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Nachrichten, Randnotizen und Kurioses v4

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Sehe ich tatsächlich anders. Für mich ist die Doppelmoral schon das primäre Problem. Nicht so sehr weil ich Leihmutterschaft jetzt so schrecklich finde, aber es zerstört halt tatsächlich Vertrauen bei Leuten, wenn sie das Gefühl haben Politiker müssten sich nicht an die Regeln halten, die für einen selbst gelten. Ist natürlich nicht wirklich fair dass der Eindruck entsteht, wenn sich die allermeisten Politiker schon dran halten nur so Leute wie Spahn, der jetzt sowieso nicht akut unter Moralverdacht stand, nicht, aber man muss halt mit dem Wahlvolk arbeiten das man hat. Überall dort, wo Leuten sowas scheißegal ist, kriegst du so Leute wie Trump oder AfD-Dullis, die ihre halbe Fußballmannschaft als Minijobber im Abgeordnetenbüro beschäftigen.
So wars nicht gemeint. Ich meinte schon auch die Doppelmoral dahinter, aber der Widerspruch, an dem ich Anstoß nehme, ist nicht "bei uns verboten, Politiker machts trotzdem auf Umweg übers Ausland, weil er kann", sondern "Politiker tritt für Verbot ein und macht es dann trotzdem".

Ich hätte keinerlei Probleme damit, wenn ein progressiver Politiker, der gegen ein Verbot ist, sowas tun würde.

Ich würde im Übrigen selbst Jens Spahn nicht unterstellen, dass er so ignorant und egozentrisch ist, dass er das Verbot selbst jetzt noch befürwortet. Für mich deutet es also eher darauf hin, dass seine vorherige Position von einem Mangel an Empathie mit den Betroffenen geprägt war. Wenn er diesen Makel jetzt durch seine eigene Betroffenheit überwunden hat, dann ist das imo grundsätzlich zu begrüßen.
Voraussetzung dafür, ihm das nicht negativ auszulegen, wäre dann gewesen, dass er erst aktiv seine politische Haltung ändert, bevor er für sich selbst andere Tatsachen schafft.
 
Zuletzt bearbeitet:

Gustavo

Doppelspitze 2019
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So wars nicht gemeint. Ich meinte schon auch die Doppelmoral dahinter, aber der Widerspruch, an dem ich Anstoß nehme, ist nicht "bei uns verboten, Politiker machts trotzdem auf Umweg übers Ausland, weil er kann", sondern "Politiker tritt für Verbot ein und macht es dann trotzdem".

Ich hätte keinerlei Probleme damit, wenn ein progressiver Politiker, der gegen ein Verbot ist, sowas tun würde.

Ich würde im Übrigen selbst Jens Spahn nicht unterstellen, dass er so ignorant und egozentrisch ist, dass er das Verbot selbst jetzt noch befürwortet. Für mich deutet es also eher darauf hin, dass seine vorherige Position von einem Mangel an Empathie mit den Betroffenen geprägt war. Wenn er diesen Makel jetzt durch seine eigene Betroffenheit überwunden hat, dann ist das imo grundsätzlich zu begrüßen.
Voraussetzung dafür, ihm das nicht negativ auszulegen, wäre dann gewesen, dass er erst aktiv seine politische Haltung ändert, bevor er für sich selbst andere Tatsachen schafft.

Hmm kommt glaube ich drauf an was du mit "befürworten" meinst. Wenn ich raten müsste, ob Jens Spahn eine aufrichtige innere Überzeugung hat, dass Leihmutterschaft aus welchen Gründen auch immer gesetzlich in Deutschland nicht erlaubt sein sollte, würde ich mit Sicherheit auf nein tippen. Ich vermute allerdings auch, dass er die nie wirklich hatte. Mir kam Spahn immer vor als wäre er ideologisch bei einer säkularen, marktliberaleren konservativen Partei wie den Tories oder den amerikanischen Republikanern besser aufgehoben als in der Union. Dass er eine *ernsthafte* christliche Überzeugung hat, die seine politische Meinung in dem Fall entscheidend beeinflusst, kaufe ich ihm jedenfalls nicht ab.

Ich glaube allerdings auch: In einer hypothetischen Welt, in der Spahn korrekt einschätzt, dass ihm diese Leihmuttergeschichte um die Ohren fliegt, er aber aus irgendwelchen Gründen sicher sein könnte dass es nicht rauskommt wenn er es selbst nicht an die große Glocke hängt, würde Spahn exakt das machen was du ihm nicht unterstellen willst. Das ist genau die Art Opportunismus, die seine ganze Karriere prägt.

Dass Merz ihm jetzt keinerlei Rückhalt gibt, liegt nahe, weil er selbst schon mal Opfer davon war, als Spahn überraschend mit Laschet als Team gegen Merz kandidiert hat, obwohl Laschet sicher die liberalere Option war. Ich glaube allerdings auch, dass Spahns Karriere sich davon relativ schnell erholen wird. Fällt mir nicht schwer mir vorzustellen, wie er genau denselben Kram sagt, den ich jetzt auch schon ein paar Mal von Journalisten gehört habe: Wie er sich "für die Familie" oder "für den Kinderwunsch" entschieden hat, als wäre der Kinderwunsch das Problem an sich. Bin mir relativ sicher über diese Geschichte reden alle in ein paar Jahren so, wie wir heute über die "Bonusmeilen"-Affäre reden, über die anno dazumal Özdemir gestolpert ist: Gar nicht oder wenn, dann nur mit "könnt ihr euch vorstellen, dass Özdemir mal ..."
 

parats'

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