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[Linux] SuSE-Stand auf der Buchmesse in FFM. Interessantes Gespraech.

XFreeX

Guest
Tag zusammen!

Gestern habe ich mich mit meiner Freundin mal auf die Buchmesse in Frankfurt am Main gewagt, und wollte euch einen netten Plausch, den ich mit dem Vertriebsleiter der SuSE AG hatte, nicht vorenthalten, dafuer war er zu interessant.

Zuerst fand ich es witzig, dass meine Freundin mit einem SuSE Schluesselanhaenger und einem Flauschi-Tier in "Geeko"-Form gefuegig gemacht wurde, und sich die SuSE Jungs auf diese Art direkt dem Sympathie-Bonus sicher sein konnten.

Ich fasse die wesentlichen Punkte des Gespraechs zusammen, es dauerte weit ueber eine Stunde, so viel Zeit nahm sich der langhaarige Herr fuer mich; fand ich ziemlich geil, an dem Stand lungerten aber eh nur seltsame Gesellen herum auf die der Mensch keinen Bock mehr hatte, wie er mir erzaehlte.

1) Frage: Warum der enorme Versionssprung von 8.2 auf 9.0? Das liegt doch nicht etwa daran, dass Redhat mit den Versionsnummern so voran prescht?

Antwort (er laechelte verschmitzt): Naja, es liegt zu einem grossen Prozentteil an Red Hats Version 9. Die Endkunden kaufen ein Produkt fast ausschliesslich ueber die Versionsnummern, man soll es fast glauben, aber das haben Studien ergeben. Und das Produkt mit der hoeheren Versionnummer wird als das fortschrittlichste angesehen. Ausserdem werden viele Teile aus dem 2.6 Kerneltree mit in die 2.4.21 Source gepatched werden, so dass auch dies den enormen Versionsnummernsprung rechtfertigt.

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Das gab mir natuerlich eine Steilvorlage fuer die kommenden Fragen, welche sich auf die SuSE internen Patches und die Stabilitaetspolitik der AG bezogen.
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2) Frage: Es werden also Teile von 2.6 Funktionalitaeten in den 2.4.21 Kernel gepatcht.
Wie Sie bestimmt wissen, gilt der SuSE Kernelsource als sehr unschoen und in vielen Dingen als "zerpatcht", ein Kernelupdate ueber die "make oldconfig" Methode ist bei SuSE leider zum Scheitern verurteilt. Was sagen Sie als Linux-Enthusiast zu dieser Problematik?


Antwort (er haelt sich seinen SuSE-Messeausweis zu):

Als Linux-Enthusiast kann ich natuerlich nur sagen, dass ich diese Vorgehensweise nicht begruesse. Aber haben Sie Ahnung, wie oft pro Tag von Konzernen gefragt wird, ob wir eine bestimmte Funktionalitaet, welche nicht bestandteil des betroffen Kerneltrees ist, in den SuSE Kernel patchen koennten? Extrem viele, ist da noch untertrieben.

Ich:

Der Markt macht bestimmt also die Distribution?

Er:Ja, in gewisser Weise kann man das so sagen. Wie Sie wissen sind wir ein kommerzieller und erfolgreicher Distributor. Und das bringt eben mit sich, dass man auf die Musik der Wirtschaft hoeren muss. Andere Distributoren gehen einen anderen Weg und wie man zB an Mandrake sieht, in den sicheren Untergang. Im Desktop-Bereich decken wir in Europ knappe 76 % der Linux-Systeme ab, bei Firmenkinden sind es knappe 87%, einfach weil wir im Vergleich zu den anderen grossen Distributionen ein vernuenftiges Firmenkozept haben. Jede andere Distribution ist fuer den Heimgebrauch sehr gut, Debian zB. Eine wunderbare Distribution, sehr sauber designed, aber leider fuer den Firmenkunden nicht akzeptabel, weil es keinen Support/Maintenance dafuer gibt.

Frage: Ist das alles der Grund dafuer, dass sich die Distributionen von SuSE so massiv in ihrer Qualitaet unterscheiden? Die 8.1 Version war aus sicht des Endkunden einfach nur ein Schlag ins Gesicht.

Antwort: *Seufz* Ja, ja, die 8.1...
Gut war das nicht, was wir da abgeliefert haben...Eigentlich war es ziemlich schlecht.
Der Grund dafuer ist recht einfach: Wir haben hausintern Produkt-Zyklen von maximal 6 Monaten. Dann gebietet es der Markt mit einer neuen Distribution auf den Markt zu kommen, sonst sieht man ganz schnell die roten Lichter von hinten. Bei der 8.1 waren die Rahmenbedingungen sehr schlecht: Viele Projekte im Umbruch, kurz vor der Beendigung, aber eben noch nicht final, dies war bei dem 8.1 Release der Fall. Nachdem man die Updates eingespielt hatte, lief das System wunderbar, vorher war es einfach schlecht.
Bei KDE z.B. haben wir die Hauptentwickler einfliegen lassen, um in unseren Labors an der Final von 3.0 zu arbeiten, damit sie rechtzeitig zum 8.0 Release fertig wird, was auch geklappt hat, sie sehen also, wir bemuehen uns auch darum, dem Endkunden kein unfertiges Produkt zu servieren.

Feststellung und Frage: Die Buecher aus dem SuSE Press Verlag sind, soweit ich das beurteilen kann, qualitativ sehr ordentlich. Besonders die Buecher aus dem Netzwerkbereich. Wie sieht die QA bei SuSE aus?

Antwort: Hehe, ich gebe es gerne an das Lekorat weiter!
Naja, wissen Sie, wir haben ein Team von Lektoren, dass sich andere Verlagshaeuser nur wuenschen koennen. Bei uns bildet das Entwicklerteam selbst das Lektorat. Leute, die taeglich damit umgehen, lesen die Buecher korrektur, damit sie wenigstens inhaltlich korrekt sind, der Stil wird von einer 2. Abteilung im Lektorat dann ueberarbeitet.

Nach viel Lachen, nettem Small-Talk und einer Brautschau des 9.0 SuSE Systems machte ich mich zufrieden und aufgeklaert vom Acker.
Die Jungs waren sehr kompetent, freundlich, locker und auskunftsfreudig.
Kurzum: Gute Messe-Menschen, welche mich wenigstens dazu gebracht haben, mal wieder die 9.0 zu leihen, um sie mir anzuschauen.

Mal sehen, was die 9.0 am 15. Oktober wirklich bringt. (Samba 3.0 nicht ;-) )

Gruss, Stefan
 

lari.fari

Guest
löblich, eine solche ehrlichkeit!

samba 3.0 ist doch schon draußen o_O
 

[For]Hood2

Guest
hast du ein photografisches Gedächtnis? oder schlepspt du immer einen recorder mit Dir rum *g*
 

XFreeX

Guest
Ja, habe ich; leider nur bei Formeln. Nein, ich hatte keinen Recorder dabei, merke mir aber Gespraeche sehr gut.
 

The_Company

Guest
Damit wäre meine Software dann bald auf 76% aller europäischen Desktop-Linuxe :ugly: :top:

Ist Yast eigentlich inzwischen Free, oder muss ich Suse weiter ignorieren, weil es nicht Open Source ist?
 

XFreeX

Guest
Es war noch nie nicht Open Source. Die Sourcen gab es schon immer...
Aber das mit den Veraenderungen... :)
Du darfst sie weiter ignorieren.
 

Morag

Guest
Nett :D

Die Geschichte mit den Versionsnummern find ich hart.
Das SuSE ihr Distri nach dem Markt ausrichten find ich ok. Letzendlich ist es ihr Job eine vorkonfigurierte Softwaresammlung anzubieten.
In dem Moment wo man den Anspruch hat, dass kommerziell erfolgreich zu tun, muss man es halt so machen, dass die meisten Kunden zufrieden sind. Und SuSE ist IMHO immer noch die Distri, mit der man _ohne_ Vorkenntnisse am weitesten kommt. Die Leute fuer die SuSE gedacht ist, sind halt nicht bereit mal eben ne manpage zu lesen. Schon allein weil sie noch nie ne konsole gesehen haben, geschweige denn mal nen Befehl per hand eingegeben haben.
Das schöne bei Linux ist ja, daß ich nicht auf SuSE angewiesen bin, wenn ich da philosophische Probleme mit hab. Dafür haben wir ja zum Glück debian.
 
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