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Das ist schon arg verkürzt. Es macht für dich als Mieter einen gewaltigen Unterschied, ob dein Vermieter gewinnorientiert oder gemeinwohlorientiert wirtschaftet. Mir ist, ehrlich gesagt, auch nicht ganz klar, warum das in den Diskussionen häufig so trivialisiert wird.Unter'm Strich: Ja, zumindest in den wenigen mir bekannten Sonderfällen von Kunden - bin aber selbst Laie. Im Prinzip braucht es in erster Linie erstmal einen Grund, warum man enteignet, üblich sind Infrastrukturprojekte im weitesten Sinne. Es braucht halt scheinbar irgendein Gesetz, dass den Grund auch definiert. Bei meinen damaligen Kunden (Bistümer) war es Bergbau und Straßen. Erst wird versucht, dass man es freiwillig verkauft, bleibt das aus, dann wird die Verwaltung eine Klage (?) einreichen. Es kommt nochmal zu einer Verhandlung, scheitert diese, dann wird offiziell per Urteil enteignet. Wie häufig es bis dahin eskaliert, kA, meine Kunden gaben nach.
Eine Entschädigung erhält man entweder via Ersatz, so bei meinen Kunden meist geschehen - also man bekommt ähnlich wertvolles Land, das man verpachten kann. Richtige Objekte hab ich persönlich nicht erlebt, denkbar wäre es wohl. Oder eben, man bekommt Geld, ausgehend vom Verkehrswert des Objekts. Hatte das jetzt bei der Grundsteuer, da war der Ersatz lustig, weil man im Prinzip sowohl das alte, nicht mehr existierende Stück Land und das neue, nur auf dem Papier existierende Flurstück erklären musste, aber es damals keinen richtigen Umgang gab.
Ich sehe jetzt (als Laie) nicht, warum die Vergesellschaftung, die wohl ähnlich laufen würde, unter praktischen Aspekten zielführender wäre. Der Artikel von Schaefer hat bereits angerissen, dass die Entschädigungssumme sehr viel höher ausfallen dürfte, als Einzelenteignungen. Dazu stellt sich schnell die Frage, ob das Land Berlin die Verwaltung stemmen könnte, von der Instandhaltung und Sanierung zu schweigen, das ganze im Rahmen von ein- bis zwei Legislaturperioden mit Widerstand aus dem Bund. Das Ziel wäre auch fraglich, es entsteht, wenn ich es richtig verstehe, auch kein neuer Wohnraum, es geht eher um eine Kostensenkung, die wiederum die Finanzierung spannender macht.
Halt schon Scheiße für Berlin, wenn man nicht in die Marktmechaniken eingreifen darf. Kenne mich zu wenig aus, um abschätzen zu können, was vergeblich versucht wurde. Einzelenteignungen stelle ich mir effektiver vor, wenn es darum ginge Leerstände zu nutzen oder Spekulationsobjekte aus dem Rennen zu nehmen. Nur dürften die nicht häufig vorkommen. Ob man DW / Vonovia gezielter angreifen könnte wäre interessant, evtl. mit Sonderauflagen via Baurecht, irgendwas in die Richtung, dass sie gezwungen werden x% geförderten Wohnraum einzuplanen, sonst gibt's halt keine Genehmigungen mehr.
Nur mal als Beispiel: Wir sind letztes Jahr umgezogen und zahlen jetzt irgendwie 14,50 Euro oder so pro Quadratmeter. Das ist für die Lage und Qualität der Wohnung ein absolutes Schnäppchen. Aber die Angebotsmieten für den Bestand der landeseigenen Wohnungen liegen natürlich deutlich darunter. Konservativ geschätzt würden wir beim Wohnen in einer landeseigenen Wohnung wahrscheinlich zwischen 300 und 400 Euro im Monat sparen.
Selbst mit einer Megareform zur Entlastung der arbeitenden Mitte, von der Union und Co oft schwärmen, wirst du für eine gewöhnliche Familie nicht mal annähernd eine Entlastung dieser Größenordnung erreichen.
Die Tatsache, dass dieser Umstand von den Menschen sehr wohl gespürt, von großen Teilen der Politik aber nicht ernst genommen wird, dürfte wesentlich zum Wahlerfolg der Linken beigetragen haben.
Und was die Umsetzung angeht, bin ich nicht super im Stoff, aber wenn ich mich recht entsinne, dann enthielt sogar der Volksentscheid schon einen relativ konkreten Entwurf: Man würde die Wohnungen für eine Übergangszeit weiter durch die vorherigen Vermieter bewirtschaften lassen. In dieser Zeit gründet man eine Anstalt des öffentlichen Rechts, die ab einem Stichtag die Bewirtschaftung übernimmt. Das Ziel wäre natürlich, dass man einen großen Teil des Personalbestands und die Expertise in diese Anstalt überführt.
Die Entschädigung soll, soweit es rechtlich möglich ist, unterhalb des Marktwerts erfolgen und zu einer moderaten Verzinsung über einen langen Zeitraum an die ehemaligen Eigentümer ausbezahlt werden - aus den laufenden Mieteinnahmen.
Ob man das jetzt so oder anders umsetzt, ist aber letztlich nicht relevant, denn die entscheidenden Prinzipien bleiben gleich: entweder streckst du die Auszahlung der Entschädigungen an die Eigentümer oder, wenn das rechtlich nicht möglich ist, musst du das Ganze über den Kapitalmarkt finanzieren. Du hast ja den Wohnungsbestand als Sicherheit und das Land Berlin kann als Bürge eintreten, sodass die Konditionen sicherlich günstig wären.
Unterm Strich zahlst du aus dem öffentlichen Haushalt keinen Cent und es erhöht auch nicht, wie die CDU gerne behauptet, den Schuldenstand des Landes Berlin.
Letztlich ist es erstmal eine gewaltige Umverteilung von den Anteilseignern der Immobilienkonzerne zu deren Mietern. Wie reibungslos die Umsetzung dann wirklich funktioniert und was die langfristigen Auswirkungen sind, lässt sich für mich sehr schwer absehen.
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