Ich komme mir ja ein bisschen seltsam vor in der Rolle "US-Politik-Optimist", aber um auch mal zumindest etwas Positives einzubringen:
tl;dr: Missouri ist ein konservativer Staat, in dem es seit langer Zeit nur zwei Regierungskonstellationen gibt. Entweder (1) die Republikaner haben die Mehrheit in der staatlichen Legislative und der Gouverneur ist Republikaner, dann können sie machen was sie wollen, oder (2) die Republikaner haben die Mehrheit in der staatlichen Legislative und der Gouverneur ist Demokrat, dann kann zumindest der größte Mist mit einem Veto verhindert werden, zumindest solange bis wieder (1) zutrifft.
Es gibt allerdings noch die Möglichkeit, durch ein Referendum die Verfassung des Staates zu ändern und das mit einfacher Mehrheit der Wähler. Wichtig dabei: Das Referendum kann sowohl von der Legislative als auch von den Wählern selbst (durch Sammeln von Unterschriften) initiiert werden. In den letzten 10 Jahren wird das vermehrt genutzt, um Themen auf die Agenda zu bringen, die Republikanern ein Dorn im Auge sind, die aber in der Bevölkerung Rückhalt haben. Da geht es um so Dinge wie Mindestlohn, Marijuana-Legalisierung, Wahlkreis-Zuschnitt ("Gerrymandering" verhindern), Abtreibungsrechte etc.
Weil die konservative Seite die meisten dieser Abstimmungen verliert (meistens mit irgendwas zwischen 51-49 und 65-35) hatte sich die Legislative Folgendes überlegt: Man setzt einfach ein Referendum an, bei dem die Hürde für ein "Ja" angehoben wird. Statt dass eine einfache Mehrheit der Stimmen reicht sollte es jetzt so sein, dass* nicht nur eine einfache im Bundesstaat erzielt werden muss, sondern eine Mehrheit in jedem der acht Wahlbezirke fürs (föderale) House of Representatives. Unter der Regel wäre kein einziges Referendum angenommen worden, denn in den erzrepublikanischen Wahlbezirken gibt es auch für (gesamtstaatlich) 65-35 Referenden keine Mehrheit. Somit hätten die Republikaner das Beste aus beiden Welten: Populäre Referenden der Demokraten würden de facto immer scheitern, sie könnten aber weiterhin selbst Referenden ansetzen die dann mit einfacher Mehrheit durch die Wähler angenommen werden können. Dazu hatte man es noch statt am Wahltag der Zwischenwahlen im November am Wahltag für die Vorwahlen (diesen Dienstag), weil man erwartet hat dass da die Chancen besser sind. Ergebnis: 80-20 Ablehnung durch die Wähler, die mit Sicherheit nicht weiterhin mehrheitlich konservativ denken und wählen, wenn es darum geht welche Politiker sie wählen. Aber einfach alles mitmachen ist auch bei den republikansichen Wählern mehrheitlich nicht drin.
*übrigens NUR, wenn das Referendum durch die Wähler selbst beantragt wurde, für Referenden der Legislative hätten immer noch die alten Regeln gegolten