Threema wird Open Source

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Der kleine Messengerdienst Threema (8Mio Privatnutzer gemäss Wikipedia (Whatsapp >>1Mrd)) hat gestern über den internen Channel und übers Web folgende News verbreitet

Threema startet mit Open Source und neuem Partner in die Zukunft

Marktwirtschaftlich scheint sich das Unternehmen aus der Eigenständigkeit zu verabschieden, wenn auch beteuert wird, dass die Gründer weiterhin am Ruder bleiben sollen. Die Beteiligungsgesellschaft Afinum ist mir persönlich unbekannt, der Schritt in die Obhut eines grossen Investors scheint mir nachvollziehbar aber nicht unbedingt begrüssenswert.

Der Schritt zum offenen Quellcode wurde in der Vergangenheit vielfach gefordert und ist mMn das nötige Comittment zur schon lange propagierten Vertrauenswürdigkeit. Bisher hatte sich Threema stets auf Gutachten berufen.

Obendrauf werden Multi-Device-Lösungen angekündigt, was das bisher vorhandene Threema-Web (browserbasierte Websitzung des Smartphoneapps) positiv ergänzen dürfte.

Welche Messenger nutzt Ihr, und aus welchen Gründen?
Hat man als Nutzer überhaupt noch eine Wahl, abseits von WhatsApp?

Ich persönlich habe mich irgendwann um ca 2013 von WhatsApp verabschiedet und nutze seither nur noch Mail/SMS/MMS/Threema. Über den aktuellen Client von WhatsApp kann ich nichts sage, da ich ehrlichgesagt die App nie mehr direkt getestet habe. Threema finde ich sehr gelungen (Konzept und Umsetzung) und kann ich eigentlich empfehlen. Natürlich ist das wichtigste Kriterium die Verbreitung, welche bei Leuten aus dem Arbeitsumfeld eher gut, ansonsten aber sehr dünn ist. SMS hat glücklicherweise (noch?) jeder.

Wie sich das Unternehmen Threema mit der neuen Ausrichtung entwickelt, werde ich weiterverfolgen. Schon jetzt scheint sich der Fokus stark auf die kommerziellen Lösungen (Work, Education, Broadcast ...) zu liegen.

Ich würde mich freuen, wenn sich mehr Leute aktiv mit der Wahl ihrer Kommunikationskanälen auseinandersetzen würden. Im vollen Bewusstsein, dass ich auch nicht den Durchblick habe. Wenn ich aber sehe, dass in vielen Schulklassen WhatsApp _die_ Kommunikationsbasis (Lehrpersonen inkl.) darstellt, frage ich mich ob das der richtige Ansatz ist.
 

ex'ratt

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Spannend. Das klingt doch gar nicht mal schlecht. Ich nutze Signal und Threema, von WhatsApp bin ich vor knapp zwei Jahren weg. Die meisten Leute habe ich in Signal, Threema nutzen nur sehr wenige in meinem Umfeld. Spannend ist es immer, wenn ich mal neue Leute kennenlerne - die meisten nutzen halt WhatsApp oder Telegram.
 

Shihatsu

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Zu Threema schlagen mindestens drei Herzen in meiner Brust:
1. Alles ist besser als WhatsApp
2. Wenn schon, dann doch bitte (F)LOSS
3. Könnt ihr das bitte einmal richtig machen FFS?

1. Zum ersten Punkt muss man denke ich nicht viel sagen. Glaube nicht das dem Otto-Normal-Anwender bewusst ist was er mit WhatsApp alles preisgibt und was ihn das kostet. Und das er die Rechte anderer mit Füssen tritt. Ich glaube aber das hier gerade ein Umdenken stattfindet, auch getriggert durch Apple. Überaus begrüßenswert. Ich benutze Threema auch, allerdings ist es einer meiner am wenigsten gern genutzen Messenger - warum siehe 3.
2. Ich vertraue keiner Software die nicht mindestens OSS ist - das F muss nicht sein, ich bin durchaus bereit zu bezahlen, wobei ich lieber spende als zu bezahlen. Ich bin mittlerweile bei ~80€/Jahr Dauerspendenauftrag. Nur den Client OSS zu machen ist sicherlich ein guter erster Schritt (genau genommen ist es der zweite, der erste war das unabhängige Audit), aber eben auch nur das . Die Server-Komponente muss nicht nur ebenfalls OSS sein, sie muss auf auditierbar (jederzeit) und nachprüfbar unverändert sein, um eine völlige Vertrauensstellung zu erreichen. Vorher ist das nur Augenpulver. Ich bezweifle stark das es dazu kommen wird - allerdings ist die Begründung für die jetzige Offenlegung des Codes tatsächlich ein Grund für Hoffnung - hier ist offenbar wirklich der Wunsch nach Transparenz ausschlaggebend.
3. Warum keine Föderation. Warum keine Schnittstellen. Warum immer noch eigene Crypto (wenn auch eine sehr gute, der Merkspruch dazu ist einfach ultimativ immer richtig: Never do your own crypto!). Warum nicht vernünftig laufend ohne Google Services. Warum kein vernünftiger Schlüsseltausch in Anwenderfreundlich (Ja, hier sind sie allerdings weniger schlecht als der Rest).

Hiach, ich bin zwiegespalten. Mir ist prinzipiell egal welche App ich nutze um zu kommunizieren - unter der Prämisse das sie den Datenschutz meiner Kontakte respektiert, keine Metadaten verkauft und mich nicht profilisiert. Aber gut kriegt das keine hin (gut inkludiert sicher aka OSS durch die volle Kette und trotzdem Anwenderfreundlich). Bei den von mir verwendeten Apps hat jede in machen Punkten massive Schwächen:
Riot: Nur für Geeks, anwenderfreundlichkeit nicht vorhanden. Aber: Föderation, FLOSS, Geräterübergreifend. Leider keine Schnittstellen, läuft gute ohne GS.
XMPP/Jabber: Nur für Geeks, geile Schnittstellen, FLOSS, ohne GS, aber mehrfachGerätebenutzung&Verschlüsselung einfach SCHEISSE³.
Signal: Prinzipiell wie threema: Ich muss jemandem trauen. Urgsl. Ansonsten geil - wäre da nicht die SAche mit dem Schlüsseltausch - dieses "verify your pin" ist nen kranker Hybrid zwischen Verarsche und Augenpuder. Videocalls ohne GS!
Telegram: Ich muss Russen vertrauen. Ansonsten siehe Signal, minus die Videocalls.
SMS: Ich muss meinem Provider vertr... ach lassen wir das.

:8[:
 

pinko

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Telegram ist bzgl. Usability für mich der König, aber wie du schon sagst: Man muss Russen vertrauen. Wobei ich es eher vermeide, wirklich private Dinge via Messenger auszutauschen. Schüler wollten ne WA-Gruppe wg. Corona, dagegen habe ich mich gesperrt. Sowas finde ich unverantwortlich.

Der Haken bei den ganzen "coolen" Messengerdiensten, bzw. -protokollen ist einfach, dass sie sonst keiner benutzt. Telegram ist diesbezüglich das Höchste der Gefühle.
 
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Ich nutze Threema und bin großer Fan, auch wenn die Verbreitung leider sehr gering ist.
Unter treuen Kameraden erfreut sie sich allerdings recht guter Beliebtheit :troll:
 
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Benutze Telegram, Signal und WA … weil man einen Großteil der Menschen nicht davon wegbekommt ohne ihnen Gewalt anzudrohen. Großteil der relevanten Kommunikation geht über nicht-WA.
 
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Telegram ist bzgl. Usability für mich der König, aber wie du schon sagst: Man muss Russen vertrauen. Wobei ich es eher vermeide, wirklich private Dinge via Messenger auszutauschen. Schüler wollten ne WA-Gruppe wg. Corona, dagegen habe ich mich gesperrt. Sowas finde ich unverantwortlich.
Darauf ein Like! In CH wurde mit Lehrplan 21 (weil 21/26 Kantone mitmachen, nicht weil er 2021 eingeführt wurde. Er läuft schon etwas länger) Medienkompetenz/Informatik in den Lehrplan aufgenommen. Gleichzeitig scheint (nahfeldempirisch) WA immer noch 1. Wahl unter den Kommunikationsmittel zu sein wenn es um Kurzfristiges geht. Danke für die Shizophrenie!
Was sind für Dich die Hauptpunkte die in der Usability für Telegram sprechen?

Der Haken bei den ganzen "coolen" Messengerdiensten, bzw. -protokollen ist einfach, dass sie sonst keiner benutzt. Telegram ist diesbezüglich das Höchste der Gefühle.
Für mich als Asozialer ist eine kleine Userbase ein Pro-Argument :ugly;

Ich nutze Threema und bin großer Fan, auch wenn die Verbreitung leider sehr gering ist.
Unter treuen Kameraden erfreut sie sich allerdings recht guter Beliebtheit :troll:

Wie der Verfassungsschutz sicher weiss, sind Verschlüsselungen aus der Schweiz absolutes Mittel der Wahl :deliver:

Zu Threema schlagen mindestens drei Herzen in meiner Brust:
1. Alles ist besser als WhatsApp
2. Wenn schon, dann doch bitte (F)LOSS
3. Könnt ihr das bitte einmal richtig machen FFS?
...

1. 100% agree
2. & 3.
Ich versteh schon was Du meinst. Aber vielleicht ist der Ansatz gar nicht so schlecht fürs Zielpublikum. Ich denke man darf nicht vergessen, dass für die meisten Leute die Hürde der App-Kosten (wtf, das ist ein halbes Bier) hoch genug ist, um Threema kategorisch auszuschliessen. Dieses Zielpublikum direkt mit dem 100%-FLOSS-Term anzuziehen ist wohl "etwas" optimistisch. Und bei Threema ist das ooB Erlebnis mMn ziemlich gut. Und am Schluss ist Threema eine gewinnorientierte Unternehmung, so wie ich das verstehe...

Zur Sicherheit der Verschlüsselung: siehe Link in der Antwort auf Mackia :eagle:


Benutze Telegram, Signal und WA … weil man einen Großteil der Menschen nicht davon wegbekommt ohne ihnen Gewalt anzudrohen. Großteil der relevanten Kommunikation geht über nicht-WA.

Vielleicht bin ich zu alt, aber relevante Kommunikation über Messenger ist für mich auto-Disquali :8[:
 

pinko

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Was sind für Dich die Hauptpunkte die in der Usability für Telegram sprechen?
Da gibt es einige:
- Sofern man dran glaubt, ist es wohl annehmbar verschlüsselt.
- geheime / sich selbst killende Chats (Timer) möglich
- sehr guter Desktop-Client
- intuitive und stets klare Bedienung, sowohl am Desktop als auch mobil
- übersichtliches Management von verschickten Bildern, Files, etc.
- Sticker (total unwichtig, aber einfach spaßig und deutlich besser als z.B. bei WA implementiert)
- angenehmes Farbschema einstellbar :ugly:

Ich benutze Telegram einfach gerne, hatte auf dem PC noch ewig lang Pidgin zwecks ICQ, das ist mittlerweile natürlich tot. Telegram hat das vollständig ersetzt, habe da auch nur Freunde und niemanden aus der Arbeit. Chats mit Kollegen finden notgedrungen über WA statt, wobei wir da natürlich keine Dinge, die datenschutzrelevant sind, kommunizieren. Sowas läuft ausschließlich über die schulinterne Plattform.
 

Shihatsu

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Nene, das ist mit Nichten blabla - Multi-Device-Unterstützung ist die hohe Schule der guten Messenger-Apps. Das gut, sicher, Meta-Daten-arm UND Anwenderfreundlich zu gestalten ist wirklich richtig schwierig. Der Ansatz von Threema ist interessant. Ich muss noch VIEL mehr dazu lesen - vor allem von jemandem der nicht bei Threema arbeitet - aber das macht auf den ersten Blick einen guten Eindruck.
 
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Die Schweizer Armee hält ihre Angehörigen dazu an, künftig die dienstliche Kommunikation über Threema abzuwickeln. Natürlich ein grosser Coup für eine Firma. Aber auch ein schöner Kreis der sich schliesst. Ende April 2021 hat Threema vor Bundesgericht (höchste Gerichtsinstanz) gegen das Justizdepartement gewonnen: Das Unternehmen hat sich geweigert, Metadaten an die Behörde weiterzugeben. Nun setzt also der Staat selbst auf die Dienste des Unternehmens.

Ich würde der Entscheid als sinnvoll einstufen:
- Parallele Kommunikation ist im Dienstalltag nicht zu eliminieren.
- in Anbetracht der Möglichkeiten halte ich Threema für die beste Wahl.

Wie seht ihr das?
 
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Interessant ist dazu auch die Entscheidung der Deutschen Bundeswehr auf Matrix zu setzen.
Wohlwollend würde ich das so interpretieren, dass der Diskurs bzgl. verschlüsselter Chatsysteme nicht mehr von besorgten Innenministern bestimmt wird, sondern Qualität der Technik und Aspekte wie digitaler Souveränität im Vordergrund liegen.
Sinnvoll ist der Entscheid allemal.
 
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oh gott matrix :rofl2: ich frage mich ob der server den die leute von matrix gebaut haben so einem grossen "kunden" standhalten wird. ich weiss selberhosten etc. die leute die ich kenne und kleinere instanzen am laufen haben. haben sich shcon ein paarmal darueber beschwert wie unfreundlich es ist so einen server am laufen zu haben.
 
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Rein technisch gesehen hätte für eine Institution/Armee der Betrieb eines eigenen Matrixservers nur Vorteile? Ist der Aufwand wirklich so gross im Verhältnis zum Mehrnutzen gegenüber Threema?
 
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Rein technisch gesehen hätte für eine Institution/Armee der Betrieb eines eigenen Matrixservers nur Vorteile? Ist der Aufwand wirklich so gross im Verhältnis zum Mehrnutzen gegenüber Threema?
der server matrix.org ist eine stark modifizierte version des servers synapse. mit einem den ich gesprochen habe welcher ein paar hundert user hat, hat es irgendwann aufgegeben da es nicht mehr stabil lief
 
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