Der Trend zum Multithreading sagt, dass die CPU-Ressourcen in Zukunft eher besser ausgeschöpft werden. Die Erfahrung mit dem Rebound-Effekt, den man in zig Situationen finden kann, lehrt, dass diese Ressourcen dann auch irgendwie verbrannt werden. Ergo würde ich erwarten, dass die CPU nicht unwichtiger wird, sondern die durch DX12 und Vulkan freigesetzten Ressourcen einfach anders verbraucht werden––und sei es durch die Faulheit der Programmierer an manchen Stellen nicht mehr so viel zu optimieren.
Wenn Du mein Posting aufmerksam liest wirst Du sehen, dass ich nicht anderes behaupte, als dass die CPU einen relevanten Einfluss haben kann und als Moderator zwischen Frames und GPU-Leistung wirkt. Deine ursprüngliche Aussage war recht absolut gefasst und nun hast Du Sie relativiert und präzisiert, was ich gut finde, denn so nähert sie sich dem an, was hier vermutlich Konsens sein dürfte: Beides ist kontextabhängig relevant. Dass die Grafikkarte häufig der offensichtliche und preisgünstigste Weg ist hat auch niemand in Frage gestellt. Allerdings heißt das halt noch nicht, dass es
immer der Fall wäre wie Du es recht absolut suggeriert hattest.
Ein Beispiel aus dem prallen Leben: Ein hypothetisch in meinem Rechner vorhandener FX8320 (8 Kerne) kann eine hypothetisch in meinem Rechner steckende R9 290 nicht auslasten. Ein hypothetischer Vorgänger Phenom II (4 Kerne) der davor in diesem hypothetischen Rechner steckte erst recht nicht. In beiden Situationen rennt die CPU auf 99%-100% und die GPU langweilt sich. Da jetzt eine bessere GPU reinzustecken wäre Schwachfug. Ähnlich wäre es mit einem i5-2500(k) o.ä. wo man ebenfalls, wenn man nicht gerade unter die Bastler/Übertakter gehen will, die GPU nicht ausreizt (was wohl auf 95% der Nutzer zutrifft, oder mehr). Vielleicht nicht ganz so deutlich, aber ebenfalls je nach Spiel gut messbar.
Also ja, eine neue CPU kann eine bessere Investition sein als eine GPU. Allein in meinem Rechner werde ich dadurch sicher 10-15 Frames in Shadow Warrior gewinnen, denn das ist das was mir zu der nominellen Leistung der R9 290 fehlt. Fehlende Frames die ganz klar bei der CPU und nicht bei der GPU verloren gehen und auch im Bereich zwischen 30 und 60 fps liegen wo man es recht gut merkt. Shadow Warrior deswegen, weil es das einzige Spiel ist wo ich mir mal aus Neugier die fps eingeblendet habe. Also würde mir z.B. das Upgrade für 250 EUR mit R5 2600+MB+RAM sicher mehr bringen als ein Upgrade der Graka für beliebig viele Euros.
AI/TensorFlow/Bullshitbingo: Junge, das ist albern. Ich arbeite selbst mit ML (Random Forests, SVM) und denke, dass ich das einigermaßen einschätzen kann. Allein TensorFlow im Zockkontext zu nennen
Niemand hat behauptet, dass die GPU unwichtig ist. Es ist aber halt auch nicht der Weisheit letzter Schluss kontextunabhängig eine beliebig große GPU zu kaufen. Von der profitiert im besten Fall Zocken plus Bildverarbeitung, aber die meisten sind dann halt doch keine Influencer und Videocontentcreators, deswegen bleibt es beim Zocken. Und dann ist letztendlich die CPU ganz abgesehen von der Abhängigkeit vom konkreten Fall häufig auch einfach die vielseitigere Investition, denn die braucht man immer. Klar, auch da wird bei den Menschen die nur Word, Facebook und Steam brauchen die CPU herumidlen, aber die würden auch mit einer Konsole und einem großen Handy glücklich.
Ende vom Lied: Ich habe auf meinem Rechner den Fall, dass meine CPU nicht gut genug für die GPU ist. Entsprechend warte ich preisabhängig auf den R5 3600X oder R7 3700X und werde erst die CPU aktualisieren und dann irgendwann die GPU wenn es ein gutes Angebot gibt. Diese Vorgehensweise ist für mich absolut sinnvoll und logisch, denn eine größere GPU bringt mir nahezu null. Ganz davon abgesehen nutze ich tatsächlich auch Videoencoding und Zufallszahlen ziehen und Simulationen in recht großem Maßstab (für meine kleine Krüppelworkstation, für HPC-Zeit muss ich immer ausführlich vorher testen because HPC Zeit wächst nicht auf Bäumen). Der Kram läuft aufgrund meiner NVidia/CUDA-Aversion vollständig auf CPU, und außerdem sehe ich nicht ein jetzt noch ein neues Framework mit für mich eher überschaubarem Zusatznutzen zu lernen.
Das Ende vom Ende vom Lied: Ich glaube Du überschätzt die durchschnittliche CPU die unter dem durchschnittlichen mitteleuropäischen Schreibtisch steht. Der durchschnittliche PC sieht vermutlich so aus, dass man aus Sicht des durchschnittlichen bwde-Users das ganze Gerät wegwerfen kann, weil es Not gegen Elend wäre und nicht durch den Austausch von ein paar Teilen in die relative Zock-Wettbewerbsfähigkeit zu retten.