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AfD - Karnevalsverein oder Heilsbringer?

Gustavo

Doppelspitze 2019
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achwas. dann ist ja gut :| 40h das neue teilzeit.

Ich verstehe Null warum die SPD dieser Regelung zugestimmt hat. Offensichtlicher Arbeitnehmer-Lobby kann etwas doch kaum sein. So gut wie niemand ist dafür und inhaltlich sprechen auch haufenweise Sachen dagegen: Entweder die Arbeitszeitregel gilt eh nicht wirklich (wie bei den meisten Wissensberufen) oder sie wird von starken Gewerkschaften wegverhandelt. Die einzige Gruppe an Arbeitnehmern, die davon wesentlich betroffen wäre sind die armen Schweine, die beschissene Berufe machen ohne eine starke AN-Repräsentanz, die sich gegen sowas wehren könnte. Glaubt wirklich irgendwer, dass es zur wirtschaftlichen Genesung Deutschlands beiträgt, wenn Gastro und Leiharbeiter jetzt auch mal 12 oder 14 Stunden am Stück arbeiten geschickt werden können? Zumal bei einer Verklammerung mit der Arbeitszeiterfassung dann auch garantiert wäre, dass das eben nicht zu mehr Arbeitszeit führen würde UND die Forschung schon ziemlich eindeutig ist, dass die Produktivität mit längerer Schichtdauer deutlich ab- und die Fehleranfälligkeit deutlich zunimmt. Geile "Reform", Leute arbeiten die selbe Zeit für den gleichen Lohn, nur halt weniger produktiv. Alle hassen es außer die Spezis, die bei CDU-Abgeordneten im Abgeordnetenbüro vorsprechen. BIP 🚀🚀🚀
 
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Ob das viel bringt sei dahingestellt, aber ich verstehe auch nicht warum die Gewerkschaften bei sowas in Schnappatmung verfallen. Ist ja nicht mal so dass hier rein einseitig Arbeitnehmerrechte abgebaut werden (oder "geschliffen" um mal die Gewerkschaftsfunktionärsterminologie zu verwenden). Man hat halt mal zumindest irgendwas "für die Wirtschaft" gemacht, vielleicht kann man damit der CDU Dinge auf der anderen Seite abverhandeln (Erbschaftssteuer). Ist naiv meinerseits klar, aber ich glaube wir müssen einfach aus der beidseitigen Blockade raus, verschiedene Parteien werden Zugeständnisse machen müssen wenn hier überhaupt noch irgendwas reformiert werden können soll.
 

Shihatsu

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rein einseitig Arbeitnehmerrechte abgebaut werden
Öhm doch, das ist zumindest bisher meine Auffassung. Elektronische Zeiterfassung ist quasi jetzt schon Pflicht und wird trotzdem mit Füssen getreten. In der Realität kommt davon bei den schützenwerten Berufen (Pflege, Handwerk, Bau, Erziehung, ...) so wie ich das sehe nichts an.
 
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Naja, zumindest in der Theorie würde das auch für die Arbeitnehmer eine Flexibilisierung ermöglichen. Also kein einseitiger Abbau von Rechten.
 
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verschiedene Parteien werden Zugeständnisse machen müssen wenn hier überhaupt noch irgendwas reformiert werden können soll.
Nur ist der Eindruck, den die Koalition vermittlet, dass die Union ihren Stiefel fährt und die SPD konstant abnickt, was gegen ihre angeblichen Grundwerte verstößt. Das ist ja auch gelegentlich direkt aus der Union zu hören, dass die SPD gefälligst mitzuziehen hat - "links ist vorbei" etc.
Und "überhaupt irgendwas reformieren" scheint tatsächlich der Ansatz zu sein - siehe Bürgergeld. Erstmal rausposaunen, dass man MILLIARDEN einsparen kann, ordentlich hetzen nebenher, SPD macht (glaub sogar ohne Bauchschmerzen) mit, und was ist? Nichts mit Milliarden, höchstens ein paar Milliönchen, auf Dauer wahrscheinlich sogar höhere Kosten, und ohnehin schon marginalisierte sind schlechter gestellt.
Aber Hauptsache was gemacht, schätz ich.
 

Shihatsu

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Naja, zumindest in der Theorie würde das auch für die Arbeitnehmer eine Flexibilisierung ermöglichen. Also kein einseitiger Abbau von Rechten.
Da wird doch eh schon unglaublich viel Schindluder mit getrieben, der nicht sanktioniert wird. Kein AN in den entsprechenden Bereichen (und auch nicht bei mir) schert sich darum wenn das intransparent gehandhabt wird, es wird meistens sogar vorrausgesetzt. In der Pflege ist das ganz krass, auch bei Lehrern.
 
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Nur ist der Eindruck, den die Koalition vermittlet, dass die Union ihren Stiefel fährt und die SPD konstant abnickt, was gegen ihre angeblichen Grundwerte verstößt. Das ist ja auch gelegentlich direkt aus der Union zu hören, dass die SPD gefälligst mitzuziehen hat - "links ist vorbei" etc.
Und "überhaupt irgendwas reformieren" scheint tatsächlich der Ansatz zu sein - siehe Bürgergeld. Erstmal rausposaunen, dass man MILLIARDEN einsparen kann, ordentlich hetzen nebenher, SPD macht (glaub sogar ohne Bauchschmerzen) mit, und was ist? Nichts mit Milliarden, höchstens ein paar Milliönchen, auf Dauer wahrscheinlich sogar höhere Kosten, und ohnehin schon marginalisierte sind schlechter gestellt.
Aber Hauptsache was gemacht, schätz ich.
Gefühlt setzt ja nachdem wen man fragt die jeweils andere Seite alles durch. Scheint alles nur framing und Verhandlungsgelaber zu sein, ich blick da wirklich null durch. So oder so, wenn nicht alle Seiten Zugeständnisse machen wird das nichts imho.
 
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Grundsätzlich hast du ja Recht, dass eine Koalition nur funktionieren kann, wenn Zugeständnisse gemacht werden. Und wie damit in den Medien umgegangen wird finde ich auch katastrophal. Da wird dann schwadroniert, dass der Koalitionsvertrag nur Lüge und heiße Luft ist, wenn Bas sich mal negativ über eine konkrete Position aus dem Vertrag äußert. Als wäre es nicht viel besser, wenn sich mal die eine und mal die andere Seite in so einer Abstimmung durchsetzt, anstatt jeden Punkt zu einem nutzlosen, faulen Kompromiss zurechtzustutzen. Ich kann doch als ganzes hinter einem Koalitionsvertrag stehen, auch wenn ich nicht jede der beschriebenen Lösungen geil finde. Das ist eben der Kern von Kompromissen.

Aber das macht ja nun nicht jeden einzelnen Punkt beliebig und wir als Bürger können doch drüber sprechen. Wenn eine Seite behauptet es regnet und eine behauptet, die Sonne scheint, dann wird die Wahrheit nicht irgendwo in der Mitte liegen und an der Stelle kann man auch sagen, dass dieses Gesetz ungefähr so hilfreich ist wie die 1000€ Entlastungsprämie. Lies dir doch nochmal den Absatz von Gustavo durch: Viele Berufe betrifft das überhaupt nicht: Bei mir im Bereich geht es schon seit 10+ Jahren nur um Wochenarbeitszeit; es ist nur nicht gern gesehen, wenn AN >10 Std. arbeiten, weil da die Produktivität bekanntlich in den Keller geht.
Aber betreffen wird diese Regelung letztlich arme Schweine ohne Lobby, die in ungesunde tägliche Arbeitszeiten gedrängt werden können. Wem genau soll das denn helfen?
 
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unsere prototypen erprobung wurde über die jahre an sub-dienstleister ausgelagert, das sind die armen schweine die nach der nullserien erprobung mit diversen erprobungsschwerpunkten die "letzte meile" im dauerlauf absolvieren. ich war ja bis februar noch bisschen aktiv dort und kollegen haben mir gestern erzählt, dass sie eine REKO hatten mit schichtumstellung von rollend dreischicht auf zweischichter a 12 stunden, die warten jetzt noch auf die umsetzung seitens berlin, dann gehts an den standorten los, liegt wohl ansonsten alles vorbereitet in den schubladen und nicht erst seit gestern. statt 40 sinds dann künftig 48 stunden pro woche, änderungsverträge werden in den nächsten wochen ausgerollt, stundenlöhne werden entsprechend angepasst, gibt bisschen mehr nacht- und sonntagzuschlag ergo am ende brutto paar euro mehr. wer nicht mitmacht, bekommt einen aufhebungsvertrag wegen betrieblichen abläufen. sind eh fast nur noch spanier, rumänen und tschechen und ein paar glücksritter, die werden die kröte schlucken mangels alternative bzw. wurde es wohl von einigen gefeiert weil nach 4 jahren nullrunde es nun am monatsende mehr geld gibt.

„Es soll ja auch nicht ausbeuterisch werden“ zwinker. zwinker. my ass. die vulnerablen jobs ohne ausweichalternative werden bis an die grenze des gesetzlich möglichen ausgepresst. wer da was anderes erwartet ist entweder naiv oder böswillig gestrickt.
 
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Gustavo

Doppelspitze 2019
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Ob das viel bringt sei dahingestellt, aber ich verstehe auch nicht warum die Gewerkschaften bei sowas in Schnappatmung verfallen. Ist ja nicht mal so dass hier rein einseitig Arbeitnehmerrechte abgebaut werden (oder "geschliffen" um mal die Gewerkschaftsfunktionärsterminologie zu verwenden). Man hat halt mal zumindest irgendwas "für die Wirtschaft" gemacht, vielleicht kann man damit der CDU Dinge auf der anderen Seite abverhandeln (Erbschaftssteuer). Ist naiv meinerseits klar, aber ich glaube wir müssen einfach aus der beidseitigen Blockade raus, verschiedene Parteien werden Zugeständnisse machen müssen wenn hier überhaupt noch irgendwas reformiert werden können soll.

Ich sehe schon den Punkt, es ärgert mich nur wie bescheuert darüber nachgedacht und geredet wird. Die SPD kriegt von den Medien in den letzten Jahren wirklich ohne Unterlass vor den Latz geknallt, sie sei nicht mehr "die Partei der Arbeiter" und was für ein großes Problem das wäre. In Wahrheit geht es bei dem, was dann thematisiert wird, fast nie um "die Arbeiter" sondern fast immer um Sozialhilfeempfänger und das wahre Problem sei nicht was ein "Arbeiter" verdient (und was für ein Leben man sich davon leisten kann), sondern wie groß der Abstand zu jemandem ist der alleine auf staatliche Alimentation angewiesen ist.

Gerade hier geht es aber *wirklich* mal um die Arbeiter. Leute, die davon betroffen sind, sind quasi per se keine Wissensarbeiter, machen kein home office, haben keine starke gewerkschaftliche Vertretung (die ihnen das aus dem Vertrag rausverhandeln würde), sondern sind Leute die in meistens nicht so tollen Dienstleistungsberufen für nicht wahnsinnig viel Geld arbeiten. Arbeitstechnisch Bessergestellte betrifft die Änderung sehr selten und Arbeitslose betrifft es genauso wenig, weil die per Definition keine Arbeitszeit haben. Es ist fast als hätte man am Reißbrett eine Reform entworfen, die inhaltlich wenig bis gar nichts bringt und gezielt genau die Leute trifft, von denen man der SPD ansonsten andauert vorhält, sie kümmere sich nicht genug um ihre Belange. Und ich habe so ein bisschen das Gefühl, der einzige Grund, warum Leute damit so leicht davon kommen, ist dass viele Leute "Arbeiter" hören und immer noch primär an den Fabrikarbeiter am Fließband denken, der 1970 die Regel war aber 2026 halt eher die Ausnahme ist. Die Regel sind die Kellnerinnen, angestellte Handwerker, Pflegehelfer, Nachtwächter, sonstige Leiharbeiter und viele andere ähnlich gelagerte Berufe, mit denen man nicht unbedingt tauschen will.
 
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Ist ja vielleicht auch alles richtig. Ich denke wir müssten dringendst mehr von den Reichen abgreifen (erbschafts/vermögenssteuer) um die wachsende Ungleichheit abzubauen und auch einfach Geld für den Staat aufzutreiben. Trotzdem finde ich so eine minimale Flexibilisierung im Arbeitsrecht auch nicht schlimm, zumal wir ja ohnehin sehr starke Arbeitnehmerrechte haben in Deutschland (korrigiert mich wenn das nicht stimmt).
 

Shihatsu

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Der Punkt ist: Für die Betroffenen ohne Schutz wird im Schlimmsten Fall aus einer 40+h/Woche eine 50+h/Woche. Das ist eben nicht minimal. Klar wirds auch entlohnt, aber das sind SCHEISS jobs. :8[:
 
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Als nächstes sollte man dann Kündigungsschutz lockern, damit man diese lästigen Schmarotzer loswerden kann, die dann einfach auf Burnout krankgeschrieben sind :mond:
 
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Als nächstes sollte man dann Kündigungsschutz lockern, damit man diese lästigen Schmarotzer loswerden kann, die dann einfach auf Burnout krankgeschrieben sind :mond:
ich mein... :mond:

 
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Ich verstehe Null warum die SPD dieser Regelung zugestimmt hat. Offensichtlicher Arbeitnehmer-Lobby kann etwas doch kaum sein. So gut wie niemand ist dafür und inhaltlich sprechen auch haufenweise Sachen dagegen: Entweder die Arbeitszeitregel gilt eh nicht wirklich (wie bei den meisten Wissensberufen) oder sie wird von starken Gewerkschaften wegverhandelt. Die einzige Gruppe an Arbeitnehmern, die davon wesentlich betroffen wäre sind die armen Schweine, die beschissene Berufe machen ohne eine starke AN-Repräsentanz, die sich gegen sowas wehren könnte. Glaubt wirklich irgendwer, dass es zur wirtschaftlichen Genesung Deutschlands beiträgt, wenn Gastro und Leiharbeiter jetzt auch mal 12 oder 14 Stunden am Stück arbeiten geschickt werden können? Zumal bei einer Verklammerung mit der Arbeitszeiterfassung dann auch garantiert wäre, dass das eben nicht zu mehr Arbeitszeit führen würde UND die Forschung schon ziemlich eindeutig ist, dass die Produktivität mit längerer Schichtdauer deutlich ab- und die Fehleranfälligkeit deutlich zunimmt. Geile "Reform", Leute arbeiten die selbe Zeit für den gleichen Lohn, nur halt weniger produktiv. Alle hassen es außer die Spezis, die bei CDU-Abgeordneten im Abgeordnetenbüro vorsprechen. BIP 🚀🚀🚀
Vielleicht steht ich ja auf dem Schlauch, aber wo genau liegt das Problem?
Dass man in der Gastro auch mal 12 oder 14 Stunden arbeitet, kommt so oder so vor. Meine längste Schicht waren 21,5 (anno ca. 2010) als ich noch viel gekellnert hab und 15, 16 Stunden kamen öfter mal vor.
Ich fand das damals immer ganz gut, weil eine lange Schicht deutlich weniger Overhead hatte als zwei kurze.
 

Shihatsu

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Hihi, AfD und Nius drehen frei:
Positionsparpier der CDU. Nichts Neues, aber halt von der CDU...

Vielleicht steht ich ja auf dem Schlauch, aber wo genau liegt das Problem?
Dass man in der Gastro auch mal 12 oder 14 Stunden arbeitet, kommt so oder so vor. Meine längste Schicht waren 21,5 (anno ca. 2010) als ich noch viel gekellnert hab und 15, 16 Stunden kamen öfter mal vor.
Ich fand das damals immer ganz gut, weil eine lange Schicht deutlich weniger Overhead hatte als zwei kurze.
Du hast das in Jung freiwliig gemacht. Das der Vergleich hinkt sollte dir doch klar sein, oder?
 

Gustavo

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Vielleicht steht ich ja auf dem Schlauch, aber wo genau liegt das Problem?
Dass man in der Gastro auch mal 12 oder 14 Stunden arbeitet, kommt so oder so vor. Meine längste Schicht waren 21,5 (anno ca. 2010) als ich noch viel gekellnert hab und 15, 16 Stunden kamen öfter mal vor.
Ich fand das damals immer ganz gut, weil eine lange Schicht deutlich weniger Overhead hatte als zwei kurze.


Das Problem ist dass aufgrund der inhärenten Asymmetrie des Arbeitsverhältnis das soziale Optimum von Wahlfreiheit häufig nicht gewährt werden kann. Aus der Forschung wissen wir, dass für die meisten (nicht alle) Arbeitnehmer Arbeit eine disutility ist, d.h. sie würden ihre Zeit lieber mit etwas anderem verbringen und der Arbeitslohn ist quasi die "Entschädigung" dafür, es nicht tun zu können. Irgendwo hast du ein soziales Optimum, wo mehr Arbeitslohn als Entschädigung die entgangene Freizeit nicht mehr ausgleicht und mehr Arbeit würden Arbeitnehmer ungerne anbieten.
Wir wissen aus Umfragen, dass die meisten Arbeitnehmer ungerne lange Schichten machen wollen, d.h. die disutility pro geleisteter Arbeitszeit wird höher (vermutlich liegen schon die 8 Stunden über dem gewünschten Optimum) und müsste dementsprechend höher vergütet werden. Es gibt aber natürlich Leute wie dich (ich nehme mal an als Student), denen das nichts ausmacht, aber für die meisten Leute sind die zusätzlichen Stunden und die schlechtere Planbarkeit von nicht gleichmäßiger Arbeitszeit nicht gewünscht. Das soziale Optimum wäre erreicht, wenn es eine Regelung die genau solchen Leuten längere Schichten erlaubt, sie aber für alle diejenigen die sie nicht machen möchten verbietet.

Du hast im Grunde genommen als Gesetzgeber drei Möglichkeiten:
(1) Du erlaubst längere Schichten bis zur Stundenzahl X
(2) Du verbietest längere Schichten bis zur Stundenzahl X
(3) Du überlässt die Frage den Vertragsparteien

Das Problem ist, dass wir mittlerweile relativ klar wissen dass (3) nicht gut funktioniert, weil in der Praxis nicht gut nach Leuten getrennt wird die tatsächlich inhärent gerne längere Schichten Arbeiten um danach länger zusammenhängende Freizeit zu haben, sondern es darauf hinausläuft dass längere Schichten schlicht von starken Arbeitnehmervertretungen aus Verträgen herausverhandelt werden können oder man Arbeitnehmern mit hohem Humankapital und/oder in besonders gesuchten Berufen schlicht die disutility mit mehr Geld vergütet. Für wen das nicht klappt der muss längere Schichten gegen seinen Willen arbeiten oder riskiert den Arbeitsplatzverlust. Das sind aber überdurchschnittlich häufig genau die Leute, die ich oben beschrieben habe: Leute, die sowieso schon eher unangenehme Arbeit machen und dementsprechend tendenziell die größte disutility haben.
Wenn man aus econ theory Sicht auf das Problem schaut, ist es vermutlich schlicht das beste bei (2) zu bleiben, zumal ich wie gesagt so gut wie keine sinnvollen Argumente dafür höre, warum längere Schichten gesamtwirtschaftlich hilfreich sein sollen, anstatt einfach nur eine Gefälligkeit für Arbeitgeber die die Flexibilisierungsgewinne komplett einstreichen. Das ist halt leider auch das Gefühl, das bei mir bleibt bei so einer Reform: Da geht es nicht um die Volkswirtschaft, sondern darum Leuten mit einem guten Draht zur Union eine Gefälligkeit zu tun, die auf dem Rücken von Arbeitnehmern passiert. Falls man überhaupt Öffnungsklauseln zulässt, müsste die Politik in meinen Augen darauf achten, dass die disutility der Arbeitnehmer ZWINGEND ausgeglichen wird und nicht nur für diejenigen, die genug Verhandlungsmacht haben sich das in Verträge reinzuverhandeln. Aber die Union will quasi das Gegenteil davon.
 
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