Du bringst die Beispiele wie USAID ja selbst. Gerichte mögen ja dieses oder jenes letztlich gegen Trump entscheiden, aber bis dahin ist das Kind in den Brunnen gefallen. USAID ist heute trotz der Gerichtsentscheidung gegen Trump keine funktionierende Behörde.
Institutionen nehmen schon Schaden, wenn Trump bloß sagt, dass er dieses oder jenes regelwidrig tun wird. Mit einer Executive Order schiebt er die Autorität seines Amtes hinterher. Gerichte können bestimmte Entscheidungen Trumps kippen und für ungültig erklären, aber sie können die Regierung nicht zwingen, bestimmte notwendige Entscheidungen so oder so zu treffen und diese oder jene Maßnahmen einzuleiten oder sich allgemein ihrer Regierungsaufgaben zu widmen.
Ja, aber wenn du dich auf USAID fokussierst ignorierst du die Art, wie Gewaltenteilung in den USA in der Realität funktioniert.
Was die Trump-Regierung effektiv tun will ist in vielen Fragen quasi ein Zwei-Klassen-System von Bürgern zu schaffen: Für die "bevorzugte" Klasse soll der Staat weiterhin so funktionieren wie bisher; lediglich für die nicht bevorzugte Klasse (wo alle [angeblichen und tatsächlichen, politischen und unpolitischen] Feinde der Trump-Regierung reingehören) soll sich etwas ändern.
Wir haben aber mittlerweile viel Anschauungsmaterial, was die Gerichte dazu sagen und insgesamt kann man nicht sagen, dass sie geneigt sind das zuzulassen. Lediglich bei der
Organisation der Exekutive hat Trump nach der "unitary executive"-Theorie eine große Gestaltungsmacht. Bei USAID gibt es eben gerade keine Bürger, die Ansprüche gegenüber USAID erwerben außer die (amerikanischen) Angestellten der Behörde: Empfänger von Entwicklungshilfe können nicht ohne Weiteres auf die Gewährung von Leistungen klagen, weil keine individuellen Ansprüche (jenseits vertraglicher Ansprüche von Subunternehmern) geschaffen werden. Diese Herangehensweise funktioniert aber nicht mehr, wenn amerikanische Bürger und Institutionen einen rechtlichen Anspruch auf Leistungen erwerben und im Fiskaljahr 2026 hat die Trump-Regierung bei vielen Kürzungen nach verlorenen Gerichtsverfahren letztendlich eben doch zurückgesteckt und Gelder ausgezahlt, die der Kongress bewilligt hatte.
Und das ist noch der für die Regierung günstigste Fall, dass der Kongress (aktuell ja wie wir alle wissen noch republikanisch geführt) und die Exekutive auf derselben Seite stehen. Manche balance-of-power Fragen werden durch Gerichte gar nicht abgedeckt, weil sie als "political questions" gewertet werden, die die politischen Akteure untereinander klären sollen. Sobald Trump allerdings eine Mehrheit in einem der beiden Häuser verloren geht und der Kongress auf die power of the purse zurückgreift sieht die Sache noch schlechter für die Administration aus. Während man einzelne Gerichtsentscheidungen vielleicht noch ignorieren könnte (insbesondere wenn sie nicht vom Supreme Court getroffen werden) kannst du die Macht des Kongresses nicht einfach umgehen, weil er nun mal "power of the purse" hat: Eine Regierung, die regelmäßig impoundment versucht wäre eine Regierung, die mittelfristig vom Kongress erpresst werden wird.
Das sind alles Dinge, die in der Betrachtung überhaupt nicht vorkommen. Natürlich hat Trump die Kontrolle über die Exekutive und wenn man der Meinung ist, Trump lässt bei drohendem Wahlverlust Hegseth in Camo-Outfit die Today-Show stürmen und verkündet, die Demokratie in den USA ist bis auf Weiteres ausgesetzt, dann spielt das alles keine Rolle. Ich sage bloß: Es gibt dafür einfach bisher keine Anhaltspunkte. Die Regierung agiert nicht, als wolle sie ernsthaft freie und faire Wahlen verhindern, sondern sie agiert so wie jemand der eine 49/51-Wahl in eine 51/49-Wahl drehen will. Aber erstens sind auch da die Versuche bisher sehr unbeholfen und zweitens sieht es aktuell auch nicht mehr danach aus, als bekommen wir eine 49/51-Wahl aus Sicht der Republikaner.
€dit: Passt gut dazu, dass er heute Pam Bondi rauswirft, weil sie es nicht schafft Leute von Trumps diversen Feindeslisten ins Gefängnis zu bringen. Sieht so das Gebahren eines zukünftigen Potentaten aus? Kurzsichtiges Personalkarusell was die systemischen Gründe für das wiederholte Scheitern überhaupt nicht addressiert?