Die meisten Eigentumswohnungen in Städten werden nicht von den Vermietern selbst genutzt, sondern von privaten Kleinvermietern. Die meisten von denen erzielen keine sonderlich hohen Renditen (zumindest mit dem Vermieten). Für den Mietmarkt ist es günstiger, dieses Modell zu fördern, als die Alternative (große private Gesellschaften, die nur oder größtenteils vermieten ohne selbst zu bauen).
Vor allem will man eigentlich keine monolithische Inhaberstruktur. WEGs zeichnen sich ja vor allem dadurch aus, dass alle Eigentümer ein relativ ähnliches Ziel verfolgen (mit teils verschiedenen Vorstellungen) und das ist nicht zwangsläufig mehr Rendite aus den Mietern rauspressen, sondern oftmals vor allem Erhalt von Bausubstanz. Die Mischung aus Selbstnutzung und privater Vermietung sorgt für ein gesundes Maß an checks and balances, was bei großen Konzernen null gegeben ist.
Man sollte sich allerdings auch keine Illusionen machen. WEG-Versammlungen können absoluter Krebs-Aids sein. Da wünscht man sich dann doch schnell eine gute Verwaltung, die viel der Orga übernimmt.
Extrem verspäteter Post. Eventuell sehe ich das durch meine berufliche Brille und als völliger Idiot falsch (vielleicht sogar schon den Ausgangspost), "aber":
was ist den gesamtgesellschaftlich sinnvoll für den Flickenteppich Privateigentum, speziell den Punkt der Privatvermietung? Ich sehe den Teil des Vermögensaufbau und habe dagegen nichts.
Irgendwie sehe ich die binäre Betrachtung von Flickenteppich vs. Großkonzerne etwas kritische. Da scheint mir der Gedanke zu sein, dass Effekte auf der Mikroebene irgendwie was positives auf der Makroperspektive nach sich ziehen. Wenn ich es (euch) richtig verstehe, dann v.a. einen besser steuerbaren Mietpreis(kampf), der noch dazu den Eigentümern dient und somit irgendwie den Mietern hilft. Irgendwie fehlen mir da andere Effekte auf der mittleren Ebene.
Meine Nahfeldempirie legt mir nahe, dass Großkonzerne (hatte nur "häufiger" Berührungspunkte mit DW, Vonovia kenn ich nur vom Namen) zwar mietpreistechnisch Krebsaids sind, allerdings wenigstens die Bausubstanz und energetische Dimensionen im Blick haben (wollen). Das sehe ich im Privatbesitz eigentlich so gut wie nie, stattdessen eher NIMBYtum und das Schleifen-lassen, bis es halt gemacht werden muss ohne große Planung. Unterschiede sind je nach Person denkbar, ist ja alles individuell bei den Privaten. Ganz ehrlich, mein Eindruck der meisten Privaten ist, dass sie schon gerne mehr Rendite hätten und es auch versuchen, aber eher schlecht als recht. Bis zu einem gewissen Punkt ist mir das persönlich ziemlich egal, es ist gerade von Privaten ziemlich viel Gejammer, insbesondere von den jüngeren Boomern und den ersten Erben. Bißchen besser scheinen WEG zu sein, allerdings würde ich mir das Drama nie persönlich geben wollen, omfg, was da Kollegen berichten. Hier spricht aber auch eventuell meine (neidische) Moral, wahrscheinlich wäre ich der erste Sabel unter Gleichen bei gleichen Möglichkeiten.
Von mir aus darf der (erste) Erwerb anders / geringer besteuert werden, hätte aber gerne, dass es gewisse Obergrenzen und Auflagen gibt, die auch
konsequent umgesetzt werden. Beim Erwerb im innerstädtischen Bereich beispielsweise die Teilnahme an Quartierslösungen (Nahwärme und co., wenn technisch irgendwie möglich) und/oder das Abtreten von Widerspruchsmöglichkeiten für diverse Maßnahmen, wie bspw. Neubau/Betrieb von sozialen Einrichtungen (speziell Hospitze, KiTas, Schulen und co.), und/oder klimatischen Verbesserungen (kein Rumheulen, wenn Stellplätze entsiegelt werden bspw.). Ab einer gewissen Anzahl von Wohneinheiten dann auch die Pflicht X% als Sozialraum zur Verfügung zu stellen und, wenn damit Fläche verbunden ist, öffentlich Erholungsflächen anzubieten (Spielplätze, beschattete Bereiche, ...) - bzw. auch im Außenbereich diverse Dinge grundsätzlich verbieten (so Beton-Kiesgärtenscheiße). Politisch / Juristisch wohl unmöglich, in meiner linken Traumwelt aber wünschenswert.
Mir fehlt die gezieltere Unterstützung von Kommunen und Ländern, das fängt schon beim Punkt "WohnungsBAU" an. Irgendwie herrscht häufig die Meinung, man müsse nur mehr Klötze hinstellen, oder mehr Baugebiete ausweisen. Es ist jetzt nicht so, als wäre das klimatechnisch sinnvoll random Dinge abzureißen (graue Energie), oder toll noch mehr Freiflächen zu versiegeln, oder bestehende Hotspots im Angesichts des Klimawandels nicht nachzurüsten / zu verbessern. Das kann weder von Großkonzernen noch von Privaten gut geleistet werden. Andererseits ist es für die Kommunen oder soziale Träger aktuell schwierig tatsächlich mal Quartiere effektiv zu entwickeln, egal aus welcher Perspektive. Irgendwo findet sich wieder jemand mit NIMBY oder zieht sonstwie nicht mit. Hohe Baukosten, verkalkte Entscheider, hohe Bürokratie (insb. Ausschreibungen) und fehlendes Personal, gegebenenfalls total dämliche Auflagen wie Denkmalschutz oder (am besten) Urheberrecht von scheintoten Architekten. Die im Bürokratie / Digitalisierungsboosterpakete-müllhalde ist jedenfalls ein schlechter Witz, gemessen an den faktischen Problemen.
Auch die Einbindung von Privatpersonen als Investoren fällt mir etwas zu flach aus. Spricht ja nichts dagegen, wenn eine Stadt eine Konversionsfläche beplant vermehrt Privatpersonen einzuplanen, als es bislang punktuell geschieht. Könnte man gerne irgendwelche Sonderkonditionen des KfW oder sonstwem für öffnen. Wer dann trotzdem auf eigene Faust was machen will, nur zu. Wahrscheinlich geht das dann wieder nicht weil KDöR, AöR, gGmbH oder e.V. ja sowieso angeblich die tiefsten aller Geldtöpfe haben.