mond:
Quantitätsgleichung: MV = PY

M ist Geldmenge, V Umlaufgeschwindigkeit des Geldes, P Preisniveau und Y reale Produktion/BIP.

In Veränderungsraten:

dM + dV = dP + dY

Das eine Identitätsgleichung, die per Definition immer erfüllt ist, genau wie I=S. Unter der Annahme (!) von dV=0 kann man daraus ableiten, was du sagst:

dM - dY = dP

Das erste Problem ist dabei die genannte Annahme. Es gibt keinen plausiblen Grund, warum die erfüllt sein sollte. Und: Wir können die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes auch nicht direkt messen. Zudem (Problem nummer zwei) ist es noch nicht einmal objektiv eindeutig, welche Geldmenge denn nun herangezogen werden soll. Base Money? M1? M2? M3? Gewöhnlich nimmt man M2, aber das ist halt kein Naturgesetz.

Nächstes Problem: Wir beobachten das so nicht. Wir haben nicht fünf Prozent Inflation, die Herr Stark uns mal versprochen hat. Da helfen jetzt auch keine Ausreden, die Inflation sei halt bei den Vermögenswerten.

1. Wenn man sich die Aussagen der Warner von damals anschaut, ist ziemlich klar, dass die sich auf die Verbraucherpreise bezogen haben. Denn a) sind fünf Prozent Inflation bei Assets ist jetzt nicht so fürchterlich ungewöhnlich, dass man deswegen ausrasten müsste. Und b) ist es im täglichen Sprachgebraucht üblich, dass mit "Inflation" eben der VPI gemeint ist.

2. Es ist das fucking Ziel (!) dass bestimmte Vermögenspreise steigen und die Renditen entsprechend sinken. Sinn und Zweck dieser Assetkäufe ist es, das lange Ende der Zinsstrukturkurve anzusteuern, da am kurzen Ende die Zinsen ja schon bei Null sind.

3. Es ist letztlich auch das erklärte (!) Ziel von QE, dass auch die Verbraucherpreise mit den angepeilten 2% p.a. steigen.

Die Standard-Notenbanktheorie legt nach wie vor einen sehr starken Wert auf Regel- und Zielgebundenheit der Zentralbank, weil man davon ausgeht, dass Inflation letztlich eine selbsterfüllende Prophezeihung ist. Das soll so ablaufen: Die Notenbank erklärt ein Ziel (z.B. 2%), sie steuert aber die Preise nicht selbst, denn letztlich werden diese ja von den Unternehmen bestimmt, wobei wiederum Löhne als Kostenfaktor eine wichtige Rolle spielen. Wenn nun die Notenbank ein Ziel ausgibt und glaubwürdig klar macht, dass sie alles tun wird, um dieses Ziel zu erreichen, werden die Lohn- und Preissetzer von vornherein davon ausgehen, dass die Preise auch nur um 2% steigen und dementsprechende Löhne festlegen, die wiederum die 2% Inflation zulassen bzw. erzeugen.

Das Problem, das nun Leute wie Herr Weidman (und Stark und Issing und Sinn und....) haben ist, dass sie ziemlich offensichtlich eine krass asymmetrische Wahrnehmung haben, was die Problematik eines nicht erreichten Inflationsziels angeht. Offensichtlich stört es diese Herren nicht weiter wenn die Inflation über Jahre unter dem Ziel bleibt, aber sobald wir mal zwei Monate drüber liegen, geht sofort das Herzflattern los und das obwohl die aktuell höhere Teuerung einfach ziemlich eindeutig auf nicht-monetäre Faktoren zurückzuführen ist. Und da macht man sich mE als Wissenschaftler einfach lächerlich. Wer A sagt, muss auch B sagen. Entweder stimmt die Nummer mit den Erwartungen und der Glaubwürdigkeit, dann muss die EZB bei Unterschreiten der Zielinflation notfalls krass expansiv werden bis das Ziel wieder erreicht ist. Oder das ist eben doch nicht so wichtig, dann braucht man aber kein Geplärr veranstalten wenn das Ziel mal überschritten wird.

(Sidenote: Diese Idee mit den Erwartungen kommt atm grade reichlich unter Beschuss. Habe die Literatur dazu noch nicht gesichtet, aber da sollte man mal grundsätzlich darüber reden ob das so koscher ist. Im Moment ist es aber noch das dominante Modell.)

Zuguterletzt ist es ein empirisches Faktum, dass die Wachstumsrate der Geldmenge (egal ob nun M1, M2 oder M3) in Euroland in den letzten zehn Jahren im Schnitt nicht höher, sondern wenn dann niedriger war als in den dreißig Jahren davor. Klar, die Zentralbankgeldmenge ist stärker gewachsen, aber andere Komponenten eben langsamer.

Unterm Strich bleibt bei den Weidmännern halt nicht viel übrig außer das Beamtenklischee zu erfüllen: "Das ham wa immer schon so gemacht!"

€: Suffice to say, der Kommentarbereich bei Welt.de delivert. :deliver:
Das peinlichste/schlimmste ist, dass die VWL Theorie immer noch voll von "rAtIoNaLe ErWaRtUnGeN" ist und DSGE immer noch das Maß der Dinge darstellt.
Was hier steht predige ich ja schon lange, und es dürfte––trotz FAZ––auch bei Dir und gustl auf Zustimmung treffen mutmaße ich:
https://blogs.faz.net/fazit/2021/10/20/experimente-mit-tuecken-12385/ (letzter Absatz)
Der Fokus auf natürliche Experimente eröffnete den Ökonomen ein weites Feld. Nicht umsonst ging schon 2019 der Preis an experimentelle Forschung zu Erfolgen und Misserfolgen in der Entwicklungshilfe. Doch diese Entwicklung hat in Verbindung mit modernster Computertechnik auch ihre Schattenseiten. Ein Blick in die Fachzeitungen belegt, dass Ökonomen immer tiefer in immer spezielleren Statistiken herumgraben und sich in der Datenanalyse verlieren. Das geht auf Kosten der theoretischen Erkenntnis. Im Idealfall ergänzen sich Daten und Theorie und halten sich gegenseitig in Schach, um die Forschung relevant und wirklichkeitsnah zu halten. Dieses Gleichgewicht scheint ein wenig aus den Fugen geraten. Das ist die Kehrseite der spannenden Forschung mit natürlichen Experimenten.
Es ist insb. als Volkswirt von außen betrachtet peinlich wie wenig Fortschritt die Mainstream-Makro-Theorie so gemacht hat in den letzten 10 Jahren.
 
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Lulz, den Faz-Artikel habe ich vor ner Viertelstunde gelesen. :deliver:

Bei Makromodellen: Einfach auf SFC umstellen, Welt gerettet.
dealwithitdelivert70a.gif


Gibt btw nen aktuelles Paper von nem Fed-Ökonomen zu Inflationserwartungen als Determinante für tatsächliche Inflation. Bin noch nicht durch, aber drischt gut drauf.
 
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Ich mein … Erwartungen sind schon wichtig, aber frag mal 95% der Menschen auf der Straße nach ihren Inflationserwartungen. lel.

SFC … hab vor zig Jahren mit Antoine Godin in Amsterdam dazu geredet. Das hängt jetzt sehr davon ab was man darunter versteht. Wenn Du die SFC-Modelle meinst die gleichzeitig agentenbasierte Modelle sind, dann ja. Das ist ja das was ich lange gemacht habe … einfach Simulationsmodelle bauen und schauen wie die auf diese oder jene Modellierungseigenheiten reagieren.

Ad FAZ: Stimmst Du mir zu oder nicht?
 
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@chl3mIL @parats' schade Jungs, das Rennen ist vorb

Lindner einfach überlegene Lebensform, was soll man sagen. Bald als Bundesfinanzminister einer der mächtigsten Männer im Land, viel Cash auf Tash und eine schöne Frau. Alles richtig gemacht im Leben und in 2-3 Jahren kommen wunderschöne Lindnerbabies omg :deliver:
 

parats'

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@Schl3mIL @parats' schade Jungs, das Rennen ist vorbei :troll:
Da hat sich unser junger Gott im Admiralskörper aber einen genetischen 6er im Lotto organisiert.
Die Kinder können direkt alle Nobelpreise und Mr/Ms Universe Titel bekommen.
 

parats'

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Leider werden die Märchenonkel hinter einer Paywall versteckt. :raul:
Haben sich die beiden denn auch zu Habeck geäußert? Immerhin kann er zählen als gelernter Ziegenhirte.
 

Celetuiw

StarCraft: Brood War
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Würd ich auch gern wissen, immer diese paywalls. Ich der als staffi seit ewigkeiten ingame.de mit addblocker belegt hatte, weiß wovon ich rede wenn ich sage: ich will den Artikel umsonst und ohne Gegenleistung! :deliver:
 

Gustavo

Doppelspitze 2019
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Joseph E. Stiglitz ist Wirtschaftsnobelpreisträger und früherer Chefökonom der Weltbank. Adam Tooze ist Professor an der Columbia University in New York und Direktor des European Institute.


Zwei Dinge haben die Koalitionsverhandlungen in Berlin bislang deutlich gemacht: Eine Ampel ist die Regierung, die Deutschland gerade braucht. Die drei Parteien halten das Gleichgewicht zwischen Bewahrung und Fortschritt. Sie können sich bei Themen wie Sprache, Einwanderung und Bürgerrechten problemlos verständigen. Aber wie von vielen bereits befürchtet, ist der kleinste gemeinsame Nenner der drei Parteien in der Tat klein. Was das Sondierungspapier zum Thema Klima zu sagen hat, klingt beunruhigend schwach, dasselbe gilt für die Versprechungen zur Digitalisierung. Auch die Aussagen zur Europapolitik sind nicht verheißungsvoll.




Die Ampelkoalition scheint zum Erfolg verdammt, aber es besteht das Risiko, dass es eine schwache Regierung wird, die Schwierigkeiten hat, die Herausforderungen zu meistern, mit denen sie es zu tun haben wird. Umso wichtiger ist die Frage, wer die Spitzenpositionen besetzt. Starke Minister und Ministerinnen mit gutem Personal können etwas bewegen. Den besten Beleg dafür liefert Olaf Scholz selbst in seiner Rolle als Bundesfinanzminister.






Unter Scholz wandelte sich das Ministerium von einem Hemmschuh in einen Motor des Wandels. Lange überfällige Investitionen der öffentlichen Hand stiegen endlich spürbar an, vor allem aber war Scholz im Jahr 2020 bereit, die Kassen zu öffnen und durch ein umfassendes staatliches Hilfsprogramm die Folgen des Corona-Schocks für Wirtschaft und Gesellschaft abzumildern. Scholz und seiner Truppe sollte die Zukunft des Ministeriums sehr am Herzen liegen, denn sie haben dort viel bewirkt. Und den Grünen sollte klar sein, dass eine ernsthafte Klimapolitik unmöglich ist, ohne das Finanzministerium zu kontrollieren. Es ist der zweitwichtigste Posten der Regierung, und als zweitgrößte Partei sollten die Grünen ihn besetzen. Mit Robert Habeck als Minister und Sven Giegold als Staatssekretär verfügen die Grünen über ein plausibles Führungsduo.


Das Finanzministerium ist deshalb so wichtig, weil es im Gegensatz zu allen anderen Ministerien technische und politische Macht sowie nationale und internationale Aufgaben in sich vereinigt. Deutschland hat einen Außenminister, aber man sollte sich keinen Illusionen hingeben: Nach dem Amt des Bundeskanzlers ist der Posten des Finanzministers derjenige, der für Deutschlands tagtägliche Außenbeziehungen die größte Bedeutung hat. Das ist durchaus gewollt. Würde Deutschland beschließen, bei der Verteidigungspolitik in der ersten Liga mitspielen zu wollen, lägen die Dinge anders. Aber Deutschland hat sich dafür entschieden, an allererster Stelle eine Wirtschaftsmacht zu sein, deshalb ist das Finanzministerium so wichtig – und zwar auf drei Ebenen: der europäischen, der globalen und der transatlantischen.


Mit Blick auf Europa gilt: Die Euro-Zone ist unvollendet. Es gibt eine gemeinsame Währung, aber keine gemeinsame Haushaltspolitik. Die demokratische Legitimierung durch das Parlament ist unvollständig. Es fehlt offenbar der politische Wille, dieses Konstrukt durch eine Ergänzung der europäischen Verträge zu vervollständigen. Ob Europa funktioniert, hängt von der Qualität des politischen Managements im Tagesgeschäft ab. Historische Fortschritte werden durch geschickte Improvisationen ermöglicht. Unter Wolfgang Schäuble hatte das Berliner Finanzministerium im Rest Europas den Ruf, mit seinem Beharren auf strengen Sparvorgaben die Krisentendenzen der Währungsunion zu verschärfen. Unter Scholz entspannte sich vieles. Als 2018 den Populisten in Italien der Durchbruch gelang, hielt sich Scholz mit vorschnellen Kommentaren zurück. Als 2019 bei der Arbeitslosenversicherung und der Bankenunion Fortschritte nötig wurden, lieferte Berlin die richtigen Impulse. Und 2020 stabilisierte der Wiederaufbaufonds die europäische Wirtschaft und öffnete gleichzeitig die Tür zu einer gemeinsamen Haushaltspolitik. Er wurde in weiten Teilen im Bundesfinanzministerium verhandelt.



Es geht nicht darum, dass Deutschland als Hegemon auftritt. Das hat Europa nicht nötig. Es geht auch nicht darum, dass Deutschland aus altruistischen Gründen heraus Zugeständnisse macht. Deutschland profitiert in großem Maße von seiner Position in Europa. Was Europa benötigt, ist ein deutscher Finanzminister, der weiß, dass es für Länder mit gewaltigem Exportüberschuss wichtig ist, dass es den Handelspartnern gutgeht. Ein Finanzminister, der weiß, dass es bei finanzieller Nachhaltigkeit nicht einzig auf die Höhe der Schulden ankommt, sondern auch auf die Höhe des Bruttoinlandsprodukts. Ein Finanzminister, der weiß, dass Respekt nicht nur für die heimischen Wähler und Wählerinnen reserviert sein sollte, sondern dass er für Finanzverhandlungen auf europäischer Ebene ganz genauso gilt.




Lindners Wirtschaftspolitik ist eine Anhäufung konservativer Klischees​


Die größte Bedrohung für Europas Demokratie ist nicht die Einmischung durch Internet-Trolle oder andere Außenstehende, sondern eine unangemessene und zum falschen Zeitpunkt durchgesetzte Haushaltsdisziplin, die ein Minderheitsbündnis von "Nordstaaten" einer Mehrheit der europäischen Wählerschaft zwangsverordnet. Für Deutschland wäre es katastrophal, sich an die Spitze eines solchen Bündnisses zu stellen, wie es die FDP versprochen hat. Den nationalistischen Populisten in Italien könnte nichts Besseres passieren als eine öffentlichkeitswirksame Auseinandersetzung mit dem deutschen Finanzministerium. Das wäre fatal für Italien, schlecht für Europa und schlecht für Deutschland.


Auch auf globaler Ebene ist das Bundesfinanzministerium von zentraler Bedeutung. Deutschlands wohl wichtigste Rolle auf der Weltbühne ist die des Anteilseigners beim Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank. In der Corona-Krise haben beide enttäuscht. Im IWF haben die Europäer zwar zuletzt gemeinsam mit afrikanischen Nationen mehr Engagement gezeigt, doch es muss dringend viel mehr getan werden im Hinblick auf Impfstoffe, einen Schuldenerlass für die ärmsten Länder und die globale Klimapolitik.




Weil die Vereinigten Staaten im IWF über eine Sperrminorität verfügen, ist aber auch eine konstruktive Zusammenarbeit zwischen Europa und den USA bei globalen Finanzthemen essenziell, egal ob es um die Stabilität des Finanzsystems geht oder um die globale Besteuerung von Unternehmen. Seit dem Irakkrieg ist das transatlantische Verhältnis kompliziert. Im Rückblick zollen sogar amerikanische Außenpolitiker Deutschland Respekt dafür, sich bei den Militäreinsätzen in Irak und in Libyen zurückgehalten zu haben.


Genau anders liegen die Dinge, wenn es um Finanzen geht. Deutsche Konservative erwecken gern den Anschein, in Sachen Wirtschaftspolitik Vorbild zu sein, das entspricht aber nicht ihrem tatsächlichen Ansehen in der Welt. Bidens Truppe besteht in weiten Teilen aus erfahrenen Kräften der Obama-Ära. Wenn man mit diesen Leuten darüber spricht, welche Erfahrungen sie mit der zweiten Merkel-Koalition gemacht haben, als Schäuble Finanzminister war und Rainer Brüderle Wirtschaftsminister, löst man leicht traumatische Erinnerungen aus. Die Treffen der G20 waren – höflich formuliert – echte Horrorshows. Die Deutschen belehrten die Amerikaner in Sachen Haushaltsdisziplin, dann kehrten sie nach Europa zurück und sorgten dort für Chaos. Die Biden-Leute sind keine Radikalen, sie halten die deutschen Konservativen nur für engstirnig und weltfremd, mit Blick auf die Realitäten der Weltwirtschaft. Europa ist in ihren Händen nicht sicher.


Corona hat deutlich gemacht, dass das Schicksal Deutschlands mit dem Schicksal Europas verwoben ist. Ohne Europa gibt es keine bedeutsame Klimapolitik. Und die USA müssen als Partner eingebunden werden. Und wenn Deutschland, wie es im Koalitionspapier so kühn und so zutreffend heißt, ein Einwanderungsland ist, dann ist die globale Wirtschaftspolitik umso wichtiger. Der Marshallplan mit Afrika, den Merkel 2017 ins Leben rief, war die richtige Idee zur falschen Zeit. Deutschland und Europa müssen dringend eine schlüssige Vision für den künftigen Umgang mit dem riesigen Nachbarn im Süden entwickeln. Eine zentrale Rolle kommt dabei Weltbank und IWF zu. Auch hier könnte eine fantasievolle Führung des Bundesfinanzministeriums einen Unterschied machen.



Jeder weiß, dass auch Christian Lindner den Posten des Finanzministers will. Er hat das zu einem zentralen Wahlkampfthema gemacht. Und genau das ist auch schon der erste Grund, warum es ein Fehler wäre, ihm seinen Wunsch zu erfüllen. Was Deutschland oder Europa am allerwenigsten gebrauchen können, ist ein Finanzminister, der das Ministerium als Plattform ansieht, von der aus er die konservative Haushaltspolitik seiner Partei predigen kann. Das Problem besteht nicht nur darin, dass Lindners Wirtschaftspolitik – sei es bei der Schuldenbremse oder den Haushaltsregeln für Europa – eine Anhäufung konservativer Klischees ist. Viel wichtiger ist, dass es sich um Klischees einer vergangenen Ära handelt, nämlich um die der Neunzigerjahre. Wir leben nicht länger in der Welt, die sie hervorgebracht hat. Sie sind obsolet geworden nach drei Jahrzehnten der Krise auf den Finanzmärkten, in der Geopolitik, im Umweltbereich. In welcher Welt genau wir gerade leben, ist, ehrlich gesagt, unklar. Wer selbstbewusst für sich "Kompetenz" beansprucht, sollte einem suspekt vorkommen. Klar scheint jedoch, dass große Investitionen der öffentlichen Hand von zentraler Bedeutung sind und dass die Lösung nicht darin bestehen kann, in Europa einfach den 1992 ratifizierten Vertrag von Maastricht wiederzubeleben.




Das bedeutet nicht, dass die FDP nicht ein wichtiges Segment insbesondere der jungen deutschen Wählerschaft repräsentiert. Sie verkörpert eine politische Energie, die offen ist für Hightech, Modernisierung, Liberalisierung und Unternehmertum. Würde all dies zu einer Art Superministerium für Digitaltechnologie mit dem Auftrag der Modernisierung des Landes gebündelt, wäre das begrüßenswert. Um seiner selbst willen sollte Lindner die unmögliche Aufgabe erspart werden, seine vorsintflutliche haushaltspolitische Agenda auf die finanzielle Situation von heute übertragen zu müssen. Diese Art Crashtest kann sich weder Deutschland noch Europa erlauben.

Kleiner Auszug. :troll:
 
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Ich mein … Erwartungen sind schon wichtig, aber frag mal 95% der Menschen auf der Straße nach ihren Inflationserwartungen. lel.
In D: Inflation bei 5% und bleibt so. :deliver:


Ad FAZ: Stimmst Du mir zu oder nicht?
Ja, na ja. Irgendwie ja schon, weil ich ja tendentiell schon in dem Camp bin, dass ein ökonometrisches immer höher, schneller, weiter durchaus kritisch sieht und Theorie einfach immanenter Bestandteil von Wissenschaft ist. Andererseits missfällt mir die Formulierung, dass Leute sich in Datenanalyse "verlieren" etwas. Weder reine Theoriegefechte noch ein exzessives "immer mehr über immer weniger wissen" sind erstrebenswerte Zustände, aber tendenziell finde ich doch Datenanalyse > (reines) Theoriegelaber.

Bei dem ZO-Artikel will ich unbedingt auch mal einen Blick in die Kommentare werfen. ZO geht ja, was das Niveau der Leserkommentare angeht, gerade noch, aber selbst da erwarte ich kaum etwas, was über ein drumbratzig-chauvinistisches "was fällt den Amis ein, uns zu belehren!" hinausgeht. Mal sehen, ob ich mit nem anderen Gerät morgen hinter die Paywall komme.

€: Beim Tehmer Bundeswehr hat man sich ja btw darauf geeinigt, die personelle Aufstockung, die bislang geplant war, nicht zu verwirklichen. Ehrlich gesagt macht mich das eher skeptisch, obwohl sich hier dann wohl eher SPD/Grüne durchgesetzt haben. Denn: Wenn man sich hier durchsetzt, wird woanders eher die FDP ihre Zeichen setzen. Und meiner Meinung nach sollte Rot-Grün bei der BW lieber mal geschmeidig bleiben, denn letztlich ist die wichtige Frage hier nicht so sehr ob die jetzt 20.000 Männeken und ein paar Milliarden mehr oder weniger haben.
 
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Celetuiw

StarCraft: Brood War
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“Um seiner selbst willen sollte Lindner die unmögliche Aufgabe erspart werden, seine vorsintflutliche haushaltspolitische Agenda auf die finanzielle Situation von heute übertragen zu müssen.“

:rofl2: so schön kann man totale inkompetenz auch umschreiben. Sehr hübsch!
 

parats'

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Nicht die Primärquelle sowie nur kurze Auszüge, aber immerhin keine Paywall.
 

Gustavo

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Schau drei Posts über deinen.
 

parats'

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wtf, hab ich übersehen. Danke fürs teilen!
 
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Je mehr ich drüber nachdenke, desto mehr frage ich mich: Wie will die FDP eigentlich Lindner als Finanzminister durchdrücken?
SPD und Grüne haben bereits auf mehreren Ebenen ziemlich große Zugeständnisse gemacht. Wie will die FDP das öffentlich spinnen, wenn man die Koalition platzen lässt, weil Lindner seine Karrierewünsche nicht erfüllt kriegt?
Im Grunde geht das also nur, wenn die Grünen (und damit impliziert auch die SPD, weil sie finanzpolitisch mit Habeck viel mehr auf einer Linie wären) sich über den Tisch ziehen lassen oder dafür sehr große inhaltliche Zugeständnisse kriegen. Letzteres sehe ich bisher nicht und da ist imo auch nicht mehr wahnsinnig viel Potential. Die SPD hat ihre wichtigsten sozialen Anliegen bereits durchgedrückt, für die Grünen sieht es bisher eher mager aus. Das ohnehin unmögliche Projekt erfolgreichen Klimaschutz mit unzureichenden Mitteln zu bewerkstelligen ist ein undankbarer Job. Die FDP kann sich dagegen zurücklehnen, weil ihr ein Scheitern in diesem Punkt nicht wehtut.
 

Gustavo

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Je mehr ich drüber nachdenke, desto mehr frage ich mich: Wie will die FDP eigentlich Lindner als Finanzminister durchdrücken?


Meine Theorie ist ja, dass die FDP darauf spekuliert (und das nicht ganz zu Unrecht), dass linke Parteien im Zweifelsfall eher bereit sind, ihre eigenen Forderungen hintenan zu stellen, wenn es sein muss. Das ist imho das Perfide an "konservativer" Politik: Im Zweifelsfall funktioniert das häufig einfach, weil den linken Parteien die Handlungsfähigkeit des Staates wichtiger ist. Allerdings sehe ich es grundsätzlich hier auch wie du: Das wäre aus Sicht der FDP nie im Leben zu verkaufen, die Koalitionsregierung daran scheitern zu lassen, dass Lindner nicht das Finanzministerium bekommt. Zumal es traditionell ja durchaus so ist, dass die zweitstärkste Partei in einer Koalition als Zweite zum Zug kommt. Der Gedanke, dass die FDP auch nur im Traum daran dächte, den Grünen ihr Lieblingsministerium zu überlassen, wäre die FDP stärker geworden als die Grünen, ist total abwegig imho.
 
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Nicht die Primärquelle sowie nur kurze Auszüge, aber immerhin keine Paywall.
Joe Stiglitz findet zusammen mit einigen anderen amerikanischen Ökonomen auch, dass ein paar deutsche Weltmarktführer ihren Vorsprung bitte aufgeben sollten weil … Corona … und denk doch mal einer an die Kinder!!!!!

Der ist nicht dum, aber er ist auch nicht Gott. Speziell nicht weil er seine relevante Forschung nicht gerade im Bereich Technologiemanagement und Innovation erbracht hat. Seine Meinung dazu ist kaum besser als die von beliebigen anderen Menschen.
 

Gustavo

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Joe Stiglitz findet zusammen mit einigen anderen amerikanischen Ökonomen auch, dass ein paar deutsche Weltmarktführer ihren Vorsprung bitte aufgeben sollten weil … Corona … und denk doch mal einer an die Kinder!!!!!

Der ist nicht dum, aber er ist auch nicht Gott. Speziell nicht weil er seine relevante Forschung nicht gerade im Bereich Technologiemanagement und Innovation erbracht hat. Seine Meinung dazu ist kaum besser als die von beliebigen anderen Menschen.

Na ja, der Artikel liest sich relativ klar, insbesondere unter dem Gesichtspunkt, dass Tooze selbst zwar ein guter Wirtschaftshistoriker ist, aber kein Wirtschaftswissenschaftler: Es geht da eher um das "große Ganze" und sie glauben Lindner steht auf der falschen Seite der Geschichte, was Makro & Währungspolitik angeht. Zu Ersterem ist das letzte Wort noch nicht gesprochen (und wird wohl auch nie gesprochen werden), aber bei Letzterem erscheinen sie mir die ganz überwiegende Meinung zu vertreten, dass Deutschland hier mit seiner Inflationsfixierung der outlier ist. Was es jetzt tatsächlich bedeuten würde, wenn man eine Währungspolitik macht in "Bundesbank-Tradition", wie es dann immer so schön heißt, ist natürlich unklar, weil es momentan niemand auf der Welt tut. Mutmaßlich nichts Gutes.
 
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Es geht da eher um das "große Ganze" und sie glauben Lindner steht auf der falschen Seite der Geschichte, was Makro & Währungspolitik angeht.

Lindner lebt aber auch nicht in einer isolierten Welt. Gerade in der Pandemie hat sich gezeigt, wie wichtig Investitionen auch auf Kosten von Schulden in Krisensituationen sind. Ich weiß nicht, warum sie Lindner jede Entwicklungsfähigkeit absprechen. Die Welt hat sich weitergedreht, staatliche Beihilfen haben heute eine völlig andere Stellung als etwa vor 3 Jahren und das nicht nur bei Corona-Hilfen, sondern als genereller Impuls. Auch die Kommission steht heute Beihilfen deutlich offener gegenüber. Lindner wird die Uhr nicht zurückdrehen können.
 
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@Gustavo ja, ich meinte auch mehr den Blurb den Joe und seine Homies davor rausgehauen hatten als es um "gebt die Patente frei!!!!111einself" ging. Ich habe wirklich mehrfach darüber nachgedacht und mir Argumente und Daten zu exportierten Impfdosen angeschaut. Es fällt mir schwer hinter dieser Forderung mehr als Dummheit zu sehen, denn eine transparente industriepolitische Interessenvertretung würde ich den beteiligten Profs nicht unterstellen wollen.
Ich möchte dabei nicht einmal die "buhuu das geistige Eigentum"-Schiene fahren, sondern sehe nur, dass Europa mit Abstand am meisten Impfstoffe exportiert hat (und Indien) und bereits ein Haufen Anstrengungen unternommen werden, um einen schnellen Ramp-Up auf anderen Kontinenten zu schaffen. Sämtliche Argumente bzgl. "Die Patente freigeben ist entscheidend" sehe ich nicht.

Und daran musste ich denken bei obigem Artikel … auch wenn es nichts mit Lindner zu tun hat.
Bei dem obigen Thema sehe ich beide Seiten leicht auf dem Holzweg. Sparen und strikte Geldpolitik wird die bekannten Nebeneffekte haben, stark expansive Fiskalpolitik auf Pump wird ebenfalls absehbare Nebeneffekte haben. Imo ein Fall bei dem die Mainstream-Theorie halt schon recht gut zeigt was passieren kann. Was mE unterschätzt wird ist, dass expansive FP sicherlich gut wirken kann, aber dass die Nebenkosten durch Inflation bei wichtigen Dienstleistungen und Gütern sehr viel unsozialer verteilt sein werden als in anderen Szenarien, da sich die ärmsten Menschen immer am wenigsten vor solchen Effekten schützen können.
Dann geht man einen Schritt weiter und schafft staatliche Ausgleichsmechanismen … und schon hat man wieder einen Teil der produktiven Kapazität eines Landes in Verwaltungstätigkeiten gebunden. Keine gute Option finde ich.
Ich bin wirklich kein Apologet des Dog eat Dog Marktes, aber das Ziel einer guten Verwaltung und Regulierung sollte meines Erachtens sein, dass die Regulierung greift und gut überwacht wird, während die Verwaltung insgesamt so klein und effizient wie möglich ist. Klein im Sinne von: Keine unnötigen manuellen Aufgaben. Allerdings habe ich gestern schon wieder Zoten aus dem wirklich wahren Alltag des Prüfungsamts meiner Alma Mater #2 gehört … da geht es halt schlimmer zu als in jeder privatwirtschaftlich organisierten Bumsbude. Alte Abteilungsleiter die die Prüfungsamtelsen auf irgendwelchen Festivitäten bumsen und nachher zu Hauptsachbearbeiterinnen machen (E9 --> E10) und das nicht als Einzel- sondern als Regelfall inkl. Kartell des Schweigens über mehrere Bereiche hinweg.
Auf so vielen Ebenen falsch.
 

parats'

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Alte Abteilungsleiter die die Prüfungsamtelsen auf irgendwelchen Festivitäten bumsen und nachher zu Hauptsachbearbeiterinnen machen (E9 --> E10) und das nicht als Einzel- sondern als Regelfall inkl. Kartell des Schweigens über mehrere Bereiche hinweg.
Hast du dein Amt mit dem Springerverlag verwechselt?
 
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"mein" Amt? Lolnein. Das ist einfach nur das Prüfungsamt einer Uni an der ich mal war.
Aber 'schön' zu hören, dass der zweitwichtigste Wissenschaftsverlag der Welt auch ein Bumsbude zu sein scheint.
 
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