Witzigerweise hatte ich das Video hier noch als Tab offen seit paar Tagen:
"Existenzrecht Israels" in 4 Minuten abgehakt von Mehdi Hasan.
Imo passt das Video nicht wirklich gut auf die hiesige Situation und ich würde vermeiden, so zu diskutieren. Wenn du in den USA mit jemandem debattierst, der auf die Art "Pro-Israel" ist hast du es fast immer mit einem amerikanischen zionistischen Juden oder einem jüdischen Israeli zu tun, der entweder die doppelte Staatsbürgerschaft hat oder familiär starke Bindungen in die USA*. Bei denen funktionieren Argumente wie #1 und #3 gut als bait, weil sie häufig nicht zugeben können oder wollen, dass in Israel eine Mehrheit schon längst nicht mehr an einer beidseitig akzeptablen Lösung der Palästinenserfrage interessiert ist.
In Deutschland dagegen hast du es häufig mit Leuten zu tun, die überhaupt keine persönlichen Verbindungen nach Israel haben, sondern rein mit historischer Verantwortung argumentieren. Die haben praktisch nie ein Problem damit, dir rhetorisch #1 und #3 zu konzedieren: Siedlungen seien falsch, Zweistaatenlösung "muss" es geben. In Deutschland wird es erst dort interessant, wo man fragt was es denn genau für Konsequenzen haben sollte, falls Israel eine konstruktive Lösung verweigert.
#2 führt in meinen Augen generell in die Irre: Worauf soll das Argument hinauslaufen? Israel existiert und Staaten haben zwar kein völkerrechtlich verbrieftes Recht auf Existenz, aber ein Recht auf Selbstverteidigung. Darüber zu spekulieren ob es moralisch besser wäre, wenn es kein Israel gäbe, oder wenn Israel stattdessen auf Madagaskar, in Mecklenburg-Vorpommern oder sonst wo wäre ist belanglos, weil es mittlerweile seit fast 80 Jahren im Nahen Osten existiert. Israel hat ein echtes Staatsvolk, das sich als Israelis fühlt. Die meisten von denen sind in Israel geboren und diejenigen die es nicht sind kamen aus Staaten, die diese Leute größtenteils loswerden wollten. Das Problem in Israel ist eher, dass sie zu dem echten Staatsvolk nochmal 20% Menschen haben, die sich dazu nicht zugehörig fühlen und die Kontrolle über nochmal 100+% Menschen, denen man keine Staatsbürgerschaft geben will. Ich sehe schlicht keine Lösung, in der Israel irgendetwas anderes bleibt als ein zionistischer Staat. Die Lösung kann imo nur sein Israel mit so viel Druck dazu zu zwingen, das innerhalb seiner völkerrechtlich verbrieften Grenzen zu bleiben.
*"Christliche Zionisten" wie etwa ein Mike Huckabee sind meiner Erfahrung nach fast ausschließlich ein politmediales Phänomen, solche Leute gibt es in der Realität kaum