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Presse, Verzerrung, Infotainment

  • Ersteller Gelöschtes Mitglied 683020
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Woher kommt denn die Beobachtung, die Mehrheit des Volkes sei "rechtskonservativ". Angesichts der Umfrageergebnisse ziemlich absurd, insbesondere da es unseriös ist, die CDU und FDP in ihrer Gänze als "Rechtskonservativ" zu bezeichnen.

Auch dass bspw die Kampagne zur Enteignung der Wohnungskonzerne "sich bewusst gegen die vorherrschende Meinung stellen" sein soll, siehe bspw: https://m.tagesspiegel.de/berlin/na...gnungen-von-immobilienkonzernen/27116116.html

Ich wäre dankbar, wenn ihr mal euren Populismus-Begriff definieren würdet.. Wenn wir mal ganz naiv mit Wikipedia anfangen:
"Dem Begriff Populismus (von lateinisch populus ‚Volk‘) werden von Sozialwissenschaftlern mehrere Attribute zugeordnet. Charakteristisch ist eine mit politischen Absichten verbundene, auf Volksstimmungen gerichtete Themenwahl und Rhetorik. Dabei geht es einerseits um die Erzeugung bestimmter Stimmungen, andererseits um die Ausnutzung und Verstärkung vorhandener Stimmungslagen zu eigenen politischen Zwecken."

Dann ist da eben gar nicht nötig, dass man nur der Mehrheit nach dem Mund redet, um populistisch zu sein. Im Gegenteil -- es reicht, latente Haltungen (bspw Skepsis gegenüber Kapitalismus, Sorge um steigende Mietpreise) zu nutzen, und dann selbst aktiv bestimmte Stimmungen zu erzeugen (bspw sich-aufregen über die bösen kapitalistischen Wohnungskonzerne, damit dann Support für Enteignung wächst).
 
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Woher kommt denn die Beobachtung, die Mehrheit des Volkes sei "rechtskonservativ". Angesichts der Umfrageergebnisse ziemlich absurd, insbesondere da es unseriös ist, die CDU und FDP in ihrer Gänze als "Rechtskonservativ" zu bezeichnen.

Das wird ständig in einem Atemzug mit der Deutungshoheit der linken Medien und den Politikern die sich vom Volk entfernt hätten benutzt.

Heator reitet da beispielweise ständig drauf, "geh mal ins wahre leben, auf eine Baustelle o.ä."

Und da ist ja auch was wahres dran, die Twitterblase und der öffentliche Diskurs decken sich aktuell nicht wirklich mit der Lebensrealität des sogenannten kleinen Mannes.

Auch aus Wiki:
"Oft thematisieren Populisten einen Gegensatz zwischen „Volk“ und „Elite“"

Kleiner Mann, einfacher Arbeiter, Ostdeutschland, Landbevölkerung vs. den intellektuellen urbanen wohlhabenden hippen Städter
 
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Es sind ja auch erstmal 2 Paar Schuhe, was die Mehrheit des Volkes tatsächlich will und was einzelne Politiker denken, was die Mehrheit des Volkes wollen würde.

Die Umfragen haben ja auch 2015 Zustimmung für die Aufnahme von Flüchtlingen gesehen...war die AfD da dann nicht "populistisch", weil sie gegen die Mehrheit des Volkes etwas wollte? :rolleyes:
 
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Ja, "der kleine Mann" interessiert sich nicht für Wokeism und Gendersternchen. Aber durchaus für seine Miete, und ist daher empfänglich sowohl für Rechts- als auch Linkspopulismus. Der Widerspruch ist ja auch gar nicht vorhanden, beide leiern gern gegen Eliten, gegen "Neoliberale", gegen die bösen Tech-Konzerne und Kapitalisten.

@Btah: Gutes Beispiel. Die aktuellen Mehrheitsmeinungen haben nur sehr bedingt etwas mit Populismus zu tun.
 
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"Dem Begriff Populismus (von lateinisch populus ‚Volk‘) werden von Sozialwissenschaftlern mehrere Attribute zugeordnet. Charakteristisch ist eine mit politischen Absichten verbundene, auf Volksstimmungen gerichtete Themenwahl und Rhetorik. Dabei geht es einerseits um die Erzeugung bestimmter Stimmungen, andererseits um die Ausnutzung und Verstärkung vorhandener Stimmungslagen im zu eigenen politischen Zwecken."

Du vergisst die Bedeutung des letzten Abschnitts


Sich generell für Minderheiten (z.B. Transfrauen einzusetzen) ist für mich per Definition z.B. kein Populismus.

Wenn es allerdings z.B. ein schreckliches Körperverletzungsereignis gegen eine Transfrau gab und sich deswegen im Volk eine große Transfrauen Mitgefühlswelle breit macht, dann könnte man das reiten auf dieser (zu einem anderen Zweck als dem wohl der Transfrauen) als Populistisch bezeichnen.
 
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Es sind ja auch erstmal 2 Paar Schuhe, was die Mehrheit des Volkes tatsächlich will und was einzelne Politiker denken, was die Mehrheit des Volkes wollen würde.

Die Umfragen haben ja auch 2015 Zustimmung für die Aufnahme von Flüchtlingen gesehen...war die AfD da dann nicht "populistisch", weil sie gegen die Mehrheit des Volkes etwas wollte? :rolleyes:

guter Punkt, mal was mit Substanz von btah.
 
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Sich generell für Minderheiten (z.B. Transfrauen einzusetzen) ist für mich per Definition z.B. kein Populismus.
Im wikipedia steht auch öfter Abgrenzung von einer anderen Gruppe. "Die Rechten" sind zwar sicher keine "Elite", aber eine Gruppe von der sich einige eben auf Gedeih und Verderb absetzen wollen. Das kannst du eben auch erreichen in dem du dich für Gruppen einsetzt die der Gegner auf dem Kieker hat.
Die Stimmungslage ist dann eher "angewidert" von AfD, Querdenkern u.ä. und diese Stimmungslage gibt es bei uns ja nun schon einige Jahre lang.
 
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Wat ist das denn für ne bescheuerte Definition von Populismus, dass man da irgendwelche größeren Gesellschaftsschichten ansprechen muss? So verstehe ich Populismus nicht und wenn das die offizielle Definition ist, ist sie halt nicht zu gebrauchen. Demnach wäre, wie Btah richtig ausführt, die AfD nicht rechtspopulistisch gewesen und die Linke wäre keine linkspopulistische Partei, weil sie wenige Anhänger hat? Hä? Das ergibt vorne und hinten keinen Sinn. Populismus bedeutet komplexe Sachverhalte vereinfachen und damit Bauernfängerei betreiben. Es gibt Ökopopulismus, linkspopulismus, Rechtspopulismus. Impfgegner und Coronaskeptiker sind Populisten, genau so wie Woke Trottel die denken wir würden in einem Patriarchat leben oder dass nur Weiße rassistisch sein können, genau so wie Liberalpopulisten die meinen der Markt regelt alles und wir bräuchten nie Regulierung. Wie gesagt, die offizielle Soziologendefinition geht mir am Arsch vorbei, meine ist viel besser und ich wette die Mehrheit aller Menschen versteht Populismus so wie ich.
 
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Alle sind Populisten nur HeatoR nicht weil Jurist und einfach besserer Mensch. Definitionen sind auch richtig gut und wichtig außer man mag sie nicht dann macht man sich einfach eigene weil die Mehrheit der Menschen das bestimmt auch so sehen. Ich bin jetzt auch ein erleuchteter Zentrist alle die nicht meiner Meinung sind müssen Populisten sein. Ob Links- oder Rechtspopulisten entscheide ich dann nach Gefühl. Hauptsache ich bin der Geilste.
 
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Dann kommt doch mal mit den Definitionen, die wir anwenden und testen können.

"A political approach that strives to appeal to ordinary people who feel that their concerns are disregarded by established elite groups."
Das passt für mich sehr gut auf bspw. das Thema "hohe Mieten, böse Wohnungsbaukonzerne, böser Kapitalismus generell".

Sprich: Wenn jemand einfach nur sagt "Mieten zu hoch. Was können wir dagegen tun?" ist das nicht Populismus. Auch nicht, wenn er Enteignungen im Rahmen des Grundgesetzes als eine Option dabei sieht.

Wer aber das in einen Kontext genereller Kapitalismuskritik setzt und wer Firmen wie Deutsche Wohnen als die Hauptverantwortlichen für hohe Mieten darstellt -- das passt für mich zu Populismus.

Zitat:
2. Deutsche Wohnen & Co sind hauptverantwortlich für den Mietenwahnsinn [...] Ihre Enteignung wäre ein wichtiges Signal – denn die kleinen Miethaie nehmen sich die großen Miethaie als Vorbild.

Quelle

Und das ist noch die relativ seriöse Sprache auf der Homepage, also schon gefiltert. Wenn man sich die Demos anschaut, so gibt es da dann ganz grundsätlzliches Kapitalismus-Bashing.


Ich finde den Begriff übrigens durchaus problematisch, weil er dazu dient, sich nicht inhaltlich auf die Argumentationen einlassen zu müssen, sondern sie als "populistisch" abzutun. Von mir aus würde ich also nicht damit anfangen, die Linken als Linkspopulisten zu bezeichnen, sondern viel lieber über die konkreten Themen reden.

Wir sind ja aber in der Debatte, weil von Leuten, die sehr viel Rechtspopulsmus in Deutschland sehen, behauptet wird es gäbe dafür keinen / fast keinen Linkspopulismus. Und das ist abstrus.
 

Gustavo

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Wat ist das denn für ne bescheuerte Definition von Populismus, dass man da irgendwelche größeren Gesellschaftsschichten ansprechen muss? So verstehe ich Populismus nicht und wenn das die offizielle Definition ist, ist sie halt nicht zu gebrauchen. Demnach wäre, wie Btah richtig ausführt, die AfD nicht rechtspopulistisch gewesen und die Linke wäre keine linkspopulistische Partei, weil sie wenige Anhänger hat? Hä? Das ergibt vorne und hinten keinen Sinn. Populismus bedeutet komplexe Sachverhalte vereinfachen und damit Bauernfängerei betreiben. Es gibt Ökopopulismus, linkspopulismus, Rechtspopulismus. Impfgegner und Coronaskeptiker sind Populisten, genau so wie Woke Trottel die denken wir würden in einem Patriarchat leben oder dass nur Weiße rassistisch sein können, genau so wie Liberalpopulisten die meinen der Markt regelt alles und wir bräuchten nie Regulierung. Wie gesagt, die offizielle Soziologendefinition geht mir am Arsch vorbei, meine ist viel besser und ich wette die Mehrheit aller Menschen versteht Populismus so wie ich.


Caveat emptor: Mein Wissen über das Thema ist jetzt auch nicht groß. Linkspopulismus ist etwas, worüber in Europa anscheinend einfach wenig nachgedacht wird, weil es eher eine marginale Bewegung ist, insbesondere wenn man sie mit Rechtspopulismus vergleicht. Jemand der mehr Ahnung von der Situation in Spanien (Podemos) oder Griechenland (Syriza) hat könnte dazu deutlich mehr sagen. Aber: Deine Definition ist nun auch völlig nutzlos. "Komplexe Sachverhalte vereinfachen" muss erst mal jede Demokratie, denn der durchschnittliche Wähler hat nicht den Willen um sich so ernsthaft mit Politik zu beschäftigen, dass er über schemenhafte Betrachtung hinauskommt. Was "Bauernfängerei" ist ist dagegen völlig subjektiv und halt auch viel zu weitläufig als Definition: Bauernfängerei ist noch kein Inhalt und kann dementsprechend keine Ideologie sein, sondern nur ein Mittel in der politischen Auseinandersetzung. Manche davon sind relativ stark mit Populismus verbunden, aber mir fällt jetzt keins ein, das exklusiv von Populisten genutzt wird.

Ich sage btw überhaupt nicht, dass man nur dann von Populismus reden kann, wenn man es tatsächlich schafft, größere Gesellschaftsschichten anzusprechen. Ich sage aber dass es zumindest nicht von vorneherein komplett unrealistisch sein sollte. Deshalb ergeben sowohl Linkspopulismus als auch Rechtspopulismus intuitiv Sinn, "Ökopopulismus" aber eben nicht: Der Gegensatz "links vs. rechts" findet sich in so ziemlich jeder demokratischen Gesellschaft und spricht offensichtlich bestimmte grundlegende Fragen menschlicher Gesellschaften an (Freiheit vs. Gleichheit, Bewahrung vs. Veränderung, wie groß sieht man die Ingroup etc.), die bis auf eine wenige Extremisten eigentlich jeder für sich in irgendeine Form von Gleichgewicht bringen will. Insofern übertreiben Populisten in ihren Behauptungen, dass man sich aktuell in einer extremen Schieflage befindet und behauptet, das "wahre Volk" will eigentlich das Gegenteil: Rechtspopulisten behaupten, Fremde wären die Wurzel des Problems und das Volk will sie eigentlich nicht hier; Linkspopulisten behaupten, das Wurzel des Problems sei Kapitalismus und das Volk will eigentlich materiell völlige Gleichheit (natürlich sagen Linkspopulisten dazu Gerechtigkeit statt Gleichheit, das ist aber was sie meinen). Linkspopulismus ist vermutlich in europäischen Gesellschaften deutlich weniger eingängig, einfach weil den meisten Menschen klar ist, dass Kapitalismus an sich deutlich mehr Vorteile als Nachteile bringt (und sie die auch am eigenen Leib spüren, anders als teilweise in Südamerika), aber in Zeiten von echter materiellen Deprivation wie in Griechenland oder Spanien kann das auch wieder hochkommen, wie man gesehen hat. Ökologisches Denken dagegen ist ein Eliteprojekt, das mehr oder weniger auf eine postmaterielle Gesellschaft angewiesen ist um politisch irgendeine Chance auf Erfolg zu haben. Wie soll Ökopopulismus denn aussehen? Wir kehren alle sofort zum Anarcho-Primitivismus zurück, weil sonst die Erde demnächst explodiert? Das ist alles ziemlich inkohärent. Wie gesagt: Nur weil etwas dir (oder mir) nicht passt ist es deshalb noch kein Populismus, sonst bedeutet das Wort rein gar nichts.

Ähnliches gilt hierfür:

Für mich ist das Anbieten vermeintlich einfacher Lösungen für komplexe Probleme klar populistisch. Und auch, dass die Probleme mit einfachen Feindbildern erklärt werden (hier: böser Kapitalismus, gierige Wohnungskonzerne).

Ich denke das ist notwendig, aber es ist nicht hinreichend. Verschwörungstheorien bieten auch einfache Lösungen für komplexe Probleme, sind aber häufig nicht populistisch, weil eben keine Überhöhung des "wahren Volks" stattfinden, das im Gegenteil eher als Herde von Schafen dargestellt wird, die zu dumm sind ihre eigenen Interessen wahrzunehmen. Populisten argumentieren dagegen fast immer damit, dass das wahre Volk die guten und richtigen Ansichten hat (und natürlich auf ihrer Seite ist), diese aber unterdrückt werden, sei es durch die Medien oder direkt durch "false consciousness."


Nach welcher Definition ist Populismus eine Ideologie? Oft wird Populismus natürlich von Ideologien eingesetzt, aber nicht immer. Gibt auch ganz pragmatische Populisten, denen es nur um Macht geht.

Nach deiner sehr engen Definition, was wäre denn dann überhaupt noch populistisch in der deutschen Parteienlandschaft?

Populismus gibt es nur auf Basis einer Ideologie, meines Wissens bestreitet das auch niemand. Du kannst dich natürlich populistisch äußern, ohne daran zu glauben was du sagst und das passiert in der Politik ja auch gar nicht selten (Schröders Spruch von wegen Schlüssel wegwerfen bspw.), aber was das von Populismus als Ideologie unterscheidet ist dass Populismus als Ideologie das tatsächlich so meint, wie er es sagt*. Ein anderes gutes Beispiel: In der AfD wird gerne (und korrekterweise) darauf verwiesen, dass sowohl Schmidt als auch Kohl sich diverse Male dahingehend geäußert haben, dass Einwanderung zum Problem wird und sie das unterbinden würden. Tatsächlich war es aber so, dass keiner von beiden trotz zusammen fast 25 Jahre Regierungszeit große Anstalten gemacht hätte, das in die Tat umzusetzen; gerade unter Kohl ist die Zahl der türkischstämmigen Bevölkerung in Deutschland weiter gestiegen. Wenn die AfD die Art von Macht hätte, die Schmidt oder Kohl hatten, würden sie das nie im Leben zulassen. Die AfD ist für mich mittlerweile klar eine populistische Partei für mich, eben weil sie voll mit Leuten ist die tatsächlich an diese Art von Vereinfachungen glauben.
Die Linke würde ich als teilweise populistisch sehen, da gibt es auch relativ gemäßigte Leute wie Ramelow, der sicherlich eine andere Form von Kapitalismus will, aber ihn eben auch nicht als Wurzel allen Übels sieht und es gibt Leute wie Wissler, die tatsächlich knallhart den ganzen Unfug von wegen demokratischer Sozialismus glauben. So richtig traue ich mir nicht zu die stärke der jeweiligen Richtungen einzuschätzen, würde aber vermuten, dass der Wissler-Flügel insgesamt (und im Westen) stärker ist, der Ramelow-Flügel eher stärker im Osten, zumindest anhand dessen was ich gemeinhin so lese. Würde allerdings im Traum nicht auf die Idee kommen Linkspartei zu wählen, insofern habe ich mir die Frage nie so ganz konkret gestellt.


*natürlich gibt es Abstufungen, keine Partei ist 100% auf populistischer Ideologie gebaut und ich vermute es gibt auch keine Partei aus der nie populistische Äußerungen kommen


Allerdings:

Beispiel: auch als Befürworter der Verhinderung illegaler Migration und von effektiven Abschiebungen von Kriminellen würde ich sagen, dass bei diesen Themen oft Populismus angewendet wird. Zum Beispiel gerade mit dem Fokus auf einzelne Events, bspw Breitscheidplatz, Maria aus Freiburg. Oder dann, wenn so getan wird, als wäre das keine einfache Debatte über das, was wir tun sollten, sondern ein Kampf gegen sinistre Mächte a la Soros.

Ebenso ist für mich eben die simple "Kapitalismuskritik" (die de facto oft eine naive Verteufelung ist) Populismus, insbesondere wenn man sich einzelne Akteure als Feindbild aussucht wie die Deutsche Wohnen. Und vor allem ist es populistisch, wenn man bekannte andere Erklärungen und negative Nebeneffekte ignoriert -- zum Beispiel die negativen Effekte auf Neubautätigkeit, welche die Berliner Politik hat.

Auch ganz klarer Linkspopulismus ist, wenn bei Themen wie Rigaer 94 die Hausbesetzer und Gewalttäter in Schutz genommen werden. Was definitiv keine Seltenheit ist.


Davon bin ich nun so gar nicht überzeugt. Rigaer Straße bspw. ist ein gutes Beispiel dafür, dass "Linkspopulismus" und "Linksextremismus" nicht deckungsgleich sind und nicht durcheinander geworfen werden sollten. Ich bin sicher dass die ihre Sympathisanten auch bei Linken und Teilen der Grünen in Berlin haben, aber wie sie darauf reagieren zeigt ja gerade, dass sie nicht versuchen, das zu einem großen Kampf zwischen der bösen Staatsmacht, die den Kapitalismus schützt und den guten Hausbesetzern zu stilisieren* sondern versuchen das Thema auszusitzen, weil sie wissen dass man nichts damit gewinnen kann, sich schützend vor Leute zu stellen, die grundlos die Polizei angreifen.

Aber dass "Kapitalismuskritik" schon Populismus sein soll, erschließt sich mir nicht und privilegiert den Kapitalismus auch grundlos. Das ist aber auch nicht, was die Leute machen, weil sie eben nicht DEN Kapitalismus kritisieren, sondern das Funktionieren des Kapitalismus in exakt einem Bereich als Reaktion auf eine reale Entwicklung: Dem Wohnungsmarkt in Berlin, der tatsächlich extreme Preissteigerungen (von einem niedrigen Niveau aus natürlich) hatte in den letzten 10 Jahren. Mag sein, dass viele dieser Leute insgesamt ihre Probleme mit dem Kapitalismus haben, aber solange man das nicht zum Thema macht kann man auch noch nicht von Linkspopulismus reden. Das ist vielleicht linkere Politik als du sie dir wünschst (ich habe btw auch meine Zweifel daran, ob das alles so zielführend ist), aber ich erkenne da den populistischen Aspekt noch nicht so recht, solange wir so kleinteilig bleiben.
Generell tue ich mir schwer damit, eine pure Reaktion als Populismus zu sehen, einfach weil Reaktion nun mal in der Politik normal ist: Wenn in einem Jahr eine Million Flüchtlinge über die Grenze kommen ergibt es Sinn, anders über die Frage nachzudenken als wenn es 150k sind, das ist imho normal. Wenn sich der Wohnungsmarkt überhitzt, ergibt es Sinn anders über den Wohnungsmarkt nachzudenken. Populisten sollten davon aber unabhängig sein: Für den Populisten sind Flüchtlinge oder Kapitalismus _grundsätzlich_ ein Problem, nicht nur dann wenn es subjektiv schlecht läuft.





*seit ich nicht mehr in Berlin wohne lese ich nur noch unregelmäßig den Tagesspiegel, vielleicht gibt es wirklich Leute bei den Linken die das versuchen, aber sie dürften die Ausnahme sein, sonst hätte ich wohl längst von ihnen überall sonst gelesen


Wir sind ja aber in der Debatte, weil von Leuten, die sehr viel Rechtspopulsmus in Deutschland sehen, behauptet wird es gäbe dafür keinen / fast keinen Linkspopulismus. Und das ist abstrus.

Wie gesagt: "Populismus" ist eine Ideologie und lässt sich mal nicht so eben aus dem Boden stampfen. Das braucht Vordenker (Intellektuelle), das braucht Popularisierer (Medien), das braucht einen institutionellen Unterbau. Das sehe ich alles in Deutschland nicht in nennenswertem Maße. In Deutschland gibt es keine Chomskys, es gibt imho noch nicht mal Naomi Kleins. Es gibt *definitiv* keine Presse, die auch nur ansatzweise eine linkspopulistische Linie hat und von einer nennenswerten Zahl von Leuten gelesen wird (während die größte Tageszeitung Deutschlands schon immer rechtspopulistische Einschläge hatte und das in letzter Zeit sogar noch stärker kultiviert). Als institutionellen Unterbau gibt es wie gesagt die Linke aber die kann man wohl kaum als erfolgreich bezeichnen und wäre ohne ihre starke Verankerung im Osten eine totale Randpartei. Du musst schon realistisch bleiben. Mir persönlich fällt es jedenfalls sehr schwer, nennenswertes Potenzial für Linkspopulismus in Deutschland zu sehen. Ich weiß, das klingt alles wie Asymmetrie zwischen links und rechts, aber dieses Thema ist nun mal auch einfach asymmetrisch. Man schaue nur in den Osten: Man kann ja jetzt von "Kapitalismuskritik" halten was man will, aber es ist nun mal auch wahr, dass der Kapitalismus dort viele Härten gebracht hat. Dagegen gibt es keinen Grund, warum ausgerechnet im Osten, wo es viel weniger Zuwanderer gibt*, Zuwanderung als größeres Problem wahrgenommen werden sollte als im Westen, wo die ganzen Innenstädte tatsächlich stehen, vor deren Zustände man sich in Ostdeutschland angeblich fürchtet.



*und die, die es gibt, sind im Schnitt vermutlich auch deutlich besser integriert
 
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Ich sage btw überhaupt nicht, dass man nur dann von Populismus reden kann, wenn man es tatsächlich schafft, größere Gesellschaftsschichten anzusprechen. Ich sage aber dass es zumindest nicht von vorneherein komplett unrealistisch sein sollte.

Und wer bestimmt das? Die NSDAP ist bei ihrer Wahl auch komplett abgeschmiert, waren wohl keine Populisten demnach, weil das Durchsetzen völlig unrealistisch erschien...oh wait?

Also keine Ahnung was die Diskussion im Ganzen soll, das ist wohl auch einfach ne Perspektivfrage. Wenn man weit genug Links steht, dann sieht die Gesellschaft vermutlich total rechts aus und umgekehrt. Das haben wir aber nun schon so oft diskutieren, du und andere meinen halt, dass unsere Gesellschaft überhaupt nicht links ist, ich und andere sind der Ansicht dass unsere Gesellschaft in vielen Bereichen bereits mehr als links ist und völlig über jede Vernunft hinausschiesst.

Das braucht Vordenker (Intellektuelle), das braucht Popularisierer (Medien), das braucht einen institutionellen Unterbau.
Warum? Wenn sich einer in die Innenstadt stellt und brüllt „die Juden sind an allem Schuld“ dann ist das ein 1A Populist. kA warum man sich jetzt seitenlang dem Versuch hingeben sollte, dass Populismus so eng definiert zu sein hat, dass es jedenfalls auf keinen Fall Linkspopulismus geben kann.

Errinert mich stark an die Hirnverrenkungen die manche betreiben um Rassismus so zu definieren, dass ihr Opferabo nicht ausläuft und sie ruhig selbst rassistisch sein können - aber eben keiner gegen sie. Genau so läuft diese Linkspopulismus Argumentation, bei der es nur darum zu gehen scheint ungestört linkspopulistisch sein zu können aber gleichzeitig mit fem Finger auf die Rechten zeigen zu können, ohne sich wie der Heuchler zu fühlen, der man am Ende doch ist. Im Ergebnis - whatever. Wer meint ein der Kapitalismus gehört abgeschafft ist für mich weiter ein linkspopulistischer Volltrottel und wer meint alle Weißen wären xyz ist halt ein Rassistenarschloch. Völlig egal wer das wie definieren will.

lol wie zum Beweis, nach dem Post zufällig auf ZON, direkt erste Headline „Unser Zuhause - Verkauft an einen Investor“ (mimimimi Investor böse, Kapitalismus böse, mimimi jeder hat oer Geburt Anspruch auf eine Wohnung im Zentrum der Hauptstadt mimimi heul schluchz böses „System“). Ja mei - wenn das kein Linkspopulismus sein soll, diese rührseligen Gefühlsduseleiartikel mit einer ganz klaren politischen Agenda (same mit den Berichten über die 3 Frauen mit Kindern unter Millionen junger männlicher Flüchtlinge), ja dann gibts keinen Linkspopulismus und schon gar nicht in den Deutschen Leitmedien. Ok. Agree to disagree.

Eine Hausgemeinschaft in Berlin-Neukölln lebt die Kiezidylle, bis das Gebäude plötzlich verkauft werden soll. Haus für Haus verliert Berlin das, was es ausmacht.
Muss man wissen, das ist KEIN Populismus!!!1
 
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Und wer bestimmt das? Die NSDAP ist bei ihrer Wahl auch komplett abgeschmiert, waren wohl keine Populisten demnach, weil das Durchsetzen völlig unrealistisch erschien...oh wait?

Also keine Ahnung was die Diskussion im Ganzen soll, das ist wohl auch einfach ne Perspektivfrage. Wenn man weit genug Links steht, dann sieht die Gesellschaft vermutlich total rechts aus und umgekehrt. Das haben wir aber nun schon so oft diskutieren, du und andere meinen halt, dass unsere Gesellschaft überhaupt nicht links ist, ich und andere sind der Ansicht dass unsere Gesellschaft in vielen Bereichen bereits mehr als links ist und völlig über jede Vernunft hinausschiesst. [...]


Jetzt nichts für ungut, aber das ist vom Geschichtsverständnis her auch schon eher verheerend. Die NSDAP als Partei hatte Mitte der 1920er keine große Zustimmungswerte, aber die Themen, mit denen die NSDAP tatsächlich bei den Wahlen Ende der 1920er Wähler gewonnen hat waren die ganze Weimarer Republik über populär, nur halt nicht durchgehend von der NSDAP besetzt (und etwas weniger salient, als die Wirtschaft ab 1925 ganz ordentlich lief). Es ist überhaupt nicht so, dass die NSDAP damals so wahnsinnig mit Antisemitismus gepunktet hätte der für sie sui generis war, sondern eben genau mit dem Nationalismus, Revanchismus und antidemokratischen Denken, die die DNVP auch im Programm hatte. Halt genau die Art von gesellschaftspolitischen Themen, mit denen seit Menschengedenken rechte Politik funktioniert und Linke nicht.

Und das ist halt einfach keine Frage der Perspektive. Im Übrigen glaube ich auch nicht dass unsere Gesellschaft "total rechts" ist*, bei dir kommt nur infantiler enlightened centrism durch, dass beide Extreme halt gleich doof sein müssen. Sind sie halt aber einfach in diesem Fall nicht und ich habe dir genug Argumente dafür geliefert und du hast nichts anderes getan als dein albernes Scheinargument zu wiederholen. Du kannst ja gerne deine eigene Definition haben, aber nach jeder vernünftigen Definition hast du halt einfach Unrecht. Damit gilt es jetzt Handel zu betreiben. Die Rechte kann gesellschaftspolitisch leichter mobilisieren, die Linke wirtschaftspolitisch. Letzte Umfrage die ich gesehen habe: Le Pen bei 47% im Kopf-an-Kopf gegen Macron, da fehlen nur ein paar Prozentpunkte und wir stellen uns auf die nächste Megakrise ein. Diese Art von Gefahr gibt es in der westlichen Welt von links nicht, weil Linkspopulismus eben nicht annähernd so gut funktioniert wie Rechtspopulismus.



*was btw etwas ist, was man ins Blaue schätzen muss, sondern etwas ist was man anhand von Umfragedaten errechnen kann, siehe bspw. https://www.cambridge.org/core/jour...ics-19812016/EC5CCE297E0EE5CC108EB87C4240E4A9
 
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Gustavo

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Dieser Artikel ist übrigens diese Woche im linkspopulistischen Spiegel erschienen: https://www.spiegel.de/kultur/criti...giftet-a-5360f1dd-0002-0001-0000-000177967210 (leider hinter Paywall, aber die Einführung gibt einen ziemlich genauen Überblick).

Und wohlgemerkt: Das ist nicht etwa Gastkommentar zum Ausgleich des üblichen liberalen Programms von einem dezidierten Konservativen, das kommt vom Büroleiter des Spiegels in Washington.
 
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Schöner positiver Trend! Insbesondere zu Corona schön zu sehen, da scheint die Berichterstattung größtenteils hinreichend pluralistisch wahrgenommen worden zu sein.

Übrigens sind die überregionalen Zeitungen bei 71%, wenn du die 21% rausnimmst, die (vermutlich mangels Nutzung) "weiß nicht" rausnimmt.

Auch haben die privaten Medien im TV ja kaum eine Chance, Vertrauen aufzubauen, weil sie kaum Markenanteile und viel weniger Budget haben.

Schön zu sehen der positive Trend beim Thema Islam. Ich habe durchaus dass Gefühl, dass es hier etwas pluralistischer geworden ist.

39% sind hier aber immer noch ein "mangelhaft", weil viele Medien -gerade auch die ÖR- da eben nicht pluralistisch und kritisch genug sind. Die Diskussionen um spektakuläre Ereignisse wie das kürzliche Attentat sind da ja nur die Spitze des Eisbergs. Fast noch wichtiger ist, wie im Alltag damit umgegangen wird.
 
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Schöner positiver Trend! Insbesondere zu Corona schön zu sehen, da scheint die Berichterstattung größtenteils hinreichend pluralistisch wahrgenommen worden zu sein.

Übrigens sind die überregionalen Zeitungen bei 71%, wenn du die 21% rausnimmst, die (vermutlich mangels Nutzung) "weiß nicht" rausnimmt.

Auch haben die privaten Medien im TV ja kaum eine Chance, Vertrauen aufzubauen, weil sie kaum Markenanteile und viel weniger Budget haben.

Schön zu sehen der positive Trend beim Thema Islam. Ich habe durchaus dass Gefühl, dass es hier etwas pluralistischer geworden ist.

39% sind hier aber immer noch ein "mangelhaft", weil viele Medien -gerade auch die ÖR- da eben nicht pluralistisch und kritisch genug sind. Die Diskussionen um spektakuläre Ereignisse wie das kürzliche Attentat sind da ja nur die Spitze des Eisbergs. Fast noch wichtiger ist, wie im Alltag damit umgegangen wird.
:confused:
 
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Was verwirrt dich da so? Falls es nicht klar ist: Ich beziehe mich auf das Post von Gustavo.
 

GeckoVOD

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Schön zu sehen der positive Trend beim Thema Islam. Ich habe durchaus dass Gefühl, dass es hier etwas pluralistischer geworden ist.
Spannende Frage, ich glaub nämlich es hat sich an der Tonalität, bzw. dem Pluralismus bei dem Thema wenig verändert. Vielmehr sind seit Ende 2019 die Zeitungen / Artikel von Covid dominiert, der Rest steht hintan. An Platz #2 hätte ich, subjektiv, Umweltthemen gesehen, auf Platz #3 seit Mitte/Ende 2020 noch Wahlthemen (US + DE), erst dann #4 Islam / Flüchtlinge. Da diese Artikel quantitativ weniger wurden, erlebt man eventuell die Inhalte etwas anders, je nach Träger (vma. Welt/NZZ vs. FAZ/SZ) dann entsprechend dem eigenen Gusto und erhält weniger den Eindruck der eigene Standpunkt wäre unter- oder überrepräsentiert.
 

Gustavo

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Ich sehe es wie @GeckoVOD: Ich wäre überrascht wenn man Faktoranalyse mit den Daten macht und es mehrere latente Faktoren gibt, die das nennenswert beeinträchtigen. Ich würde eher darauf wetten die Varianz erklärt sich aus der Zusammensetzung der Themen.

Im Übrigen haben die Privatsender in Deutschland seit Jahrzehnten um die 40% Marktanteile. Dass die "keine Chance" hätten halte ich schon für SEHR weit hergeholt.
 
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Ja da könnt ihr gut recht haben. Meine Einschätzung war auch sehr subjektiv darauf dass es selbst in der TAZ ein paar kritische Artikel zum Islam und der Kooperation des Staates mit Islamisten gab. In der Masse mag sich nichts geändert haben und es nur am "flavor of the day (month/year)" liegen.

@Gustavo im Bereich Quality News hatten die privaten mmn wenig Chancen gegen den dominanten und gut finanzierten ÖR. Du brauchst ja hohe Reichweite um nicht nur den Versuch zu machen (n-tv, N24), sondern auch das Geld und die Einschaltquoten zu haben, da hohe Investments in Qualitätsjournalismus zu stecken.

Dazu ist die Fragestellung natürlich auch unfair. Ich vermute n-tv in Isolation würde besser abschneiden, die Frage wird aber von P7S1, RTL etc dominiert.
 

parats'

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PSM hat keinen eigenen Nachrichtensender, n24/welt ist springer und liefert den Conten und verfügt dank multichannel über massig Reichweite.
Lediglich RTL gönnt sich als privater Anbieter N-TV.
 

Gustavo

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@Gustavo im Bereich Quality News hatten die privaten mmn wenig Chancen gegen den dominanten und gut finanzierten ÖR. Du brauchst ja hohe Reichweite um nicht nur den Versuch zu machen (n-tv, N24), sondern auch das Geld und die Einschaltquoten zu haben, da hohe Investments in Qualitätsjournalismus zu stecken.

Dazu ist die Fragestellung natürlich auch unfair. Ich vermute n-tv in Isolation würde besser abschneiden, die Frage wird aber von P7S1, RTL etc dominiert.

Ich sehe ehrlich gesagt wenige Anhaltspunkte dafür, dass sich mit qualitativ hochwertigem Journalismus im TV Geld verdienen lässt. Zumindest fällt mir kein Beispiel ein und wenn man sich das deutsche Privatfernsehen anschaut, ist der Konkurrenzfaktor ÖR über die Zeit relativ konstant, aber der Anspruch des Nachrichtenprogramms tendenziell eher gesunken als gestiegen. Ich sehe da ehrlich gesagt auch keine "Investments"; seriöser Journalismus heißt eigentlich immer Geld verbrennen. Die einzige Art, wie du das Problem umgehst, ist entweder Quer-/Staatsfinanzierung (jahrzehntelang bei der großen amerikanischen Sendern und BBC/ÖR) oder halt unseriöser Journalismus (Fox News, Bild).
 

parats'

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Ich sehe ehrlich gesagt wenige Anhaltspunkte dafür, dass sich mit qualitativ hochwertigem Journalismus im TV Geld verdienen lässt.
Das kann man wahrscheinlich auf alle Kanäle ausweiten. Wenn man den Leser nicht mit Werbung überzieht, dann bleiben nur noch Abos oder der Weg über Print.
Die Grundhaltung ist, dass Informationen idealerweise kostenlos und so passend serviert wird, dass ein schnelles querlesen ausreicht. Ob das dann noch qualitativ hochwertig sein kann, sei dahingestellt aber es braucht ja die Masse um die wenig guten Arbeitsleistungen irgendwie zu tragen.
Ob das Format TV dafür überhaupt geeignet ist, würde ich auch anzweifeln. Zuviele Informationen und so beliebtes Gedöns wir Ton-Bild-Scheren verwirren nur.
 
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Der Weg für qualitativ hochwertigen Journalismus sind Reichweite und Bezahlangebote. Letzteres geht im TV momentan schwer, könnte aber mit dem Wechsel zu streaming wieder besser werden. Ähnlich wie es ja im Internet besser geworden ist.

Doch grundsätzlich hat gerade TV ja durchaus Reichweite, so dass ich glaube, dass sich 1-2 qualitativ hochwertige und gut mit Personal ausgestattete Redaktionen rechnen könnten, wenn es nicht die Konkurrenz durch ÖR gäbe.

Hier sind ja weniger Fans von Springer, aber deren grundsätzlicher Ansatz, die Redaktion einer Zeitung, einer Website/App und eines TV-Senders zu poolen halte ich für richtig.

Für etwas weniger problematisch finde ich das Konsumentenverhalten. Die Zahlungsbereitschaft nimmt ja zu. Die NYT ist da Vorreiter. Und auch der Bedarf an kurzer Information widerspricht sich nicht mit Qualität -- im Gegenteil, es ist ja eine Kunst, in wenigen Worten oder Sekunden die wesentlichen, gut recherchierten Informationen unterzubringen.

Auch den Economist finde ich vorbildlich. Nicht nur inhaltlich, sondern auch in dem Ansatz, die Inhalte sehr gut vorgelesen als Audio zur Verfügung zu stellen. Ideal für bspw Commuting oder Abends, oder beim Frühstück-vorbereiten, aufräumen etc
 

Gustavo

Doppelspitze 2019
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Es ist jetzt auch nicht alles schlecht was die Welt auf ihrer Website im Programm hat, aber man kommt nicht umhin das größtenteils als "wir sparen beim richtigen Journalismus" zu lesen.
 
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