Oh ich weiß nicht so recht. Die Union bringt, gemessen an ihren Ergebnissen, echt den Anspruch der alten Volkspartei mit 40%+ rüber. Auf der anderen Seite ist es zwischen Brandmauer und links halt schon einsam (dazu noch ohne FDP).
Und wenn man um jeden Willen regieren will und dabei wechselnde Mehrheiten aka Minderheitsregierung maximal als nette Theorie ansieht, muss man halt ne Menge Kröten schlucken. Das trifft in Teilen ja auch auf die SPD zu, bei der ich schon lange nicht mehr weiß, für was die eigentlich stehen. Der klassische kleine Arbeiter wählt wohl eher blau.
Ich meinte eher das Kosten/Nutzen-Kalkül. Bei der Union habe ich häufig das Gefühl, dort glaubt man man im Wahlkampf beliebig rote Linien als Versprechen definieren und alle anderen müssen diese akzeptieren und dann richtig Konzessionen machen, wenn man will dass diese roten Linien überschritten werden. Aber genau das ist halt völlig illusorisch: Warum sollte die SPD (oder irgendein anderer Partner) sagen "okay, wenn ihr so über euren Schatten springt kriegt ihr X?" und nicht "ist doch nicht unser Problem, dass du ohne Not irgendwelche Sachen versprochen hast?"
Das meinte ich auch mit NPCs: Wenn nur du ein echter Mensch bist und alle anderen Statisten, halt wie in einem cRPG, funktioniert die Welt meistens so, aber im richtigen Leben funktioniert es halt nicht.
Und na ja, was heißt um jeden Willen regieren? Das Problem im politischen System wird immer sein, dass für die AfD jede andere mögliche Koalition, die nicht blau-schwarz ist, noch viel weniger Sinn ergibt (und diese Parteien sie auch, glaubhaft, ausschließen). Was soll die Union machen, wenn in Bund oder Land gegen sie keine Regierung gebildet werden kann? Sich komplettt verweigern?
In fast allen Ländern, in denen man ohne Union regieren kann, wird es entweder schon gemacht (Bremen, Hamburg, Saarland, Niedersachsen, MV) oder es wurde versucht (Brandenburg, bis das BSW implodiert ist). Die einzigen beiden Länder, in denen die Union regiert obwohl es auch anders ginge, sind Berlin und NRW und in Berlin hat die Entscheidung die SPD getroffen, nicht die CDU.
Und was die "wechselnden Mehrheiten" angeht: Ich verstehe nicht, warum Leute das immer wieder erwähnen. Die würde es nicht geben. ALLE Parteien links der Mitte würden nicht mit der Union stimmen, wenn sie auch mit der AfD stimmt, da gibt es absolut nix was die Union ihnen anbieten könnte um das zu ändern. Das wäre de facto immer "Unionsregierung toleriert von der AfD" und die linken Parteien würden genau damit dann auch Wahlkampf machen. Das ist ein Risiko, das die Union unmöglich eingehen kann. Ich kann mir auch keinen exogenen Schock vorstellen, in dem die Union glaubhaft argumentieren könnte, Sachzwänge würden eine Abstimmung mit der AfD unausweichlich machen. Da muss die Union in dem Fall einfach mit Handel betreiben, so wie die SPD damit Handel betreiben muss dass bei jeder neuen SPD-Regierung eine neue linke Partei im Parteiensystem aufkommt.
p.s. Wahlkampf gegen den politischen Gegner war schon immer erfolgreicher als einer mit Inhalten. Scheint zumindest die Meinung bei Union/SPD zu sein, keine Ahnung wie man solche Kampagnen noch für fruchtbar halten kann.
Oh, ich glaube das kann schon ganz fruchtbar sein, wenn du darauf hoffst die Stimmen der Mitbewerber in der Mitte einzusammeln. Für Leute wie Schulze kann sowas nicht funktionieren, aber für Schwesig, die eh jeder kennt, ist das vermutlich sogar keine schlechte Idee. Derselbe Effekt hat im Osten ja schon mehrfach geklappt, u.a. bei Haseloff bei der letzten Wahl in S-A.