Das ist auf jeden Fall richtig, nur ist das natürlich nicht gleichwertig mit der Approbation nach Ausbildung - afaik kannst Du damit halt auch "nur" in Kliniken unter Anleitung arbeiten. Also Therapeutendasein ohne die Weiterbildung ist weiterhin nix. Aber ich steck da schon ne Weile nicht mehr drin, kann mich irren.
Ich kenne mich auch nicht in der Tiefe aus, aber das ergäbe doch wenig Sinn? Als Psychologe kannst du doch schon immer "unter Anleitung" arbeiten, die Approbation ist doch nur noch für die Abrechnung und den Kauf eines Kassensitzes da, weil dadurch der Eintrag in das Facharztregister und die Kammerzulassung erfolgt. Weiterhin verschiebt sich der Fokus von erzwungener Supervision auf erzwungene Intervision (bis zu einem gewissen Grad) sowie dem Zwang sich kontinuierlich weiterzubilden.
Das ist jetzt schon fast OT aber ich werd nie verstehen, warum PA v.a. in den USA nach wie vor so einen Riesenstellenwert bzw Ansehen hat. Komplett seltsam. Das kann doch echt nur Popkultur sein, oder?
Was den Rest angeht: das ist jetzt auch eher anekdotisch, aber ich bin häufig auf die Haltung gestoßen, dass langfristig die Therapieschulen "vereint" gehören. Immer wieder gehört dass Patienten eben teils auf Elemente der VT, teils auf Elemente der TP, teils auf Elemente der Schematherapie mehr ansprechen und man das idealerweise in der Therapie auslotet - kannste aber halt auch nur, wenn Du das alles offiziell intus hast, und die Abrechnung ist eben zumindest offiziell schwierig.
Ich habe so halb durch die Prüfung meiner Frau "mitgelernt", bzw. aus Laieninteresse und wegen beruflicher Notwendigkeit diverses mitgelesen und diskutiere auch gern mit den Leuten da. Komplett fachfremd bin ich jetzt nicht, aber ich finde sowohl PA als auch VT sehr "interessant". VT scheint irgendwie den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben, die ganze Empirie hinter der Therapie / Ansätzen der Therapie finde ich als Sozialwissenschafter echt gewagt. Da wird häufig irgendwas gemacht und dann als Erfolg verbucht, weil die Klienten sechs Monate später nichts mehr haben zu scheinen. Es gibt zwar deutliche Hinweise, dass sich dann bei bspw. Phobien die Ausprägung ändert und andersartig wieder auftritt, aber so richtig kritisch gewürdigt wird das selten. Psychoanalytiker wirken auf mich meist so, als ob sie ganz viel Theorie haben, aber Empirie was für andere ist. Es ist ein bißchen so wie die Empfehlung Sinupret bei Schnupfen zu nehmen. Wenn die Behandlung dann vorbei ist (die Packung leer), dann geht's dir i.d.R. auch besser. Überspitzt zu beidem ausgedrückt, nicht dass ich meine TP wäre jetzt der heilige Gral.
20 Einheiten beim Beispiel schwerer Depression auf ein Jahr zu strecken ist schon sportlich. Aber davon ab: kannst ja mal die "Rastertherapie" von Spahn googlen.
Kostenübernahme ist weiter ein Thema, und mWn wird das zunehmend erschwert. Glaube da gibts mittlerweile den Kunstgriff, Leute zur probatorischen Sitzung (Erstgespräch? Hab den Begriff grad nicht parat, wie immer es heißt, die Stunde, von der Praxen glaub ~2 im Monat anbieten müssen) zu bugsieren und dann zu argumentieren, dass ja Erstversorgung stattgefunden habe, also keine Not besteht. Ist ja eh pervers, das Verfahren Menschen, die eh schon im Handeln durch psychische Leiden eingeschränkt sind, zuzumuten, aber gut, same old song.
Ich ahne übles und hab keinen Bock auf Artikel mit seiner Fratze als Symbolbild. Es ist eher so für "in der Regel" gemeint, so ich es beobachten konnte. Schwere Depressionen werden meist in der Ambulanz in der Diagnostik wirklich eingehend geprüft und nicht mehr nur von Psychotherapeuten alleine, so mein Eindruck. Bei Abspracheunfähigkeit kommt sowieso die Geschlossene mit Stabilisierung, dann erst enger und später weiterer Taktung, aber das wäre nicht so der "normale" Fall. Ich erahne allerdings worauf es abstellt, zukünftig wird es wahrscheinlich mehr Drehtür-Patienten geben, die Einweisung - Suche - Einweisung - Suche - n+1 - Therapieplatz kriegen.
Ansonsten braucht es wahrscheinlich sowieso Medikamente, weswegen es dann wieder Fachärtze für das Rezept braucht, also ist der Ablauf auch wieder anders. Glaube hier ist immer die Prüfung, ob das Medikament denn nicht ausversehen den Suizid bedingt, weil die Motivation wieder da ist.
Prinzipiell aber trotzdem, ich sehe jetzt nicht in der Unwilligkeit die langen Schlüssel rauszuballern das Problem. Wenn die Anlaufstellen für die Schnellversorgung sofort reagieren können, dann wären die schweren Depressionen auch früher vermeidbar. Das Wenn ist aber schon nicht gegeben und das ist deutlich gruseliger. Die Häufigkeit, mit der mir berichtet wird, dass schon wieder die Geschlossene zu über 120% Belegung hat, hat sich in den letzten zwei Jahren gefühlt vervierfacht.