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Inflation/Baustoffpreise

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Wir haben vor drei Jahren angefangen, den Umbau eines alten Reitstalls zu einem Wohnhaus zu planen, also inkl. Erwerb, Gutachten, Architekt, Statiker, Termine mit Gemeinde und Gewerken: letztes Jahr waren wir dann soweit, dass wir endlich das Baugesuch durchbringen konnten. Hatten dann nochmal eine Verzögerung, da bei der Entkernung (wie das halt so ist), ein paar Dinge nicht so waren, wie man sie vermutet hätte, warum der Statiker nochmal ran musste. Baubeginn hätte im Prinzip nun Mai sein sollen bzw. die Erschließung (Wasser/Abwasser/Gas/Strom/Interwebs) läuft gerade, sind allerdings gute 1,2km die wir erschließen müssen, gonna take awhile :ugly:

Unabhängig davon: 40% müssen wir über ein Baudarlehen finanzieren, seit Januar ist das Angebot unserer Hausbank von 0,61% auf 1,01% gestiegen (immer noch okay, keine Frage), bei den Baufstoffen haben wir allerdings echt knackige Anstiege. Ist ja auch derweil überall in den Medien, wir haben uns daher schon im März dazu entschieden, nochmal etwas umzuplanen (Statiker, hi), ergo von Holzständerwänden nun auf konventionelles Mauerwerk und auch beim Dach sind wir von Holz zu Stahl geswitched, hat uns nochmal etwas Zeit gekostet, während dessen sind die restlichen Baustoffe allerdings auch alle sehr satt gestiegen (hi Kupfer, hi Dämmstoffe, hi everything).

USA ist die Inflation im Q1 recht überraschend auf 4% angesprungen, brauche nun Schwarmwissen.

Baubeginn ist jetzt auf August zurückgestellt, liegt an der Erschließung (war im Prinzip schon für Feb geplant, aber weil alle gerade bauen, konnte erst der Energieversorger nicht, dann der Tiefbauer), vorher haben wir keinen Baustrom/Bauwasser bzw. müssten das noch zusätzlich organisieren, was über die Länge des Weges naja, suboptimal ist. Mit den Gewerken sind wir soweit verblieben (die Angebote sind im Prinzip seit Oktober '20 beauftragungsreif), das wir Ende Juli/Anfang August nochmal einen aktualisierten Stand bekommen mit Tagespreisen der Baustoffe: Falls unser Budget nicht gesprengt wird, wird am gleichen Tag beauftragt, alle nötigen Baustoffe an diesem Tag bestellt, Abschlagszahlung in entsprechender Höhe. Die Baustoffe werden bei uns eingelagert und gleich fakturiert, d.h. falls eines der Gewerke in die Insolvenz rutscht, sind die erstmal save. Rest ist dann klassisch Zug um Zug.

Vom Bauchgefühl muss ich sagen: Ich glaube noch nicht so recht, dass wir im August schon wieder eine Beruhigung sehen, tendenziell würde ich also sagen, scheiss drauf, wir schieben nochmal um ein Jahr. Wir haben ja ansich auch keinen Zeitdruck. Jetzt gibts hier aber zwei Überlegungen: Das ist ja eine Wette darauf, dass sich alles in einem Jahr etwas beruhigt hat (Corona, yadada, Warenströme), d.h. Bauzinsen dürften sich auf voriges Niveau einpendeln, ebenso die Baustoffpreise.

Die Wette beruht aber natürlich darauf, dass die Inflation tatsächlich nicht im größeren Stil wieder anspringt und die Wirtschaft nicht per se in eine schwerere Rezession abgleitet. Kann das momentan schwer beurteilen, wenn ich allerdings so meine Aktienerfahrung zugrunde lege, ist das Gefühl "eine Chance zu verpassen" immer ein schlechter Ratgeber für Entscheidungen, bin daher hin und hergerissen. Allerdings um die Größenordnung kurz darstellen: Wir haben 2018 mit 320.000€ für die Umbauten kalkuliert, erste Angebote 2020 waren dann bei 350.000€, die gleichen Angebote mit gleichem Leistungsumfang nur mit aktuellen Baustoffpreisen sind in den letzten 3 Monaten nun auf 520.000€ geschnellt, Ende offen. Ich hab hier allerdings so ein bisschen die Klopapier-Theorie: Weil gerade alles etwas knapper wird, hamstern alle auch noch mehr, was die Baustoffe noch knapper und damit teurer werden lässt, als es eigentlich prinzipiell der Fall ist.

Ergo:
yay, play the patient game, nächstes Jahr wirds günstiger.
nay, play the hasty game, das wird nur noch teurer.
 
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parats'

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Das Problem bei dir ist gar nicht so tragend, da du am Anfang der Kette auch direkt verbrauchst. Teuer wird es dann, wenn Dienstleistungen damit verbunden sind. Handwerker sind schon seit Jahren gefragt, wenn jetzt die Baustoffe knapp bzw teurer werden, kann es nicht besser werden.
Mein Schwager baut auch seit Jahren um, und der beschwert sich über die gestiegenen Preise, gerade beim Holz, macht aber eben alles alleine und ist nicht auf Fachpersonal angewiesen.

Mal eine Frage an die Ökonomen hier: Die Inflation wird doch über den Warenkorb bestimmt, aber der berücksichtigt doch nicht zwangsläufig die Güter am Anfang einer Warenkette. Würde ich damit nicht erst viel später Inflation "registrieren", als es vielleicht möglich wäre oder sein sollte?
Ich hab immer noch im Kopf, dass man eigentlich den Zuwachs von M3 und BIP ins Verhältnis setzt, oder verwechsel ich da was?

Inb4 Gustavo kommt mit vulgär Ökonomie. Die Fragen sind durchaus ernst gemeint und google liefert wie so oft nur widersprüchliches oder HW Sinn. :ugly:
 
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Du bekommst verschiedene Ergebnisse, weil beim Thema Inflation vieles umstritten ist, wie so vieles in der Ökonomie :)

Aber grundsätzlich stimmt das, die Inflation wird nach dem Warenkorb gemessen und damit hast du die Zeitverzögerung, je nachdem, wie schnell die Anbieter bei gestiegenen Kosten die Preise erhöhen. Wie schnell sie das machen, hängt auch stark von der Wettbewerbsituation ab, daher kann die Verzögerung unterschiedlich lang sein, mit ein paar Monaten würde ich aber rechnen (die Rohstoffe werden ja auch gerne als Terminkontrakt eingekauft). Und dann gibt es natürlich noch Dinge, die nicht Teil des Warenkorbs sind und daher nicht mitgemessen werden.

Ich persönlich rechne nicht mit einem schnellen Abflauen der Inflation. Wir hatten jetzt ein Jahr in dem extrem viel Geld von allen Notenbanken in die Märkte gepumpt wurde und im Gegensatz zu den Jahren davor hatten wir a) gleichzeitig einen deutlichen Rückgang der Warenmenge durch die unterbrochenen Lieferketten und b) kam mehr des neu gedruckten Geldes auch bei den Verbrauchern an und floss nicht direkt von den Banken in die Finanzmärkte. Beides treibt die Verbraucherpreise und damit die Inflation. Eigentlich müssten die Notenbanken wohl sehr bald die Zinsen erhöhen, aber ob das politisch durchsetzbar ist (gerade in der Eurozone), ist völlig offen.

Ich würde daher yesnocancel auch nicht unbedingt raten zu warten. Ich glaube, du müsstest schon zwei Jahre oder mehr einrechnen, damit sich die Preise wieder halbwegs beruhigen.
 
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Ich würde als Bauherr versuchen, nicht auf Rohstoffpreise zu spekulieren.

Daher eher Nay, go jetzt. Dafür spricht ja auch, dass du eben ein Jahr früher fertig bist, d.h. ein Jahr früher nutzen kannst.
 
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Ich bin gestern Abend erst über diese Zahlen gestolpert:

Year-to-date:
Corn +58%
Steel +41%
Crude +36%
Copper +35%
Soybeans +24%
Iron Ore +27%
Nickel +8%
Gold -3%
Bitcoin +474%

Ich hatte auch letztens die Kupferpreise überprüft weil eine Bestellung deutlich über dem erwarteten Preis lag, da zahle ich auch tagesaktuell. Kann die Inflation denn einfach sinken nach der Druckerei von über 3 Billionen $$ im Jahr 2020? Ökonome bitte um Aufklärung.

YNC, ist ein Kornspeicher geplant? :hammer:
 
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Sie kann sinken, wenn sich die Angebotssituation wieder bessert. Der momentan starke Inflationsschub kommt ja auch daher, dass das Warenangebot durch die Unterbrechung der Lieferketten gesunken ist. Sobald die sich wieder erholt haben, sollte sich dieser Druck auf die Preise wieder geben. Allerdings kann das noch etwas dauern, da das Zeit benötigt und die Nachfrage wohl auch steigen wird, wenn sich die Wirtschaft jetzt wieder erholt und mehr Rohstoffe nachfragt.

Allerdings ist die Geldpolitik der EZB auf jeden Fall nicht hilfreich und treibt die Inflation gehörig mit an, weil sie das Geld ja mehr oder weniger direkt den Staaten der Eurozone in die Hand drückt. Wenn die dann damit Hilfsmaßnahmen finanzieren, fließt es direkt in die Realwirtschaft und erhöht die Menge an verfügbarem Geld bei gleichzeitig niedrigerem Angebot, also Inflation. Eigentlich müsste die EZB ihr PEP-Programm zurückfahren und die Zinsen erhöhen, für beides gibt es allerdings momentan keine Anzeichen.

Daher rechnen nicht ohne Grund sehr viele Ökonomen auch aus ganz unterschiedlichen Lagern mit einer deutlich höheren Inflation in den nächsten Jahren. Über die Höhe gibt es natürlich sehr unterschiedliche Schätzungen, von moderaten zwei Prozent bis zur Hyperinflation und dem Ende des Euro.
 
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Ich würde als Bauherr versuchen, nicht auf Rohstoffpreise zu spekulieren.
Ist momentan knapp 65% der Aufwendungen. Kurz drüber nachzudenken halte ich für keinen Fehler. Ist ja jetzt durchaus ne Größenordnung und nicht "kauf ich die Graka jetzt für 1000€ oder für 600€".
 
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Ich habe wirklich überhaupt keinen Plan, aber könnte mir vorstellen, dass Abwarten in Deinem Kontext vllt nicht das Beste ist. Als Laie mache ich das an folgenden Punkten fest: die Entwicklung ist "erst" seit einigen Monaten (6+) an Kennziffern eindeutig beobacht- und interpolierbar. Ich glaube nicht an eine kurzfristige Entspannung, allein schon aufgrund der Zuchtdauer des mangelnden Rohstoffes. Corona und steigende Temperaturen haben dem Primärsektor zudem ordentlich zugesetzt. Sollte dazu noch eine spürbare Inflation tatsächlich Realität werden (daran "glaube" ich persönlich aber nicht) wäre es vermutlich das Klügste so schnell wie möglich den Bau (klingt nach einem coolen Projekt btw!) abzuschließen.

Aber wie gesagt: ich bin Laie und hab überhaupt keine Ahnung.
 
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Das Schaf

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Laut unserem Schreiner und Elektriker kannst du jetzt auch bestellen wirst aber keine Rohstoff Lieferung bekommen. Also die Idee mit einlagern ist schon gut nur wirst echt nicht alles bekommen.
 
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die Entwicklung ist "erst" seit einigen Monaten (6+) an Kennziffern eindeutig beobacht- und interpolierbar. Ich glaube nicht an eine kurzfristige Entspannung, allein schon aufgrund der Zuchtdauer des mangelnden Rohstoffes.
Wie oben geschrieben: Rational gesehen sehe ich das auch so. Ich befürchte ein bisschen, dass sich das eher etwas zuspitzt. Gibt natürlich irgendwann eine potentielle Grenze, wo ich aussteige: Wir reden ja gerade über eine halbe Millionen Euro. Eine halbe! Der Schwabe in mir kotzt im Quadrat.
 
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Ist eine gewaltige Summe! Deine Überlegungen sind absolut nachvollziehbar!
 
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Laut unserem Schreiner und Elektriker kannst du jetzt auch bestellen wirst aber keine Rohstoff Lieferung bekommen. Also die Idee mit einlagern ist schon gut nur wirst echt nicht alles bekommen.
Die Bauphase ist ca. 6 Monate, müssen außen viel abgraben, Mauerwerk abdichten (ist von 1910), generell guter Batzen Maschinen- und Personenstunden, auch ziemlich viel Erdhub der zusätzlich aufs Gelände kommt (kommen teilweise 50cm höher und das auf eine Fläche von 1200m² aka 600m³ Erde), Gesamtgrundstück sind 4200m². Von daher gleich zu Beginn nahezu alles ordern und einlagern, kommt dann halt, wann es kommt und wenns dann 5 Monate in unserer Halle liegt, ist dann halt so. Wir haben aber insofern etwas Druck rausgenommen, weil wir von Holz (obwohl ich Holz extrem mag) auf etwas konventionellere Bauweise umgeswitched haben. Fühlt sich trotzdem etwas nach DDR-Mangelwirtschaft an, du bekommst nicht, was du willst, sondern was du noch kriegen kannst :ugly:
 
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parats'

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Die US Inflation liegt mittlerweile bei Werten um die Finanzkrise 2008 rum.

Mal sehen ob die FED den Leitzins anhebt. :ugly:
 
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Darauf freue ich mich schon das ganze erste Halbjahr. Gekreisch wegen iNfLaTiOn. Basiseffekt kapiert natürlich kaum einer. :D

Mal sehen wann Fotzenfritz angerannt kommt. :D
 

parats'

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Wer ist denn Fotzenfritz? HWS kann es ja nicht sein, aber ich kenne seine Metapher zur Inflation mit der Pferdekutsche, die einmal in fahrt, nicht mehr so schnell aufzuhalten ist. :troll:
Wart mal erstmal ab, was die Medien daraus machen. Schlagzeilen wie "Enteignung der Sparer" wird es wohl nicht geben.
 
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