Vielleicht steht ich ja auf dem Schlauch, aber wo genau liegt das Problem?
Dass man in der Gastro auch mal 12 oder 14 Stunden arbeitet, kommt so oder so vor. Meine längste Schicht waren 21,5 (anno ca. 2010) als ich noch viel gekellnert hab und 15, 16 Stunden kamen öfter mal vor.
Ich fand das damals immer ganz gut, weil eine lange Schicht deutlich weniger Overhead hatte als zwei kurze.
Das Problem ist dass aufgrund der inhärenten Asymmetrie des Arbeitsverhältnis das soziale Optimum von Wahlfreiheit häufig nicht gewährt werden kann. Aus der Forschung wissen wir, dass für die meisten (nicht alle) Arbeitnehmer Arbeit eine disutility ist, d.h. sie würden ihre Zeit lieber mit etwas anderem verbringen und der Arbeitslohn ist quasi die "Entschädigung" dafür, es nicht tun zu können. Irgendwo hast du ein soziales Optimum, wo mehr Arbeitslohn als Entschädigung die entgangene Freizeit nicht mehr ausgleicht und mehr Arbeit würden Arbeitnehmer ungerne anbieten.
Wir wissen aus Umfragen, dass die meisten Arbeitnehmer ungerne lange Schichten machen wollen, d.h. die disutility pro geleisteter Arbeitszeit wird höher (vermutlich liegen schon die 8 Stunden über dem gewünschten Optimum) und müsste dementsprechend höher vergütet werden. Es gibt aber natürlich Leute wie dich (ich nehme mal an als Student), denen das nichts ausmacht, aber für die meisten Leute sind die zusätzlichen Stunden und die schlechtere Planbarkeit von nicht gleichmäßiger Arbeitszeit nicht gewünscht. Das soziale Optimum wäre erreicht, wenn es eine Regelung die genau solchen Leuten längere Schichten erlaubt, sie aber für alle diejenigen die sie nicht machen möchten verbietet.
Du hast im Grunde genommen als Gesetzgeber drei Möglichkeiten:
(1) Du erlaubst längere Schichten bis zur Stundenzahl X
(2) Du verbietest längere Schichten bis zur Stundenzahl X
(3) Du überlässt die Frage den Vertragsparteien
Das Problem ist, dass wir mittlerweile relativ klar wissen dass (3) nicht gut funktioniert, weil in der Praxis nicht gut nach Leuten getrennt wird die tatsächlich inhärent gerne längere Schichten Arbeiten um danach länger zusammenhängende Freizeit zu haben, sondern es darauf hinausläuft dass längere Schichten schlicht von starken Arbeitnehmervertretungen aus Verträgen herausverhandelt werden können oder man Arbeitnehmern mit hohem Humankapital und/oder in besonders gesuchten Berufen schlicht die disutility mit mehr Geld vergütet. Für wen das nicht klappt der muss längere Schichten gegen seinen Willen arbeiten oder riskiert den Arbeitsplatzverlust. Das sind aber überdurchschnittlich häufig genau die Leute, die ich oben beschrieben habe: Leute, die sowieso schon eher unangenehme Arbeit machen und dementsprechend tendenziell die größte disutility haben.
Wenn man aus econ theory Sicht auf das Problem schaut, ist es vermutlich schlicht das beste bei (2) zu bleiben, zumal ich wie gesagt so gut wie keine sinnvollen Argumente dafür höre, warum längere Schichten gesamtwirtschaftlich hilfreich sein sollen, anstatt einfach nur eine Gefälligkeit für Arbeitgeber die die Flexibilisierungsgewinne komplett einstreichen. Das ist halt leider auch das Gefühl, das bei mir bleibt bei so einer Reform: Da geht es nicht um die Volkswirtschaft, sondern darum Leuten mit einem guten Draht zur Union eine Gefälligkeit zu tun, die auf dem Rücken von Arbeitnehmern passiert. Falls man überhaupt Öffnungsklauseln zulässt, müsste die Politik in meinen Augen darauf achten, dass die disutility der Arbeitnehmer ZWINGEND ausgeglichen wird und nicht nur für diejenigen, die genug Verhandlungsmacht haben sich das in Verträge reinzuverhandeln. Aber die Union will quasi das Gegenteil davon.