Welche Distribution kann man nehmen?
Eine Sache vorweg: Eine perfekte Distribution gibt es nicht. Alle haben Ecken und Kanten, man muss sich nur im Laufe der Zeit darüber klar werden, mit welchen Macken man leben kann und will.
Ich zähle mal einige Distributionen auf, die ich bisher unter der Fuchtel hatte:
- SUSE Linux
die aktuelle Verkaufsversion ist 9.3, kostet für Schüler und Studenten 50 €.
SUSE ist in der BRD wohl am häufigsten anzutreffen, zumindest im Heimbereich. SUSE hat den riesigen Vorteil, dass man für sein Geld ein extrem umfangreiches Sorglos-Paket bekommt. Zudem ein für mich wichtiger Aspekt: Unterstützung von Hardware, welche auch in Deutschland ab und an anzutreffen ist: AVM Produkte. Meine Fritzcard DSL ist unter der aktuellen SUSE absolut unproblematisch in Betrieb zu nehmen, von den anderen Distributionen erzähle ich später etwas. Hinzu kommt, dass man für sein Geld auch knappe 1000 Seiten in Papierform bekommt, die einen in die Welt des Linux einführen.
Wo Licht, da auch Schatten: Das Paketmanagement und die Abhängigkeiten.
SUSE basiert auf dem RPM und die Auflösung von Paketabhängigkeiten ist zum Erbrechen. Zudem ist SUSE alles andere als schlank. Alleine die Grundinstallation (KDE+Anwendungssoftware), mit der man eigentlich jeden Heimuser befriedigen dürfte, umfasst knapp 2,2 GB. Gerade für Leute, die sich gerne ein "schlankes" System aufbauen wollen, ist das ein K.O.-Argument für SUSE. Um SUSE hinreichend abzuspecken, sollte man neben einer gehörigen Portion Wissen auch viel Zeit mitbringen. Wer also schlank will, der ist bei SUSE falsch.
Man wirft SUSE vor, dass man kein "Linux lernt". Ich habe diesen Satz bisher noch immer nicht verstanden, zumal die Klicki-Bunti Oberfläche es mir nicht verbietet XTerm aufzurufen und mich per Hand durch die Config-Dateien zu wurschteln. Auch hier gilt wieder: Es läuft out of the box eigentlich ganz gut. Wer auf Bastelarbeiten steht und diese braucht (weil ohne sie das System nicht funktioniert), der ist auch bei SUSE falsch.
-Debian
Debian...da bekommt der X doch strahlende Augen.
Debian basiert vollkommen auf freier Software und wird weltweit von Leuten entwickelt, die man nur als selbstlos bezeichnen kann. In der aktuellen Version 3.1 (Sarge) hat Debian nen schicken Installer bekommen, der auf allen mir bekannten Systemen die Hardware sehr zuverlässig erkennt (bis auf AVM Karten ;-) ). Der Installer spricht den Anfänger nicht wirklich an, da er wein wenig spartanisch ist. Aber wenn man gewillt ist, den Text auf dem Bildschirm zu lesen, dann kommt man auch damit sehr gut klar. Er macht genau das, was ein Installer machen soll. Nicht mehr und nicht weniger. Und das ist auch gut so!
Debians Aktualisierungszyklen sind mitunter ein wenig lang. So dauerte der Sprung von 3.0 auf 3.1 knappe 3 Jahre. Während dieser Zeit wird die Software weiterhin supportet und mit Sicherheitsupdates versorgt. Hier liegt gleichzeitig der riesen Vorteil und für viele der riesen Nachteil von Debian.
Die Version 3.1 war schon zum Zeitpunkt des Releases ein wenig betagt. Man hat Gnome 2.8 (2.10 war aktuell), man hat KDE 3.2 (3.4 war aktuell), man bekommt standardmäßig einen 2.4er Kernel, der vom Installer vorgeschlagen wird.
Für Leute, die geil auf Versionsnummern sind, ist Debian defaultmäßig erstmal nichts. Man kann die Pakete vermöge "apt" sehr leicht und ohne Bauchschmerzen (Bei SUSE hat man in dieser Beziehung sehr viel mehr Schmerzen) auf eine "aktuelle" Version bringen, indem man aus dem Software aus anderen Zweigen installiert (Es gibt stable, testing und SID). SID ist der Entwicklerzweig, in dem zur Zeit sehr viel Umbruch herrscht. Wer Software aus diesem Zweig installiert sollte in der Regel wissen, wie er Fehler behebt und sein Linux benutzt.
Problematisch ist nur, dass SID eben nicht stable ist und das merkt man mitunter auch.
Ich hatte mal ein lustiges Gespräch mit einem Debian-Zeloten, der mir folgende logische Krönung präsentierte:
Ich: Debian ist alt. Bei Programm X fehlt mir Funktionalität Y (Und 2004 war Woody alt!)
Er: Dann nimm doch unstable oder SID.
Ich: Dann läuft aber Paket Z nicht mehr.
Er: Dann nimm doch stable

Zusammenfassung:
Debian ist bombenstabil, extrem gut getestet und standardmäßig erstmal keine 2,2 GB SUSE-schwer. Mit ein wenig Handarbeit kann man es aktualisieren und hat danach idR keine Probleme mehr mit seinem System. Hinzu kommt APT, welches für mich neben dem Gentoo portage das zur Zeit beste Paketmanagement-Tool in der Linux Welt ist.
Wer also auf Versionsnummern keinen so großen Wert legt und sich nicht scheut, auch mal Hand an Config-Dateien zu legen, der ist bei Debian sehr, sehr, sehr gut aufgehoben.
- Ubuntu
Ubuntu ist ein relativ neues Projekt. Ubuntu basiert auf Debians SID Zweig und hat es sich zum Ziel gesetzt, ein "Linux für Menschen" zu machen.
Ubuntu ist imho sehr benutzerfreundlich, hat eine klasse Hardwareerkennung und kommt mit einem sehr schönen Softwarepaket daher. Für jeden Zweck hat man exakt ein Tool, nicht wie bei SUSE, bei dem man sich erstmal vor Vielfalt gar nicht retten kann.
Ubuntu lief zumindest auf meinen Rechnern absolut stabil und rund. Es vereint das Paketmanagement von Debian mit Aktualität und Stabilität, was für mich eine sehr interessante Sache ist.
Ubuntu wird zur Zeit sehr gelobt und steht bei der Downloadliste der Distributionen ganz oben. Eine Sache sollte man aber mitbringen: Einen breitbandigen Internetanschluss. Bis sich unter Ubuntu Freude im Multimedia-Bereich einstellt, muss man erst noch ein paar Pakete aus dem Netz ziehen.
Wie das funktioniert, was man einrichten sollte, wird in den diversen Foren und in WIKIs so erklärt, dass jeder Mensch damit klarkommen sollte.
Die Ubuntu Community ist extrem hilfsbereit und freundlich, die Anleitungen sehr gut und brauchbar. Wer ein aktuelles, sehr einfach zu wartendes System mag, der ist bei Ubuntu richtig.
Für mich die größten Nachteile: Ubuntu ist braun...sehr braun sogar. Und meine Fritzcard hat mich auch erstmal viele Nerven gekostet.
Was benutze ich?
Ich bin seit vielen Jahren SUSE-Luser. Ich habe mich an die Ecken und Kanten von SUSE gewöhnt und lebe damit sehr gut.
Da ich alle für mich relevanten Dinge mit dieser Distribution hinreichend schnell und gut erledigen kann, gibt es für mich absolut keinen Grund zu anderen Distributoren zu wechseln. Der Aufwand stünde in keinem Verhältnis zum Gewinn.
Auf meinen Systemen habe ich meistens noch einige andere System aufgespielt, die brauche ich aber idR nur, wenn ich im Rahmen meiner Tätigkeiten als IT-Schlampe mal mit anderen Systemen konfrontiert werde.
Mit der Zeit verwäscht eben der Unterschied zwischen den Distributionen, da es es eben nicht mehr wichtig, welche man verwendet. Ausschlaggebend ist, was man mit der jeweiligen erreichen kann.
Hier gibt es einige User, die dir bestimmt sehr viel besser als ich über die jeweiligen Distributionen berichten können.
-The Company ist afaik Debian User.
-SaS verwendet afaik Gentoo
-Bog ist auch Debian Benutzer.
Frag die doch mal per PN, die können dir bestimmt detailliert Auskunft geben.
Viele Grüße,
Stefan