Habe Fallout 4 nun beendet.
Insgesamt sehr unterhaltsam, wenn auch nicht grandios.
Man läuft durch die absolut geniale postapokalytische Welt und sucht seinen Sohn. Wenn man das zielgerichtet macht dann hat man die Hauptstory auch einigermaßen schnell durch. Dazu gibt es 4 Faktionen, denen man sich anschließen kann und die einem dann sidequests geben. Das sind dann recht kurze Story-Missionen, die durchaus unterhalten, aber danach bekommt man zufallsgenerierte generische "gehe zu X, töte/sammle Y"-Quests. Langweilig aber geeignet, um ein paar lvl ups zu grinden, wenn man dann unbedingt möchte.
Hat man die regulären Missionen durch gibt es also nur noch wenig interessantes zu tun, jedenfalls wenig, zu dem man hingeführt wird. Es gibt aber noch viele unterhaltsame Events in der Spielwelt, die man allerdings selbst finden muss. Ich bin beispielsweise "zufällig" an einem Kühlschrank vorbei gelaufen, aus dem Stimmen kamen. Untersucht man die Hilferufe findet man jemanden im Kühlschrank eingesperrt und ein interessantes Quest startet. Aber man muss schon viel erkunden, um alle diese Sachen zu finden.
Man merkt auch, dass sich die Entwickler sehr viel Mühe bei all diesen "Kleinigkeiten" gegeben haben, wodurch leider das eigentliche Spiel leidet. Als Spieler wird man die meisten Gimmicks nie sehen, was man allerdings sieht sind die langweiligen sich wiederholenden Quests der großen Faktionen und die recht dünne Hauptstory. Hier wurde Potential verschenkt.
Schade ist, dass man im Laufe der Kampagne den Zugang zu 2 der 4 Faktionen verliert bzw. man anfangen muss, sie zu bekämpfen. Immerhin kann man sich aussuchen, wen man unterstützt und wen man bekämpft, aber so permanente Entscheidungen finde ich trotzdem doof.
Eine Faktion erlaubt den Bau von Siedlungen. Das System wird quasi nicht erklärt und ist auch nicht wirklich gut umgesetzt. Anfangs nervt es sehr - leider muss man aber als Teil der Kampagne ein paar Sachen bauen, d.h. man ist gezwungen, sich in den Siedlungsbau "einzuarbeiten". Letztendlich ist es dann aber doch nicht so schlimm und der "erzwungene" Teil nur kurz.
Neben Siedlungsbau gibt es auch crafting. Man kann seine Rüstung und Waffen komplett modden, was eine ziemlich gute Idee ist. Die Materialien dazu findet man i.d.R. haufenweise in der Spielwelt.
Leider ist die Balance etwas daneben. Sniper und MG brauchen die gleiche Munition, die MG entsprechend mehr davon als das Gewehr - und da Munition teuer ist gibt es eigentlich keinen Grund, mit automatischen Waffen zu spielen anstatt mit Sachen, die mit einer Kugel viel mehr Schaden anrichten.
Die Skills sind auch nicht unbedingt ausgeglichen. Modifikation von Waffen ist quasi Pflicht, weil man den Schaden damit vervielfachen kann. Mit hohen Rüstungsmodifikationen wird man nahezu unverwundbar, da können auch keine anderen Skills mithalten. Man kann auf Pistolen und automatische Waffen setzen, die nicht-automatischen Gewehre sind aber meist klar überlegen (mit Ausnahme einer speziellen Pistole im Nahkampf).
Das bringt mich zum nächsten Punkt: Die Spezialwaffen sind einfach OP. Es gibt ein Gewehr, das doppelten Schaden macht. Holt man sich das einigermaßen früh spielt man quasi im godmode. Dazu gibt es später ein Plasmagewehr, das doppelten Schaden gegen Gegner mit vollen HP macht - zum Scharfschützengewehr umgebaut haut man damit quasi alles mit einem Schuss weg. Oder eine Pistole, die weniger AP in VATS benötigt, so dass man mit dieser (und VATS) selbst Bosse mit einer Salve umhauen kann.
VATS funktioniert genau so wie in den Vorgängern. Es ist extrem nützlich, wenn man auf naher oder mittlerer Distanz mit mehreren Gegnern zu tun hat, auf lange Distanz kann man ohne VATS die headshots allerdings besser manuell setzen.
Das Kampfsystem macht durchaus Laune und bietet einen guten Mix aus Ballerei wie in einem Shooter und Skills/strategischem zielen wie bei einem RPG.
Die Steuerung ist absolut grauenhaft lächerlicher Mist. Es wurde offensichtlich auf den Controller zugeschnitten und Maus/Tastatur blieben komplett auf der Strecke. Man wühlt sich durch einfach nur beschissene Menüs, was die Entwickler einem da auf dem PC zumuten ist einfach nur eine Frechheit. Dabei hätte man das UI - gerade beim Siedlungsbau - so extrem gut auf die Maus optimieren können.
Technisch ist das Spiel auch einfach nur schlecht. Die PC-Optimierung ist auch hier komplett daneben. Die Grafik ist okay aber nicht herausragend, insbesondere die Ladezeiten sind aber jenseits von allem erträglichen. Ich habe das Spiel auf einer "normalen" Festplatte (keine SSD und auch schon etwas älter, also nicht die schnellste) installiert und musste teilweise 2 Minuten warten, bis eine neue Gegend geladen wurde. Schlimmer noch: Wenn ich in einem kleinen Gebiet war, das komplett in den Speicher passte, lief das Spiel perfekt flüssig. Sobald ich aber den mittleren Teil der Karte mit der riesigen Stadt betrat find die Festplatte an zu rattern, weil alle 2 Schritte etwas nachgeladen werden musste. Nachladen führte zu massiven Rucklern, so dass die Teile in der großen Stadt kaum spielbar waren. Ich musste immer ein paar Sekunden warten, bis die Festplatte aufhörte nachzuladen, bevor ich nach einem Wechsel des Blickwinkels innerhalb der Stadt wieder irgendwas tun konnte.
Das Spiel hat zu viele Mängel, als dass ich es wirklich uneingeschränkt empfehlen könnte, aber trotz all dieser Mängel hat es mich grob 40 Stunden lang sehr gut unterhalten. Die postabokalyptische Welt der 60er ist einfach zu genial und tröstet über alle anderen Probleme hinweg. Ich freue mich auf jeden Fall schon auf ein Addon, das hoffentlich eine etwas besser ausgebaute Story mitbringt und sich nicht so sehr in einer "zu großen" Spielwelt und mit zu viel Kleinkram verzettelt.