Original geschrieben von NumbSchiller
Altruismus ist ja nur die Extremform von dem was du beschreibst. Und ich verlange ja auch von niemandem komplett selbst aufzuopfern.
Achso, und wo ziehst du die Grenze?
Du kannst z.B. für ein paar Euro einem Kind in Afrika das Leben retten. Drehst du deswegen jetzt jeden Pfennig zweimal um und sparst dir einen Wolf, um möglichst viele Leben zu retten?
Denn du gibst ja sicherlich jede Menge Geld für irgendwelchen Luxus aus, während woanders Menschen sterben, weil ihnen die paar Euros für ein lebenswichtiges Medikament, eine Operation oder auch nur einen Arztbesuch fehlen. Du böser Unmensch du, tsets.
Altruismus ist schlicht keine geeignete moralische Kategorie. Weder kannst du ihn aus notwendigen moralischen Prinzipien ableiten, noch kannst aus ihm geeignete moralische Prinzipien ableiten. Im Gegenteil, du verwickelst dich nur in Widersprüche und musst dann letztlich zu Willkür greifen: nur ein bisschen Altruismus, aber nicht zuviel.
Der Widerspruch entsteht übrigens schon, sobald du das bisschen Altruismus, das du selbst vertrittst, für dich zum Wert erklärst. Denn dem zu folgen, was man selbst für sich als Wert erkannt hat, ist so ziemlich die Definition von
Egoismus.
Original geschrieben von Kuma
Wer gibt und tut und macht ist im Endeffekt meistens nur der Dumme, fast immer kommt das Arschloch besser weg.
Nein, edle Menschen leben ein gutes Leben. Tugend macht glücklich, per Definition.
Wenn ich nämlich Glück als das höchste Gut definiere, ist eine gute Handlung die, die mich dem Glück näherbringt, ist ein guter Charakter der, der mich glücklich sein lässt.
Ein guter Mensch zu sein heißt also, ein glücklicher Mensch zu sein.
Original geschrieben von Clawg
Welcher Ruf entsteht bei dir denn, wenn du eine anonyme Spende abgibst?
Ich bitte dich, die Vorteile sind doch offensichtlich.
Irgend jemand wird mich sicherlich fragen, wenn ich sage, dass mir nicht wohl ist oder ich ins Krankenhaus muss. Dann werde ich zugeben müssen, dass ich mein Knochenmark spende, um jemandem das Leben zu retten. Die Geschichte macht schnell die Runde, schon habe ich mal wieder allen meinen Edelmut und die Konsistenz meines Charakters demonstriert.
Oder es kommt irgendwann zur Sprache oder ich bringe es in einem günstigen Moment selbst zur Sprache.
Da ich quasi keinerlei Nachteile erleide, dürfen ja auch die Vorteile eher klein oder unwahrscheinlich sein.
Außerdem ist es immer ein gutes Argument, um dafür zu werben. Wenn ich andere davon überzeugen kann, ebenfalls ihr Knochenmark oder ihre Organe zu spenden, erhöht sich die Auswahl und damit meine Chance, falls ich selbst je Hilfe benötigen werde.
Wenn du z.B. von einer Typisierungsaktion hörst, was würde andere Menschen eher zur Spende bewegen: "Der Mann hier braucht Hilfe und er hat sie verdient, weil er nie aus Kleinmut anderen die Hilfe versagte" oder "Spendet euer Knochenmark jetzt für Kuma, der seins im Traum nicht gegeben hätte, weil er sich einen Dreck um andere schert und ein ignorantes Leben führt"?
Oder stell dir vor, du sollst mal in der Öffentlichkeit an einer Diskussion über Organhandel teilnehmen. Wir beide würden wohl energisch dafür plädieren. Aber früher oder später wird jemand deinen Charakter attackieren und dich als profitgeilen Egoisten beschimpfen und alle werden ihm beipflichten - es sei denn, du holst eben deinen zehn Jahre alten Organspendeausweis aus der Tasche hervor, schon bist du in den Augen aller gegen jedweden moralischen Zweifel erhaben.
Oder was ist, wenn ich - Gott bewahre - doch mal Politiker werden sollte oder mich sonst in einer Position wiederfände, in der ich öffentlichem Urteil ausgesetzt wäre. Dann wäre ein Höchstmaß an moralischer Integrität doch immer eine gute Versicherung.
Für mich jedenfalls überwiegen klar die Vorteile eines Organspendeausweises. Ob ich selbst mich für eine Operation entscheiden würde, um mein Knochenmark zu spenden, weiß ich nicht.
Aber es ist sicher nicht verkehrt, sich die Option mal offen zu halten.