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Israel mal wieder

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Reporterin fragt ob NATO-Artikel 5 eintritt bei einem Konflikt zwischen Türkei und Israel. Auf die Nachfrage was ist, wenn Netanyahu einen solchen Konflikt unausweichlich macht: "Well lets not speculate, dont forget October 7th, so it started not with Israel"


Israel steht über NATO und als Begründung nimmt man den 7. Okt, bei einem Land das nichts mit dem 7.Okt zu tun hatte :rofl2:

Rutte ist ja ohnehin schon eine Witzfigur seit seiner geleakten DM an Trump, aber das ist schon ein neues Level an Dümmlichkeit.
"Erdogan is such a wise president" :rofl2:
 

Gustavo

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Witzigerweise hatte ich das Video hier noch als Tab offen seit paar Tagen:


"Existenzrecht Israels" in 4 Minuten abgehakt von Mehdi Hasan.


Imo passt das Video nicht wirklich gut auf die hiesige Situation und ich würde vermeiden, so zu diskutieren. Wenn du in den USA mit jemandem debattierst, der auf die Art "Pro-Israel" ist hast du es fast immer mit einem amerikanischen zionistischen Juden oder einem jüdischen Israeli zu tun, der entweder die doppelte Staatsbürgerschaft hat oder familiär starke Bindungen in die USA*. Bei denen funktionieren Argumente wie #1 und #3 gut als bait, weil sie häufig nicht zugeben können oder wollen, dass in Israel eine Mehrheit schon längst nicht mehr an einer beidseitig akzeptablen Lösung der Palästinenserfrage interessiert ist.
In Deutschland dagegen hast du es häufig mit Leuten zu tun, die überhaupt keine persönlichen Verbindungen nach Israel haben, sondern rein mit historischer Verantwortung argumentieren. Die haben praktisch nie ein Problem damit, dir rhetorisch #1 und #3 zu konzedieren: Siedlungen seien falsch, Zweistaatenlösung "muss" es geben. In Deutschland wird es erst dort interessant, wo man fragt was es denn genau für Konsequenzen haben sollte, falls Israel eine konstruktive Lösung verweigert.
#2 führt in meinen Augen generell in die Irre: Worauf soll das Argument hinauslaufen? Israel existiert und Staaten haben zwar kein völkerrechtlich verbrieftes Recht auf Existenz, aber ein Recht auf Selbstverteidigung. Darüber zu spekulieren ob es moralisch besser wäre, wenn es kein Israel gäbe, oder wenn Israel stattdessen auf Madagaskar, in Mecklenburg-Vorpommern oder sonst wo wäre ist belanglos, weil es mittlerweile seit fast 80 Jahren im Nahen Osten existiert. Israel hat ein echtes Staatsvolk, das sich als Israelis fühlt. Die meisten von denen sind in Israel geboren und diejenigen die es nicht sind kamen aus Staaten, die diese Leute größtenteils loswerden wollten. Das Problem in Israel ist eher, dass sie zu dem echten Staatsvolk nochmal 20% Menschen haben, die sich dazu nicht zugehörig fühlen und die Kontrolle über nochmal 100+% Menschen, denen man keine Staatsbürgerschaft geben will. Ich sehe schlicht keine Lösung, in der Israel irgendetwas anderes bleibt als ein zionistischer Staat. Die Lösung kann imo nur sein Israel mit so viel Druck dazu zu zwingen, das innerhalb seiner völkerrechtlich verbrieften Grenzen zu bleiben.




*"Christliche Zionisten" wie etwa ein Mike Huckabee sind meiner Erfahrung nach fast ausschließlich ein politmediales Phänomen, solche Leute gibt es in der Realität kaum
 

Scorn4

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Möglicher demokratischer Präsidentschaftskandidat Rho Khanna hat sich von Drop Site Media zum Thema Israel interviewen lassen.
Er wurde von folgendem moralischen Dilemma in die Ecke gedrängt:
1. Durfte die Hamas am 7. Oktober israelische Soldatzen angreifen?
2. Durfte Israel als Antwort aufg den 7. Oktober Gaza angreifen?
3. Hast du Frage 1 und 2 unterschiedlich beantwortet? Warum?
 

zimms

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Naja, das ist mir dann schon zu simpel und nicht recht überzeugend.

1. Durfte Japan Pearl Harbor überfallen?
2. Durften die USA als Antwort Japan angreifen?
3. Hast du Frage 1 und 2 unterschiedlich beantwortet? Warum?
 

Scorn4

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Naja, das ist mir dann schon zu simpel und nicht recht überzeugend.

1. Durfte Japan Pearl Harbor überfallen?
2. Durften die USA als Antwort Japan angreifen?
3. Hast du Frage 1 und 2 unterschiedlich beantwortet? Warum?
Vielen Dank für die wirklich sehr gute Analogie, die ganz außerordentlich zeigt, was der Gaza-Konflikt gerade nicht ist.
Die USA hatten Japan vor Pearl Harbor nicht illegal besetzt, hatten keine illegalen Siedlungen auf japanischem Boden errichtet und die Japaner nicht illegal von deren Land vertrieben.
Hätte die USA das nämlich getan, wäre Pearl Harbor tatsächlich gerechtfertigt gewesen.
Nicht, dass die sich USA bzgl. Japan besonders nett verhalten hätte. Die haben Japans Öffnung erzwungen und wg dem Krieg in China - zu Recht! - ein Embargo verhängt.
Das reicht aber bei weitem nicht als Rechtfertigung aus.
Also 1. nein, 2. ja und 3. steht oben
 

GeckoVOD

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Vielen Dank für die wirklich sehr gute Analogie, die ganz außerordentlich zeigt, was der Gaza-Konflikt gerade nicht ist.
Die USA hatten Japan vor Pearl Harbor nicht illegal besetzt, hatten keine illegalen Siedlungen auf japanischem Boden errichtet und die Japaner nicht illegal von deren Land vertrieben.
Hätte die USA das nämlich getan, wäre Pearl Harbor tatsächlich gerechtfertigt gewesen.
Nicht, dass die sich USA bzgl. Japan besonders nett verhalten hätte. Die haben Japans Öffnung erzwungen und wg dem Krieg in China - zu Recht! - ein Embargo verhängt.
Das reicht aber bei weitem nicht als Rechtfertigung aus.
Also 1. nein, 2. ja und 3. steht oben
Irgendwie ist das schon ein sehr starkes Abdriften mit einer sehr starken Interpretation, das deiner Sache nicht dient. Der 7. Oktober war kein rein militärischer Angriff, er war auch nicht Teil einer guerilla-Strategie im Stil von Michael Collins, das war eine völlige Eskalation mit dem Ziel Terror zu verbreiten. Unabhängig, ob ich die Auslöser verstehen kann, gerechtfertigt oder verzeihbar war dieser Akt in keiner Weise, noch hat er der Sache der Palästinenser gedient.

Eine Antwort von Israel war konsequent, insofern als das Ziele für einen Gegenschlag hätten definiert werden können: Geiselbefreiung, Prävention weiterer Eskalation und Beseitigung der Täter. Diese Ziele wären verständlich und in meinen Augen gerechtfertigt gewesen. Darüber wurde sich hier ja auch sehr lange unterhalten, welche rote Linie zwischen einer Konsequenz und einem wahnsinnigen Genozid stehen, wobei relativ eindeutig (und schon vor längerem) der Konsens entstand, dass Israel völlig austickt und keinerlei Rechtfertigung mehr vorliegt, die Schiene weiter zu fahren.

Unabhängig davon ist die Fragestellung schon total bescheuert, du greifst ein Datum heraus und verschiebst den Kontext des Datums so, dass du Antworten vorwegnimmst, natürlich auch noch normativ eingefärbt. Ja, tolle Wurst.
 
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Möglicher demokratischer Präsidentschaftskandidat Rho Khanna hat sich von Drop Site Media zum Thema Israel interviewen lassen.
Er wurde von folgendem moralischen Dilemma in die Ecke gedrängt:
1. Durfte die Hamas am 7. Oktober israelische Soldatzen angreifen?
2. Durfte Israel als Antwort aufg den 7. Oktober Gaza angreifen?
3. Hast du Frage 1 und 2 unterschiedlich beantwortet? Warum?
Du machst einem das Interview ja richtig schmackhaft..."also hier wurden jemandem bullshit-Fragen gestellt". Klar am 7. Oktober wurden "Soldaten angegriffen" :mond:
 

Scorn4

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Du machst einem das Interview ja richtig schmackhaft..."also hier wurden jemandem bullshit-Fragen gestellt". Klar am 7. Oktober wurden "Soldaten angegriffen" :mond:
Ja, der Stützpunkt Re'im.
Irgendwie ist das schon ein sehr starkes Abdriften mit einer sehr starken Interpretation, das deiner Sache nicht dient. Der 7. Oktober war kein rein militärischer Angriff, er war auch nicht Teil einer guerilla-Strategie im Stil von Michael Collins, das war eine völlige Eskalation mit dem Ziel Terror zu verbreiten. Unabhängig, ob ich die Auslöser verstehen kann, gerechtfertigt oder verzeihbar war dieser Akt in keiner Weise, noch hat er der Sache der Palästinenser gedient.
Es geht in der Debatte jetzt auch gar nicht darum, die Hamas oder die Massaker an Zivilisten reinzuwaschen.
Eine Antwort von Israel war konsequent, insofern als das Ziele für einen Gegenschlag hätten definiert werden können: Geiselbefreiung, Prävention weiterer Eskalation und Beseitigung der Täter. Diese Ziele wären verständlich und in meinen Augen gerechtfertigt gewesen. Darüber wurde sich hier ja auch sehr lange unterhalten, welche rote Linie zwischen einer Konsequenz und einem wahnsinnigen Genozid stehen, wobei relativ eindeutig (und schon vor längerem) der Konsens entstand, dass Israel völlig austickt und keinerlei Rechtfertigung mehr vorliegt, die Schiene weiter zu fahren.
Wenn Israel so verfahren darf, darf die Hamas dann auch israelische Soldaten angreifen?
Unabhängig davon ist die Fragestellung schon total bescheuert, du greifst ein Datum heraus und verschiebst den Kontext des Datums so, dass du Antworten vorwegnimmst, natürlich auch noch normativ eingefärbt. Ja, tolle Wurst.
Da sitzt ein ranghoher Politiker, der außenpolitische Themen mitbestimmt und vllt Präsident werden möchte. Der kann zwar sagen, dass der Genozid da ganz schlimm ist, was an sich keine hohe Hürde sein sollte, aber gegen amerikanische Finanzierung für den Iron Dome ist er nicht, lol.
Israel darf selbst umliegende Gebiete und Länder in Schutt und Asche legen, aber auf keinen Fall selbst die Konsequenzen seines Handelns spüren.
 
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1. Durfte die Hamas am 7. Oktober israelische Soldatzen angreifen?
2. Durfte Israel als Antwort aufg den 7. Oktober Gaza angreifen?

1.: Soldaten? Ja... Aber das ist ja nicht wirklich was am 7. Oktober passiert ist.
2.: Ja.

Hamas ist eine Terrororganisation mit dem expliziten Ziel Israel zu vernichten die auch bewiesen haben, dass sie das ernst meint. Die darf Israel angreifen. Wenn man Hamas als Regierung von Palästina ansieht, stehen sie halt im Krieg mit Israel, dann darf Israel sie auch angreifen.

Was Israel nicht "darf" (theoretisch) ist Palästinenser vertreiben, bomben, ermorden...



Alles Arschlöcher da unten.
 

Scorn4

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Wenn man den 7. Oktober als "Angriff auf Soldaten" framet, tut man aber exakt das.
Scheinbar schon, wenn man es probiert als Angriff auf Soldaten zu framen
Falls ich hier irgendwo fälschlicherweise geschrieben haben sollte, dass beim 7. Oktober nur israelische Solddaten angegriffen worden seien, muss ich das natürlich korrigieren. Das habe ich weder gemeint noch - soweit ich weiß - geschrieben. Die Einordnung ist nicht bei mir passiert sondern bei euch.
1.: Soldaten? Ja... Aber das ist ja nicht wirklich was am 7. Oktober passiert ist.
OK. Damit kann ich leben.
Das ist im Rahmen des 7. Oktober tatsächlich passiert, am Stützpunkt Re'im.

Dass das aber nicht nur ein rein militärischer Angriff war, weiß ich und sehe diesen Punkt ein: mein Beispiel mit dem 7. Oktober polarisiert unnötig.
Daher neu formuliert: dürfen Palästinenser aus Gaza und/oder der Westbank allgemein israelische Soldaten angreifen?
 
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Falls ich hier irgendwo fälschlicherweise geschrieben haben sollte, dass beim 7. Oktober nur israelische Solddaten angegriffen worden seien, muss ich das natürlich korrigieren. Das habe ich weder gemeint noch - soweit ich weiß - geschrieben. Die Einordnung ist nicht bei mir passiert sondern bei euch.
1. Durfte die Hamas am 7. Oktober israelische Soldatzen angreifen?
ja nee ist klar, es ist halt komplett albern aus einer großen Aktion sich irgendeine kleine Teilaktion rauszupicken und daraus dann vermeintlich widersprüchliche Fragen bauen zu wollen..um dann natürlich im Nachhinein wieder die Kehrtwende zu machen, dass man ja überhaupt nix davon gemeint hat. Aber das scheint ja Standardtaktik bei dir zu sein.
 
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OK. Damit kann ich leben.
Das ist im Rahmen des 7. Oktober tatsächlich passiert, am Stützpunkt Re'im.
Das ist in etwa so passiert wie sie Attentäter des Bataclan auch auf Polizei / Soldaten geschossen hätten, wenn sie ihnen im Weg gestanden hätten.

Der klare Zweck des 7. Oktober war nicht militärische Befreiung, sondern Massaker an Zivilisten. In dem Kontext stehen auch Angriffe auf israelische Soldaten, die dem im Weg standen.

Die israelischen Soldaten hatten dort ja zwei Funktionen:

1. Schutz Israels und seiner Bürger vor Hamas.
2. Teil der Besatzung.

Im Kontext des 7. Oktober war ihre Rolle aber praktisch nur #1, weil eben der alleinige Zweck des Angriffs Terror war.

---

Eine andere Analogie wäre vielleicht ICE in den USA. Despicable Organisation, oft bestimmt auch Individuen. Dennoch wäre ein koordinierter Angriff mit Schusswaffen auf die ICE nicht positiv zu sehen und man müsste in dem Kontext dann auf Seiten der ICE stehen als Teil des Law Enforcement.
 

Scorn4

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ja nee ist klar, es ist halt komplett albern aus einer großen Aktion sich irgendeine kleine Teilaktion rauszupicken und daraus dann vermeintlich widersprüchliche Fragen bauen zu wollen..um dann natürlich im Nachhinein wieder die Kehrtwende zu machen, dass man ja überhaupt nix davon gemeint hat. Aber das scheint ja Standardtaktik bei dir zu sein.
Das ist in etwa so passiert wie sie Attentäter des Bataclan auch auf Polizei / Soldaten geschossen hätten, wenn sie ihnen im Weg gestanden hätten.

Der klare Zweck des 7. Oktober war nicht militärische Befreiung, sondern Massaker an Zivilisten. In dem Kontext stehen auch Angriffe auf israelische Soldaten, die dem im Weg standen.

Die israelischen Soldaten hatten dort ja zwei Funktionen:

1. Schutz Israels und seiner Bürger vor Hamas.
2. Teil der Besatzung.

Im Kontext des 7. Oktober war ihre Rolle aber praktisch nur #1, weil eben der alleinige Zweck des Angriffs Terror war.

---

Eine andere Analogie wäre vielleicht ICE in den USA. Despicable Organisation, oft bestimmt auch Individuen. Dennoch wäre ein koordinierter Angriff mit Schusswaffen auf die ICE nicht positiv zu sehen und man müsste in dem Kontext dann auf Seiten der ICE stehen als Teil des Law Enforcement.
Ihr zwei Berts, mir geht es nicht um den 7. Oktober per se.
Dürfen Palästinenser aus Gaza und/oder der Westbank allgemein israelische Soldaten angreifen?
 

GeckoVOD

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Ihr zwei Berts, mir geht es nicht um den 7. Oktober per se.
Dürfen Palästinenser aus Gaza und/oder der Westbank allgemein israelische Soldaten angreifen?
Ich verstehe immer noch nicht, auf was du überhaupt rauswillst? Was genau ist der Punkt der Frage? Augenscheinlich ist dahinter irgendeine Motivation, die du nicht verbalisierst. Dass der Amerikaner zwar den Genozid anprangert, aber die Außenpolitik nicht anpassen mag, wenn der Auslöser deiner Fragenkette immer noch der Post ist?

Meine Ansicht von vor ca. einem Jahr hat sich wenig bis nicht geändert: Wer da wen angreifen "darf", oder welche Einstellungen, Aussagen, politische Maßnahmen, Menschen- oder sonstige Gruppen, Ziele, Vorfälle oder sonstwas "gerechtfertigt" waren, kann ich nicht beurteilen und maße mir das auch nicht an. Sehr starke Vorfälle ausgenommen, siehe 7. Oktober, das war reine Barbarei und Terror. Analog dazu ist das Vorgehen Israels ein Genozid, bei dem es sich auch nicht lohnt zu definieren "ab wann" die Grenze jenseits der Verteidigung überschritten wurde - sie wurde überschritten.

Ich verstehe die Historie viel zu wenig, als das sich mehr als ein schwammiges Bild ergibt, in dem keine Seite (größere Akteursgruppe) gut wegkommt, weder Israel, Hamas, Anrainerparteien, der "Westen" oder noch sonstwer. Über die Bevölkerung ("normale" Menschen) und deren Einstellung kann ich nur raten, kann einen gegenseitigen Hass, Ernüchterung und Verzweiflung nachvollziehen. Die gesamte Lage ist viel zu kompliziert, als das ich sie verstünde, noch ist mein Interesse an "wer hat Schuld" oder "wer hat moralische / historische Anrechte" eher gering. Ich verstehe, dass der Kessel da unten ein chaotisches Grauen ist, für das es keine sinnvolle Lösung zu geben scheint. Sehr viel weiter treibst du mich mit den Fragen nicht, du wirst keine Antwort erhalten - ich kann hier aus dem friedlichen Elfenbeinturm natürlich sagen, dass Gewalt nie zielführend ist, nur bringt's nichts und geht ab einem gewissen Punkt an der Realität vorbei. Abgesehen davon ist deine Frage so willkürlich formuliert, dass man annehmen müsste, es gäbe darauf überhaupt eine klare, objektive oder zumindest moralisch rechtfertigbare Antwort. Nein, gibt's nicht.
 
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Ihr zwei Berts, mir geht es nicht um den 7. Oktober per se.
Dürfen Palästinenser aus Gaza und/oder der Westbank allgemein israelische Soldaten angreifen?
1. Kontext 2. Wo zum Geier ist da die Relevanz?

Sollen wir dich jetzt im Gegenzug fragen, ob Israel die Hamas bombardieren darf?
Das ist ja bestimmt auch irgendwann mal passiert, ist aber im Gesamtkontext völlig irrelevant.
 

Scorn4

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Ich verstehe immer noch nicht, auf was du überhaupt rauswillst? Was genau ist der Punkt der Frage? Augenscheinlich ist dahinter irgendeine Motivation, die du nicht verbalisierst. Dass der Amerikaner zwar den Genozid anprangert, aber die Außenpolitik nicht anpassen mag, wenn der Auslöser deiner Fragenkette immer noch der Post ist?
Da kommt ein Politker und erzählt uns, wie pöse doch der Genozid ist.
OK, cool. Warum macht der das?
Will er entweder da tatsächlich etwas tun, oder findet er das nur abstrakt schlecht und will nichts tun oder ist ihm der Genozid latte und er gibt nur vor, ihn berühre das irgendwie, weil ihm die Basis das so vorgibt und er sein Klientel rhetorisch mobilisieren will, ohne Absicht, seine Wahlkampfpositionen durchzusetzen?
Rho Khanna hier sagt 1. dass er keine Gewalt gutheißt und dass 2. Israel Gaza wg dem 7. Oktober bombarideren darf und ganz klar die verantwortlichen für den 7.oktober töten darf.
Da drängt sich die Frage auf, was die Palästinenser mit Siedlern tun dürfen, welches Recht auf Vergeltung sie ggü der israelischen Armee haben, aber da duckmäusert Rho Khanna und mag sich lieber nicht äußern, bzw. den Palästinensern keine solche Rechte zusprechen. Israel soll aber mit dem Iron Dome geschützt werden, da geht es ja um Zivilisten. So kann Israel dann aus einem sicheren Versteck heraus seine Nachbarn terrorisieren. Was die aber auf keinen Fall selbst tun dürfen.
In welche Kategorie darf man Khanna also einordnen?
 
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Ihr zwei Berts, mir geht es nicht um den 7. Oktober per se.
Dürfen Palästinenser aus Gaza und/oder der Westbank allgemein israelische Soldaten angreifen?
Nein, nicht uneingeschränkt.

Der aus meiner Sicht akzeptable Status quo war:

1. Gaza autonom
2. Westbank autonom aber mit Patrouillen
3. Rest ist Israel

Wenn wir von der Zeit bis 7. Oktober reden:

In Israel außerhalb Gaza und Westjordanland fand ich es nicht legitim, israelische Soldaten anzugreifen.

Israel hat sich in Gaza zurück gehalten, wenn keine Angriffe daher kamen. Daher auch dort nicht legitim.

Westjordanland war komplizierter wegen der behinderten Siedelei und den damit einher gegeben Übergriffen. Rechtlich kann ich das nicht bewerten, fände aber hier moralisch gerechtfertigt, wenn im unmittelbaren Kontext von Unrecht durch Siedler dort jemand Selbstjustiz gegen Siedler verübt.

Jetzt, wo Israel seit einer längeren Zeit zu stark eskaliert und auch im Westjordanland die ungerechte Gewalt, finde ich es schwerer zu beurteilen. Da verstehe ich heute viel eher, wenn jemand den Weg des bewaffneten Widerstandes geht. Der müsste sich aber imo klar von Terror gegen Zivilisten distanzieren - allein um es Israel nicht zu leicht zu machen, es als Kontinuität der Hamas zu sehen.

Diese Kontinuität ist ein großes Problem. Durch jahrzehntelangen Terror hat die Hamas ihr Recht auf Existenz verwirkt. Sie ist auch dann Terrororganisation wenn jetzt Teile der Ziele der Hamas legitimer erscheinen, weil Israel nicht mehr an einer friedlichen nicht-einseitigen Lösung interessiert ist.

Krude Analogie: ISIS war nicht auf einmal legitim, nur weil sie gegen den Diktator und Massenmörder Assad gekämpft hat. Und Rebellen in Syrien haben sich auch oft von Isis distanziert und gegen sie gekämpft.
 

Scorn4

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Nein, nicht uneingeschränkt.

Der aus meiner Sicht akzeptable Status quo war:

1. Gaza autonom
2. Westbank autonom aber mit Patrouillen
3. Rest ist Israel

Wenn wir von der Zeit bis 7. Oktober reden:

In Israel außerhalb Gaza und Westjordanland fand ich es nicht legitim, israelische Soldaten anzugreifen.

Israel hat sich in Gaza zurück gehalten, wenn keine Angriffe daher kamen. Daher auch dort nicht legitim.

Westjordanland war komplizierter wegen der behinderten Siedelei und den damit einher gegeben Übergriffen. Rechtlich kann ich das nicht bewerten, fände aber hier moralisch gerechtfertigt, wenn im unmittelbaren Kontext von Unrecht durch Siedler dort jemand Selbstjustiz gegen Siedler verübt.

Jetzt, wo Israel seit einer längeren Zeit zu stark eskaliert und auch im Westjordanland die ungerechte Gewalt, finde ich es schwerer zu beurteilen. Da verstehe ich heute viel eher, wenn jemand den Weg des bewaffneten Widerstandes geht. Der müsste sich aber imo klar von Terror gegen Zivilisten distanzieren - allein um es Israel nicht zu leicht zu machen, es als Kontinuität der Hamas zu sehen.

Diese Kontinuität ist ein großes Problem. Durch jahrzehntelangen Terror hat die Hamas ihr Recht auf Existenz verwirkt. Sie ist auch dann Terrororganisation wenn jetzt Teile der Ziele der Hamas legitimer erscheinen, weil Israel nicht mehr an einer friedlichen nicht-einseitigen Lösung interessiert ist.

Krude Analogie: ISIS war nicht auf einmal legitim, nur weil sie gegen den Diktator und Massenmörder Assad gekämpft hat. Und Rebellen in Syrien haben sich auch oft von Isis distanziert und gegen sie gekämpft.
Vielen Dank für den sehr überlegten Beitrag, auch wenn ich manche Dinge anders sehe.

Es gibt manche Punkte, auf die ich hier gern eingehen würde, aber besonders dieser eine hier juckt mich:
Diese Kontinuität ist ein großes Problem. Durch jahrzehntelangen Terror hat die Hamas ihr Recht auf Existenz verwirkt. Sie ist auch dann Terrororganisation wenn jetzt Teile der Ziele der Hamas legitimer erscheinen
Was würdest du von jmd halten, der Israel wegen seinem Jahrzente langen Terror das Recht auf Existenz aberkennt, selbst wenn Teile des israelischen Staates legitimer erscheinen?
Israel hat exponentiell mehr Zivilisten in Gaza und Westbank getötet als andersherum. Und das wird dann "den Rasen mähen" genannt.
 
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Ich würde widersprechen, dass Israel jahrzehntelang Terror verübt hat.

Bis zur absoluten Überreaktion nach dem 7. Oktober finde ich Israels Verhalten insgesamt(!) defensibel.

Ausnahmen sind für mich der Siedlungsbau im Westjordanland und bestimmt diverse Einzelfälle - dagegen steht aber ein jahrzehntelangen Ausnahmezustand mit akuter Bedrohung für Israel inkl mehrerer Kriege.

Israel war sicher kein Unschuldslamm vor dem 7. Oktober. Aber eben insgesamt der rationalere Akteur als Hamas (Terrorbande) und Fatah (wechselnd zwischen Terrorbande und mäßig kompetenter Organisation).

Und zu der Quantität der Toten: Das ist am Beispiel Gaza ja gut zu erklären. Dort war seit der Räumung durch Ariel Sharon im Schnitt klar die Hamas der Aggressor, und Israel hat reagiert. Hart, aber durchaus defensibel.

Eine konkrete Gegenfrage:
Was ist deine Schätzung zur Anzahl Toter im Gaza durch israelische Hand, wenn die Hamas keine Terrorangriffe mit Raketen oder anderen Mitteln nach der Räumung durch Israel verübt hätte?

(Meine Meinung: Gaza-Tote zwischen 2005 und 2023 gehen zu 90%+ auf das Konto der Hamas als praktischer und moralischer Verursacher.)
 

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Ich würde widersprechen, dass Israel jahrzehntelang Terror verübt hat.
Schau dir mal den Eingangspost zu diesem Thread an. IDF erschießt Reporterin und beim Begräbnis werden die Anwesenden samt Sargträger verprügelt.
Sowie viele andere Themen, die hier im Thread aufgegriffen wurden.
Das ist ganz klar Terror.
 
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Imo passt das Video nicht wirklich gut auf die hiesige Situation und ich würde vermeiden, so zu diskutieren. Wenn du in den USA mit jemandem debattierst, der auf die Art "Pro-Israel" ist hast du es fast immer mit einem amerikanischen zionistischen Juden oder einem jüdischen Israeli zu tun, der entweder die doppelte Staatsbürgerschaft hat oder familiär starke Bindungen in die USA*. Bei denen funktionieren Argumente wie #1 und #3 gut als bait, weil sie häufig nicht zugeben können oder wollen, dass in Israel eine Mehrheit schon längst nicht mehr an einer beidseitig akzeptablen Lösung der Palästinenserfrage interessiert ist.
In Deutschland dagegen hast du es häufig mit Leuten zu tun, die überhaupt keine persönlichen Verbindungen nach Israel haben, sondern rein mit historischer Verantwortung argumentieren. Die haben praktisch nie ein Problem damit, dir rhetorisch #1 und #3 zu konzedieren: Siedlungen seien falsch, Zweistaatenlösung "muss" es geben. In Deutschland wird es erst dort interessant, wo man fragt was es denn genau für Konsequenzen haben sollte, falls Israel eine konstruktive Lösung verweigert.

#1 Existenzrecht wo?

Ich halte das auch in Deutschland für eine grundsätzlich relevant Frage. Nicht so sehr wie in den USA, aber i.d.R. werden Parolen wie "Existenzrecht Israels" ja, v.a. von deutschen oder amerikanischen Journalisten, gerne als Schild hochgezogen, um Kritik an Israel per se abzuwehren oder zu insinuieren, der Kritisierende wolle in Wahrheit alle Israelis ins Meer treiben. Dieses Existenzrecht kommt da wie eine Platitüde daher, da Israels Existenzrecht nicht real bedroht ist. Die Frage "wo" Israel denn existieren soll konkretisiert, was mit dem Existenzrecht gemeint ist - innerhalb der '67er Grenzen, oder soll dieses Israel "Judea und Samaria" (wie das Westjordanland mittlerweile in Israel genannt wird um den Anspruch auf das Land zu signalisieren) einschließen?
Und in dem Kontext ist natürlich auch Frage #3 zum Existenzrecht Palästinas relevant.

Und gerade zu deinem letzten Satz: dass Israel eine konstruktive Lösung verweigert, sollte mittlerweile jedem Beobachter klar sein denke ich.


#2 führt in meinen Augen generell in die Irre: Worauf soll das Argument hinauslaufen? Israel existiert und Staaten haben zwar kein völkerrechtlich verbrieftes Recht auf Existenz, aber ein Recht auf Selbstverteidigung. Darüber zu spekulieren ob es moralisch besser wäre, wenn es kein Israel gäbe, oder wenn Israel stattdessen auf Madagaskar, in Mecklenburg-Vorpommern oder sonst wo wäre ist belanglos, weil es mittlerweile seit fast 80 Jahren im Nahen Osten existiert. Israel hat ein echtes Staatsvolk, das sich als Israelis fühlt. Die meisten von denen sind in Israel geboren und diejenigen die es nicht sind kamen aus Staaten, die diese Leute größtenteils loswerden wollten. Das Problem in Israel ist eher, dass sie zu dem echten Staatsvolk nochmal 20% Menschen haben, die sich dazu nicht zugehörig fühlen und die Kontrolle über nochmal 100+% Menschen, denen man keine Staatsbürgerschaft geben will. Ich sehe schlicht keine Lösung, in der Israel irgendetwas anderes bleibt als ein zionistischer Staat. Die Lösung kann imo nur sein Israel mit so viel Druck dazu zu zwingen, das innerhalb seiner völkerrechtlich verbrieften Grenzen zu bleiben.

Erstmal: dass in Israel 20% Araber leben liegt ja nicht an einer organischen demographischen Entwicklung. Israel hat schon vor der Staatsgründung (ich meine Ben-Gurion, Herzl oder Jabotinski hat es geschrieben) festgelegt, dass 20% indigene Bevölkerung das oberste Maximum ist, das sie in ihrer Vorstellung eines jüdischen Staates akzeptieren werden.

Ansonsten haben wir an dem Punkt anscheinend grundsätzlich unterschiedliche Standpunkte.
Für dich ist Israel als zionistisches / ethnostaatliches System (ob nun aus Überzeugung, oder aus Pragmatismus) erhaltenswert oder tolerierbar, weil es existiert. Lese ich zumindest so heraus. Gerne korrigieren wenn ich hier falsch liege.
Ich sehe dagegen mittel- bis langfristig durchaus Szenarien, in denen dieses System aufgebröckelt und durch eines ersetzt werden kann, das nicht weiterhin zu dauerhafter Besatzung, Schikane, Terror und Mord an Zivilbevölkerung führt. Gerade, wenn der Trend in den USA weitergeht, in dem die Mehrheit der demokratischen Wählerschaft mehr und mehr "Progressives" mit klarer Haltung zu Israel/Palestine wählt, welche die liberalen Zentristen verdrängen.
Und mit ersetztem System meine ich übrigens eines, das auch die isr. Bevölkerung mit einschließt als Schutzbedürftige Gruppe mit Recht auf Freiheit und Würde. Natürlich ist das heute Träumerei. Sehen wir, wie es in 5 oder 10 oder 30 Jahren aussieht.
 

Gustavo

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#1 Existenzrecht wo?

Ich halte das auch in Deutschland für eine grundsätzlich relevant Frage. Nicht so sehr wie in den USA, aber i.d.R. werden Parolen wie "Existenzrecht Israels" ja, v.a. von deutschen oder amerikanischen Journalisten, gerne als Schild hochgezogen, um Kritik an Israel per se abzuwehren oder zu insinuieren, der Kritisierende wolle in Wahrheit alle Israelis ins Meer treiben. Dieses Existenzrecht kommt da wie eine Platitüde daher, da Israels Existenzrecht nicht real bedroht ist. Die Frage "wo" Israel denn existieren soll konkretisiert, was mit dem Existenzrecht gemeint ist - innerhalb der '67er Grenzen, oder soll dieses Israel "Judea und Samaria" (wie das Westjordanland mittlerweile in Israel genannt wird um den Anspruch auf das Land zu signalisieren) einschließen?
Und in dem Kontext ist natürlich auch Frage #3 zum Existenzrecht Palästinas relevant.

Und gerade zu deinem letzten Satz: dass Israel eine konstruktive Lösung verweigert, sollte mittlerweile jedem Beobachter klar sein denke ich.


Na ja, ich hab ehrlich gesagt das Gefühl dass der Post den du zitiert hast auf diesen Einwand eigentlich schon eingegangen ist, bevor du ihn überhaupt gebracht hast. Wie gesagt: Ich halte es eben gerade NICHT für eine in Deutschland (bzw. in Debatten über das Thema in Deutschland) grundsätzlich relevante Frage, weil ich mit einer einzigen Ausnahme* in Deutschland noch nie mit jemandem über das Thema geredet (oder auch nur die Namen "Judea und Samaria" auf Deutsch gehört) habe, der der Meinung war, Israels Existenzrecht erstrecke sich so weit. Im Gegenteil konzedieren die meisten Leute das gerne und explizit, weil sie glauben dass sie sich damit gegen den Vorwurf immunisieren, einseitig zugunsten Israels Partei zu ergreifen.

Was jetzt für den realen Prozess ein wie großes Problem ist würde ich davon nochmal getrennt betrachten. Diskussionen sehe ich da ganz anders, da hast du in Deutschland nach meiner Erfahrung fast das gegenteilige Problem: In den USA erlebe ich häufig Leute die überhaupt keinen Hehl daraus machen, dass Israel explizit anders behandelt werden sollte, weil sie *wie wir* ("der Westen") sind und ihre Nachbarn halt nicht.
In Deutschland erlebe ich regelmäßig das Gegenteil: Da wird sich argumentativ teilweise krass verbogen, nur um nicht zugeben zu müssen, dass man eben tatsächlich mit zweierlei Maß misst. Was mich hier stört ist dass rhetorisch einerseits andauernd der Sonderstatus Israels für Deutschland betont wird, man sich aber andererseits dann nicht auch dazu durchringen kann diese Wahrheit auszusprechen, nämlich dass man eben nicht bereit ist an Israel dieselben Maßstäbe anzulegen. Deshalb ist auch der Hinweis auf das "Existenzrecht wo?" hier eher belanglos: So ziemlich die EINZIGE Frage, zu der selbst in Deutschland niemand eine rhetorische Figur gefunden hat, bei der Israel doch irgendwie im Recht ist, ist die Siedlungspolitik. Ich habe glaube ich noch nie in Deutschland jemanden gehört, der das nicht zumindest rhetorisch ablehnt. Ab da hast du nur noch zwei Optionen: (1) Diskussion beendet (2) Du versuchst es weiter mit "Existenzrecht wo?" und dann steht in Zweifel, ob Israel ein Existenzrecht in den Grenzen von 67 hat und dann sind wir bei dem Thema:


*und das war ein Deutsch-Israeli


Erstmal: dass in Israel 20% Araber leben liegt ja nicht an einer organischen demographischen Entwicklung. Israel hat schon vor der Staatsgründung (ich meine Ben-Gurion, Herzl oder Jabotinski hat es geschrieben) festgelegt, dass 20% indigene Bevölkerung das oberste Maximum ist, das sie in ihrer Vorstellung eines jüdischen Staates akzeptieren werden.

Ansonsten haben wir an dem Punkt anscheinend grundsätzlich unterschiedliche Standpunkte.
Für dich ist Israel als zionistisches / ethnostaatliches System (ob nun aus Überzeugung, oder aus Pragmatismus) erhaltenswert oder tolerierbar, weil es existiert. Lese ich zumindest so heraus. Gerne korrigieren wenn ich hier falsch liege.
Ich sehe dagegen mittel- bis langfristig durchaus Szenarien, in denen dieses System aufgebröckelt und durch eines ersetzt werden kann, das nicht weiterhin zu dauerhafter Besatzung, Schikane, Terror und Mord an Zivilbevölkerung führt. Gerade, wenn der Trend in den USA weitergeht, in dem die Mehrheit der demokratischen Wählerschaft mehr und mehr "Progressives" mit klarer Haltung zu Israel/Palestine wählt, welche die liberalen Zentristen verdrängen.
Und mit ersetztem System meine ich übrigens eines, das auch die isr. Bevölkerung mit einschließt als Schutzbedürftige Gruppe mit Recht auf Freiheit und Würde. Natürlich ist das heute Träumerei. Sehen wir, wie es in 5 oder 10 oder 30 Jahren aussieht.


Für mich ist Israel als jüdischer "Ethnostaat" (insofern man Juden als Ethnie sehen will, was ich eigentlich für fragwürdig halte) alternativlos, weil es im wahrsten Sinne des Wortes keine realistische Alternative mehr gibt. Du hast ein Staatsvolk und ein Staatsgebiet, das sich als israelisch sieht. Diese Menschen sind in großer Mehrheit schlichtweg nicht bereit in einem föderalen Staat zu leben, wie ihn sich Omri Böhm vorstellt. Es stimmt zwar dass sich der Wind in den USA mittlerweile dreht, aber ich bezweifle dass er sich jemals so weit drehen wird, dass die USA irgendwelche Schritte dahin unternehmen, die Israelis zu so einem Schritt zu drängen. Das ist für mich ein bisschen magisches Denken.

Ich sehe keine anderes realistisches Szenario, das ich für halbwegs (!) moralisch akzeptabel halte, als ein vollständig autonomer palästinensischer Staat ohne Rückkehrrecht für die Vertriebenen von 1948. Ich sehe nicht, wie sich das in 5 oder 10 Jahren geändert haben soll. Über Zeiträume wie 30 Jahre möchte ich nicht spekulieren, weil das Kaffeesatzleserei ist. Aber wenn ich es mir aussuchen könnte wäre ich nicht damit zufrieden den status quo bis in eine unbestimmte Zukunft weiterlaufen zu lassen, in der das vielleicht irgendwie möglich wäre, auch wenn ich das heute überhaupt nicht sehe, schon weil der Trend in Israel ja in die völlig entgegengesetzte Richtung geht.
 

Scorn4

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Für mich ist Israel als jüdischer "Ethnostaat" (insofern man Juden als Ethnie sehen will, was ich eigentlich für fragwürdig halte) alternativlos, weil es im wahrsten Sinne des Wortes keine realistische Alternative mehr gibt. Du hast ein Staatsvolk und ein Staatsgebiet, das sich als israelisch sieht. Diese Menschen sind in großer Mehrheit schlichtweg nicht bereit in einem föderalen Staat zu leben, wie ihn sich Omri Böhm vorstellt. Es stimmt zwar dass sich der Wind in den USA mittlerweile dreht, aber ich bezweifle dass er sich jemals so weit drehen wird, dass die USA irgendwelche Schritte dahin unternehmen, die Israelis zu so einem Schritt zu drängen. Das ist für mich ein bisschen magisches Denken.
Ich verstehe diese Sichtweise.
Die lässt sich 1:1 auf die historischen Fälle von Rhodesien und Südafrika anwenden.
 

Gustavo

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Ich verstehe diese Sichtweise.
Die lässt sich 1:1 auf die historischen Fälle von Rhodesien und Südafrika anwenden.

Auf der abstrakten "Irgendwann werden alle immer schon dagegen gewesen sein"-Ebene, vielleicht. Auf der Ebene gibt es aber auch viele Gegenbeispiele von staatlichem Unrecht, das nie korrigiert wird und einfach immer weiterläuft.
Auf der Sachebene unterscheiden sich die Fälle aber doch schon deutlich von Israel: In Rhodesien und Südafrika gab es keine größeren zusammenhängenden Gebiete, in denen Weiße eine Mehrheit gewesen wären, aus denen man einen "weißen" Staat hätte formen können. Es war immer klar dass in einem künftigen demokratischen Südafrika weiße Südafrikaner entweder mit ihren schwarzen Landleuten zusammenleben müssen, falls sie nicht auswandern wollen. Staaten getrennt nach Ethnie waren nie realistisch. In Israel ist es umgekehrt: Auf dem aktuellen Staatsgebiet Israels sind jüdische Israelis fast überall die deutliche Mehrheit und in Gaza und dem Westjordanland* sind es praktisch überall die Palästinenser. Warum sollte irgendwer versuchen, Israel zu einer Konföderation zu zwingen (geschweige denn zu einem gemeinsamen Staat mit gleichem Recht und gleicher Staatsbürgerschaft für alle), wenn die offensichtlichere Lösung getrennte Staaten ist? Und wenn wir mal ehrlich sind: Diese Konföderation will der Großteil der Palästinenser genauso wenig.



*und dort, wo die "Siedler" sind, wollen sie ja gerade nicht mit den Palästinensern als subalterne Kaste Seite an Seite leben wie die Weißen während der Apartheid sondern vertreiben Palästinenser aus ihren Orten wo sie nur können
 
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Scorn4

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*und dort, wo die "Siedler" sind, wollen sie ja gerade nicht mit den Palästinensern als subalterne Kaste Seite an Seite leben wie die Weißen während der Apartheid sondern vertreiben Palästinenser aus ihren Orten wo sie nur können
Apartheid bedeutet nicht ohne Grund einen Zustand der Trennung. Die Weißen und Schwarzen haben eben nicht Seite an Seite gelebt.
Während die Weißen in Städten mit fließend Wasser und Strom gelebt haben, hauste die schwarze Bevölkerung in einem Zustand der Illegalität in Wellblechhütten in sogenannten Townships.
 

Gustavo

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Apartheid bedeutet nicht ohne Grund einen Zustand der Trennung. Die Weißen und Schwarzen haben eben nicht Seite an Seite gelebt.
Während die Weißen in Städten mit fließend Wasser und Strom gelebt haben, hauste die schwarze Bevölkerung in einem Zustand der Illegalität in Wellblechhütten in sogenannten Townships.

Das ist schon klar, aber die räumliche Trennung war von Stadtteil zu Stadtteil, nicht von Region zu Region. Aus dem Omelett Südafrika hätte man keine intakten schwarzen und weißen Eier machen können, das war mein Punkt. Klar gibt es viele historische Prozesse, die im Nachhinein ganz schnell gehen, die vorher so gut wie niemand hat kommen sehen; man denke nur etwa an den Fall der Sovietunion. Aber da (oder eben im Fall vom Ende der Apartheid) war zumindest klar, wie der Prozess aussehen könnte und wer hinter den kontingenten Veränderungen steht und den Prozess anschieb. Das ist mir alles beim Fall von Israel und Palästina völlig unklar und Leute wie Böhm haben da soweit ich weiß auch keine echte Antwort drauf. Einfach drauf zu hoffen dass die Weltöffentlichkeit irgendwann Israel dazu zwingt erscheint mir persönlich jedenfalls unrealistisch.
 

Scorn4

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Einstellung der Unterstützung für Israel wäre ein Anfang
Aufhören, die Palästinenser zu verteufeln, auch
 
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