Also ich muss tic0r schon Recht geben, das was tic0r meint, heisst ja nicht, dass die Evolutionstheorie komplett falsch ist, wohl aber das es in der Öffentlichkeit nicht mehr als Theorie dargestellt wird, sondern als komplett objektive Realität und die kann besonders bei der extremen Komplexität der Natur schlicht nicht gegeben sein. Die Evolution macht für die Biologie durchaus Sinn und gibt der Biologie eine Theorie die ihr hilft die Frage nach dem "Sinn" verschiedener Prozesse zu ergründen. Niemand in der Biologie bestreitet auch, dass es so etwas wie eine Entwicklung innerhalb der Natur gibt, aber nicht jeder muss der Darstellung Darwins insgesamt zustimmen (dann aber natürlich auch-Das heisst aber noch nicht, dass die Natur tatsächlich immer so funktioniert, wissenschaftliche Theorien sind also eine Art der Annäherung an die Realität.
Wissenschaftliche Theorien haben das Problem einer vereinfachten Darstellung der Umwelt.
Angenommen man filmt seine Umwelt mit einer versteckten Kamera für 2 Tage und gibt das Material dann einem Psychologen mit der Bitte "mach mal was draus", so wird der Psychologe kaum in der Lage sein mit dem Material etwas anzufangen. Der Wissenschaftler kann nur in bestimmten Rahmen arbeiten, mit der "puren Realität" wäre er komplett überfordert.
Dann sind da noch die Probleme der Axiome innerhalb von wissenschaftlichen Theorien, die oftmals tatsächlich eher geglaubt werden müssen als empirisch belegt werden können. Beispiele können etwa die komplett zufälligen Mutationen bei Darwin sein (wogegen es auch durchaus Kritik von Genetikern gibt) oder die "invisible hand" und der Mensch als egoistischer Nutzenmaximierer. Häufig ist es auch so, dass man der Behauptung, ein Individuum handelt so, dass er (und auch sein näheres Umfeld) davon profitieren, zustimmt. Trotzdem kann man aber sehr wohl bemängeln, dass es nicht noch andere wichtige Komponenten wie das soziale Umfeld gibt, es sich hier also um eine simplifizierte Form handelt, die das menschliche Verhalten auf ein einfaches Muster reduziert.
Bei Darwin führt dies dann zu dem interessanten Fall, dass Darwin selbst seine Theorie auf die vom Ökonomen Malthus aufgebaut hatte und demzufolge auch seine Axiome kritiklos übernahm. Von einigen Biologen wurde durchaus eingeworfen, dass Begriffe wie "Konkurrenz", "Egoismus" oder etwa "survival of the fittest" (ja, es stammt nicht von Darwin, sondern von Huxley) schlicht keine adäquaten Begriffe seien um Natur zu beschreiben, da sie praktisch wirtschaftswissenschaftliches Vokabular seien und nicht für die Nutzung in der Biologie gedacht worden seien.
Lustig ist es dann, wenn dann wiederum die Evolutionstheorie in die Wirtschaftswissenschaft einfließt um die Behauptungen zu objektivieren.
Ich finde es durchaus kritikwürdig, dass die Evolutionstheorie heute in allen Bereichen Anwendung findet, ob nun in der Ökonomie, der Soziologie (z.B. indem sämtliche Verhaltensweisen für Soziobiologen nur Ausprägungen des Dranges von Lebewesen sei, deren Gene zu verbreiten)oder selbst in der Kunstgeschichte (ein berühmter Soziobiologe etwa veröffentlichte vor 2 Jahren ein Buch, in dem er praktisch die gesamte abendländische Kunstgeschichte, von Höhlenmalereien bis zu Picasso aus evolutionsbiologischer Sicht durchleuchtet). Mit dem Begriff "Evolution" will man damit den Eindruck von totaler Objektivität vermitteln, notfalls erfindet man eben neues Vokabular wie "Meme" bei Dawkins, die mit dem wissenschaftlichen Anspruch wenig zu tun haben.
Insgesamt finde ich das ein interessantes Thema worüber ich noch mehr lesen will. Abschließend sei noch ein Buchtipp angeführt, nämlich von Joachim Bauer "Das Kooperative Gen - Abschied vom Darwinismus", was zwar durchaus umstritten ist, aber zumindest neuen Wind liefert indem er aus wissenschaftlicher Sicht wichtige Fundamente Darwins angreift.
Für Wissenschaftstheorie generell finde ich das Interview mit dem Philosophen Hilary Putnam sehenswert (allein schon weil Putnam total einem mad scientist gleicht):
http://www.youtube.com/watch?v=cG3sfrK5B4E